Cover Thomas Lehr Schlafende Sonne

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Ulrich Sonnenschein (hr2-kultur): 638 Seiten, die einen einzigen Sommertag beschreiben. Es geht um die Kondensierung der Geschichte des 20. Jahrhunderts – an einem einzigen Tag. Am 19. August 2014 findet eine Ausstellung von Milena Sonntag statt, die in der DDR aufgewachsen ist. In ihrer Kunstausstellung zieht sie Bilanz – vom ersten Weltkrieg bis ins heutige Berlin.

Thomas Lehr erzählt vielstimmig, mal kommt Milena zu Wort, mal ihr Ehemann Jonas, mal Rudolf, ihr Lehrer und ehemaliger Liebhaber. Es gibt keine eindeutige Perspektive. Der Roman ist eine Sprachflut, nichts ist voneinander getrennt. Eigentlich zerschlägt der Autor die Zeit, denn Zeit ist hier keine lineare Dimension sondern eine flächige.

Das Buch ist eine große Herausforderung und erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts in vier Spektralfarben: einmal rein physikalisch, dann das Licht als Metapher für die Wahrheit, als Metapher für politische Macht bis zum Nationalsozialismus und natürlich das künstlerische Licht in der Malerei.