Cover Marion Poschmann "Die Kieferninseln"

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Bianca Schwarz (hr2-kultur): Die Verschrobenheit der Hauptfigur Gilbert Silvester zeigt sich dem Leser gleich von Anfang an. Silvester hat geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. Er nimmt diesen Traum als Realität, macht ihr eine Szene und setzt sich in den nächsten Flieger nach Japan. Dort erlebt er den Selbstmordtrip eines jungen Mannes, der sich aus Prüfungsangst vor den Zug werfen will. Silvester hält ihn davon ab, die beiden reisen gemeinsam durch das Land und besuchen die berühmtesten Suizid-Plätze.

Marion Poschmann tut in dem Buch nichts anderes als schwebende Räume zu erzeugen, die sie miteinander verknüpft. Dazu kommt eine Sprachmacht, die wirklich ungeheuerlich ist. Wie ein Lagerfeuer, an allen Ecken und Enden züngeln, brennen und bersten die Sätze - die Beschreibungen schlagen glühende Funken. Die Handlung hat ganz schön viel Tempo, aber die Sprache bleibt ganz ruhig. Viele nennen dieses Buch ein Meisterwerk und ich will dem nicht widersprechen. Wer Sprache liebt, sollte dieses Buch lesen.