Szene aus dem Comic "Tagebuch der Anne Frank. Graphic Diary"
Szene aus dem Comic "Tagebuch der Anne Frank. Graphic Diary" Bild © Ari Folman/David Polonsky - S. Fischer Verlag 2017

Anne Frank war 15, als sie im KZ Bergen-Belsen starb. Ihr Schicksal hielt die Frankfurter Jüdin in einem Tagebuch fest, das Weltruhm erlangte. Zum 70. Jahrestag der Erstveröffentlichung erscheint die bewegende Geschichte nun als Comic - vorgestellt in Frankfurt.

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Ihre Kindheit verbrachte Anne Frank in Frankfurt am Main, im Exil in Amsterdam versteckte sie sich vor den Nazis, am Ende starb sie im Konzentrationslager in Bergen-Belsen. Über ihr Schicksal erfuhr die Öffentlichkeit durch ihr Tagebuch - das später als "Tagebuch der Anne Frank" von ihrem Vater veröffentlicht wurde und heute als wichtiges, historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust gilt. Am Montag erscheint die Geschichte als Comic, die Buchvorstellung findet in Frankfurt statt.

Künstler Folman und Polonsky kommen aus Israel

Es ist nicht das erste Mal, dass Anne Franks Geschichte als Comic auf den Buchmarkt kommt, im Gegenteil. Darstellungen ihrer Geschichte gab es schon viele. In Deutschland dürfte bislang die von zwei Amerikanern vor sieben Jahren veröffentlichte Bildergeschichte am bekanntesten sein, die das Schicksal des Mädchens im Versteck im Amsterdamer Hinterhaus nachzeichnete.

Jetzt also erstmals eine Adaption ihres Tagebuchtextes von Ari Folman und Davod Polonsky - zwei israelischen Kreativen, die vor einigen Jahren mit dem Animationsfilm "Waltz with Bashir" Erfolg hatten. Der Streifen wurde als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert und gewann den Europäischen Filmpreis.

"Das Tagebuch der Anne Frank: Graphic Diary", heißt der Comic von Folman und Polonsky. Schon auf dem Titelbild erkennen wir ein selbstbewusstes Mädchen. Den Stift in der Hand schaut es den Betrachter direkt an, im Hintergrund sieht man die Enge und die verängstigten Mitbewohner im Amsterdamer Versteck.

Vom Anne Frank-Fonds autorisiert

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Bild © S. FISCHER-Verlag

Die Autoren kombinieren den Originaltext aus dem Tagebuch mit lebendigen, fiktiven Dialogen, die auf dem Buch basieren und anschaulich machen, wie schwierig das Schicksal im Hinterhaus-Versteck gewesen sein muss. Immer wieder werden Originalseiten aus dem Tagebuch als reiner Text abgedruckt. Die Zeichnungen wirken klar und ruhig, sind dem schweren Thema angemessen.

"Das Besondere an diesem vom Anne Frank-Fonds autorisierten Comic ist, dass die Autoren so mit Zitaten arbeiten, dass sie die Bildlichkeit, die im Tagebuch ohnehin vorhanden ist, sehr gut umsetzen. Sie nehmen die Szenen, die Anne beschreibt, sehr ernst", sagt Ole Frahm, Literaturwissenschaftler und Comicfachmann, der für das Jüdische Museum in Frankfurt den Band vorstellt.

Comic endet noch vor Franks Tod

Die Autoren bleiben eng an der Vorlage, erfinden nichts hinzu, betrachten auch nur den Zeitraum zwischen Juni 1942 und August 1944. Der Comic endet also noch, bevor Anne Frank verhaftet wird und später im KZ stirbt. Deshalb dürfte mit dem Comic auch eine Zielgruppe erreicht werden, die sonst nicht zu solchen Themen greift.

"Die Pädagogik im Buch ist nicht so offensichtlich, wie bei manch anderem Anne Frank-Comic", sagt Frahm. Im Vordergrund stehe hier die Vermittlung des Tagesbuchs und die visuelle Darstellung der Welt einer 13 bis 15-Jährigen. "Die Bilder werden zum Teil sehr irreal, zum Beispiel an der Stelle, wo sie sich vorstellt, wie es im Konzentrationslager ist", so Frahm. So erfährt man nicht unbedingt auf wissenschaftlich historische Weise etwas über den Holocaust, aber die Protagonistin kommt dem Leser nahe. Ihr Schicksal wird fühlbar gemacht.

Nicht nur für Jugendliche

Nicht nur deshalb ist der Comic nicht nur für Jugendliche interessant, auch Erwachsene können vieles neu entdecken - kunstgeschichtliche Anspielungen beispielsweise, etwa an Edward Munchs Schrei. "Man merkt, dass das Team so gewieft war, den Comic auch für Erwachsene interessant zu machen", sagt Frahm.

70 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buches wird der Stoff durch den Comic so auf eine ganz andere Art lebendig. Der Leser taucht nicht nur in die Gedanken des jungen, aber auf seine Weise sehr reifen Mädchens ein, sondern er wird durch ihre Bildwelten geführt. Er sieht Facetten von Anne Frank, die durch die beiden Autoren geschickt herausgearbeitet werden. Und die einem Annes Geschichte auf eine neue Weise näherbringen.

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Buchvorstellung in Frankfurt

Am Montag wird der Comic um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt in der Hasengasse 4 vorgestellt. Dazu werden die Comicexperten Véronique Sina und Ole Frahm ein Gespräch führen.

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