Die argentinische Künstlerin Marta Minujin vor ihrem Kunstwerk Büchertempel in Kassel
Die argentinische Künstlerin Marta Minujin vor ihrem Büchertempel in Kassel Bild © picture-alliance/dpa

Ihr "Parthenon der Bücher" ist schon jetzt eine der Haupt-Attraktionen auf der documenta in Kassel. Im Interview erklärt Künstlerin Marta Minujin was nach Ausstellungsende damit geschehen soll - sie will ihn verschenken.

Unübersehbar steht es vor dem Kasseler Fridericianum: 70 Meter lang, 30 Meter breit und 20 Meter hoch ist das Werk und hat damit in etwa die Maße des antike Parthenon-Tempels auf der Akropolis in Athen. Der Tempel ist behängt mit zehntausenden Büchern, die irgendwo in der Welt verboten sind oder es einmal waren. 

"Der Parthenon der Bücher" der argentinischen Künstlerin Marta Minujín ist ein Statement für Pressefreiheit. Nachts soll der Tempel bunt beleuchtet werden.

VW-Mitarbeiter schweißten Bücher ein

Damit die Bücher die 100 Tage der documenta überstehen, wurden jedes einzelne in Plastik verpackt, eingeschweißt und mit Kabelbinder zum Aufhängen versehen. Mitarbeiter des VW-Werks in Baunatal hätten das übernommen, berichtet Stephan Gruber, der auch beim Bau des Riesengerüsts mitgearbeitet hat.

Die Bücher selbst - knapp 45.000 sollen es inzwischen sein - wurden nach dem Startschuss auf der Frankfurter Buchmesse 2016 in aller Welt eingesammelt. An der Uni Kassel wurde eine Forschungsstelle eingerichtet, die die Geschichte der Bücher recherchierte. Bis zu 100.000 Bücher wollte die documenta ursprünglich bekommen. Die dem Fridericianum abgewandte Seite ist noch ziemlich kahl. Aber der Ort ist gut gewählt: 1933 wurden hier rund 2000 Bücher von den Nazis verbrannt. 

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Die Nachrichtenagentur dpa sprach mit der Künstlerin:

Wie sind Sie zufrieden mit dem Fortschritt Ihres Kunstwerks?

Minujin: Ich hätte gern mehr Bücher! Mindestens 20.000 oder 25.000 mehr, dann könnten wir auch die andere Seite des Tempels fertigstellen. Ich bitte die Besucher der documenta: Wenn 1.000 Leute zehn Bücher mitbringen, hätten wir 10.000 mehr.

Was passiert am Ende der documenta mit dem Tempel?

Minujin: Ich schenke den Parthenon dem deutschen Staat. Die Bücher sollen an Menschen verteilt werden, die kein Geld haben, um zu lesen. An den letzten vier Tagen der documenta werden die Säulen abgehängt, eine nach der anderen, als eine Kunstaktion.

Waren Sie schockiert, dass so viele Bücher verboten sind?

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Marta Minujín ...

... wurde 1943 in Buenos Aires geboren. Die Installations- und Performance-Künstlerin war Teilnehmerin der Biennalen von Venedig und São Paulo. "In ihren auf große Teilnehmerzahlen angelegten Projekten entdeckt die Künstlerin den ursprünglichen Wert von kollektiven Schätzen neu und schmilzt geteiltes Kapital rückstandslos in kulturelle Währung um", schreibt die documenta über sie.

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Minujin: Überall in der Welt werden Bücher verboten. Und so viele. Es hört nicht auf. Manche Menschen denken, Bücher sind Gift. Dagegen kämpfe ich. Die Menschen sollen den Parthenon sehen und anfangen zu denken: Was geschieht in dieser Welt?

Was planen Sie als nächstes?

Minujin: Etwas Ähnliches, aber noch größer. Ich denke darüber nach, den Turm zu Babel aus verbotenen Büchern nachzubauen. Vielleicht in Brasilien.

Haben Sie sich schon umgesehen? Wie finden Sie die documenta?

Minujin: Sehr interessant. Aber ich glaube, ich mag die Haltung mehr als die Kunstwerke.

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Der Büchertempel im 360°-Rundblick.