Ein Junge hält ein Plastik-Gewehr in der Hand und zielt durch ein Guckloch.
Von außen wird gezielt, innen steht bei ihrer Installation "El Objectivo" die Künstlerin R. J. Galindo. Bild © picture-alliance/dpa

Kunst ist nur zum Anschauen da? Quatsch. Auf der documenta gibt's einige Werke, bei denen Sie mitmachen können. Auch Provokantes ist dabei.

Bücher mitbringen, beim Spazierengehen mitdiskutieren, Teil einer Performance werden: bei der documenta 14 ist Mitmachen angesagt. Eine Auswahl.

Der Parthenon der Bücher

Der Büchertempel der argentinischen Künstlerin Marta Minujín ist schon nach wenigen Tagen zum Wahrzeichen der documenta 14 geworden. Schon im Herbst 2016 rief Minujín auf, aktuell oder ehemals verbotene Bücher für den Parthenon zu spenden.

Inzwischen ist er gut gefüllt mit Werken wie Goethes "Die Leiden des jungen Werther", dem teils zensierten "Guantanamo-Tagebuch" eines dort inhaftierten Häftlings oder Salman Rushdies "Satanischen Versen". Etwa ein Viertel der Fläche ist aber noch frei, so dass weiter Bücher gespendet werden können.

Sich als Sklave versuchen

An vergangenes Unrecht erinnern will der mexikanische Künstler Antonio Vega Macotela mit seiner "Mill of Blood". Die Blutmühle ist ein Holzgebilde mit dicken Zahnrädern. Es ist der Nachbau einer Mühle, mit der Arbeiter, unter ihnen auch Sklaven, in Bolivien Silbermünzen herstellten. Jeder Besucher kann das schwere Gerät einmal selbst bedienen.

Geraubte Kunst melden

Um Bücher und mehr geht es im Projekt der Künstlerin Maria Eichhorn: Sie hat eigens für die documenta ein Institut gegründet, das "Rose Valland Institute". Es versteht sich als künstlerisches Projekt, will aber auch Forschungs- und Dokumentationsstelle für Kunst aus jüdischen Privathaushalten sein, die während der NS-Diktatur enteignet wurden. Die documenta-Besucher sind aufgerufen, "NS-Raubkunst im ererbten Besitz zu recherchieren und Informationen dem Rose Valland Institut zu melden". 

Die documenta "erlaufen"

Rund 150 Kunstvermittler, sogenannte "Choristen" sollen den Besuchern der documenta die Kunst näherbringen. Es geht dabei nicht nur um Hintergrundwissen zu den Kunstwerken. Hier soll über Kunst geredet werden - und zwar bei gemeinsamen Spaziergängen. Die Bezeichnung "Chorist" geht übrigens auf den Chorus der Antike zurück, der im klassischen Theater auch mal die Seite wechselte und auch mal die Perspektive des Zuschauers übernahm.

Teil einer Performance werden

A Propos Spaziergang: Ein Rundgang der besonderen Art ist der Ökosex-Spaziergang, den die feministischen Künstlerinnen Annie Sprinkle und Beth Stephens ersonnen haben. Wer mit ihren Postporn-, Punk und Bootcamp-Beratern durch Kassel läuft, kann unter anderem lernen, Ökosex zu haben und eine ganz eigene Art von Umweltbewusstsein zu entwickeln.

documenta Scheinhinrichtung
Die Künstlerin R. J. Galindo provoziert bei der d14 mit einer Scheinhinrichtung. Bild © picture-alliance/dpa

Seine Hemmschwelle testen kann der Besucher bei einer Scheinhinrichtung mit Plastik-Maschinengewehren: Die für ihre drastischen Aktionen bekannte Künstlerin Regina José Galindo aus Guatemala hat im Kasseler Stadtmuseum eine verstörende Szenerie aufgebaut. Sie stellt sich in eine weiße fensterlose Kammer, an deren Ecken aus vier Schießscharten die Mündungen der Waffen ragen. Besucher können auf die Künstlerin zielen.

Eine Liste von weiteren (wechselnden) Performances finden Sie auf der documenta-Webseite.

Reden über Kunst

Es wird viel geredet während dieser documenta: über Kunst, mit Künstlern, mit Vermittlern, aber auch mit "ganz normalen" Menschen. Eines der Vermittlungsprojekte nennt sich "Lose Fäden", bei dem sich Frauen mit Migrationshintergrund zu einem Nähkreis treffen und über Themen der documenta sprechen. Über die Kunstschau geredet wird unter anderem außerdem bei den Treffen der Studierendengruppe Membrane und der Kasseler Bürger im "House of Commons".

Und schließlich: Entspannen

Wer von all dem Spazierengehen und Performen müde ist, kann sich übrigens in einem eigens eingerichtete Raum der Stille ausruhen: Im "Peppermit" in der Unteren Karlsstraße haben die documenta-Macher einen "Raum der Stille" eingerichtet - einen nur wenige Quadratmeter großen Raum, in dem es nur einen Stuhl, einen Tisch, eine Lampe und ein Paar Schallschutz-Kopfhörer gibt.

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