Pressekonferenz zur documenta
Kunstminister Boris Rhein (CDU) und Kassels OB Christian Geselle (SPD). Bild © hr

Mit einer Bürgschaft von acht Millionen Euro wollen das Land Hessen und die Stadt Kassel die finanzielle Handlungsfähigkeit der documenta absichern. Viele Fragen zum Millionendefizit der Kunstausstellung ließen die Verantwortlichen auch nach einer Aufsichtsratssitzung offen.

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Am Donnerstag traf sich der Aufsichtsrat der documenta 14, um über das Defizit von sieben Millionen Euro zu beraten, das die Kunstausstellung eingefahren hat. Im Anschluss informierten der Vorsitzende, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), und Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) über erste Ergebnisse - wurden aber wenig konkret.

Geselle hatte zunächst gute Nachrichten für alle, die Angst um die Zukunft der documenta als solche hatten: "Es wird auch 2022 eine documenta geben", betonte er. Und, an die Kasseler gewandt: "Wir sind die documenta-Stadt, Kassel muss und wird Gegenstand und Ort der documenta bleiben."

"Keine Freiheit vom Wirtschaftsplan"

Viel konkreter, vor allem in Sachen Verantwortlichkeiten für das Defizit, wurden Geselle und Rhein nicht. Beide wiesen die Kritik des künstlerischen Leiters Adam Szymczyk zurück, der in einer Stellungnahme bestritten hatte, allein für das Defizit verantwortlich zu sein: Er habe seine Pläne immer kommuniziert, schrieb er.

Sowohl Geselle als auch Rhein betonten, es habe einen vom Aufsichtsrat verabschiedeten Wirtschaftsplan gegeben, an die sich Szymczyk hätte halten müssen: "Künstlerische Freiheit bedeutet nicht Freiheit von den Möglichkeiten des Wirtschaftsplans", sagte Rhein. "Wir reden hier von öffentlichen Geldern."

"Wir wussten es nicht"

Dass documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff in der Presse und nicht mit den Gesellschaftern über eine Unterfinanzierung der documenta gesprochen habe, "hat mich schon geärgert", sagte Rhein. Von den konkreten Finanzierungsproblemen habe er erst am 28. August erfahren. "Vorher wussten wir es nicht", sagte Rhein.

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Der Aufsichtsrat empfehle nun erst einmal, die organisatorischen, finanziellen und personellen Strukturen der documenta-Gesellschaft grundsätzlich zu prüfen und ein zeitgemäßes Controlling-System einzuführen. Auch über den Einstieg eines dritten Gesellschafters neben dem Land Hessen und der Stadt Kassel denkt denke der Aufsichtsrat nach, sagte Rhein: "Ich könnte mir den Bund gut vorstellen."

Nächste Sitzung im Herbst

Wer genau für das Defizit verantwortlich ist, müsse weiter geklärt werden, sagte Geselle und ließ nochmal anklingen, dass das Finanzloch vor allem durch Ausgaben am Standort Athen gerissen wurde. Rhein sagte, es habe etwas mit Miet-, Energie-, Transport- und Personalkosten in Griechenland zu tun.

Antworten dazu erwarte der Aufsichtsrat im Herbst. Im November werde er sich zur nächsten Sitzung treffen und einen weiteren Bericht der schon beauftragten Wirtschaftsprüfungsagentur erhalten. "Wer hat in Athen wann welche Aufträge vergeben? Wer hat wie Geld überwiesen? Diese und andere Fragen müssen beantwortet werden", sagte Geselle. Vorher werde es keine personellen Konsequenzen geben.

Bürgschaft von acht Millionen Euro

Bis dahin werde die Liquidität des documenta gGmbH mit einer Bürgschaft von acht Millionen Euro gesichert, sagte Geselle. Die eine Million mehr als bislang geplant stellten einen Sicherheitspuffer dar. Stadt und Land übernehmen je die Hälfte, wobei Magistrat und Stadtverordnetenversammlung in Kassel am Montag (25. September) noch zustimmen müssen. "Wer das nicht tut, nimmt die Insolvenz der Gesellschaft in Kauf", drohte Geselle.

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Zahlen

Das vom Aufsichtsrat bewilligte Gesamtbudget der documenta für die Jahre 2014 bis 2018 lag laut OB Geselle bei 34 Millionen Euro. Für die Jahre 2015 bis 2017 seien darin für den Standort Athen 2 Millionen Euro enthalten gewesen.

Davon unabhängig sei der Wirtschaftsplan für 2017 zu sehen, sagte Geselle: Der Aufsichtsrat sei von 26,3 Millionen Euro an Aufwänden ausgegangen, die durch Erträge wieder eingenommen werden sollten. Zum 31. Juli 2017 lag der Ertrag dann zwar bei 29,6 Millionen Euro, die Aufwände seien aber gleichzeitig auf 34,9 Millionen Euro gestiegen - allein bis dahin habe das Defizit bei rund 5,4 Millionen Euro gelegen. Das an die Medien kommunizierte Defizit von 7 Millionen Euro ist aufs ganze Jahr gerechnet, weil noch nicht alle Einnahmen und Ausgaben eingerechnet werden konnten.

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