Adam Szymczyk, D14-Chef
Adam Szymczyk, Leiter der 14 Documenta in Kassel (2017) Bild © picture-alliance/dpa

Bürgschaften von Land und Stadt stützen die finanziell angeschlagene documenta in Kassel, doch Ausstellungs-Chef Adam Szymczyk attackiert die Retter. Er habe seine Pläne und ihre Folgen immer kommuniziert, erklärt er.

Videobeitrag

Video

zum Video documenta-Leiter äußert sich zu Finanzdebakel

Ende des Videobeitrags

documenta-Chef Adam Szymczyk bestreitet in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme das Defizit der Ausstellung in Kassel und Athen gar nicht. Er kritisiert aber in der mit dem Kuratorenteam veröffentlichten Erklärung die Politik, die für die Schlagzeilen über die Fast-Pleite verantwortlich sei.

"Die Politik hat diesen Medienrummel verursacht, indem sie das Bild des unmittelbar bevorstehenden Bankrotts der documenta in Umlauf gebracht hat und sich selbst als 'Retter' in einer Krise präsentiert, deren Entwicklung sie selbst zugelassen hat", heißt es in der Erklärung. Man müsse das System der Wertschöpfung solcher Megaausstellungen auf den Prüfstand stellen.

Die finanziellen Probleme der Ausstellung waren am Dienstag bekannt geworden. Stadt und Land bestätigten ein Defizit. Es soll bei rund sieben Millionen Euro liegen. Eine Pleite habe nur durch Bürgschaften von Land und Stadt abgewendet werden können; in Kassel müssen allerdings noch die Stadtverordneten zustimmen.

"Budget seit 2012 nicht wesentlich erhöht"

Das Budget sei seit 2012 nicht wesentlich erhöht worden, "trotz der Tatsache, dass dieses neue Projekt notwendigerweise größere und offensichtliche Folgen für die finanzielle Seite haben würde", heißt es in dem Papier. Szymczyk hatte die Ausstellung auf 163 Tage verlängert und neben Kassel auch in Athen stattfinden lassen, was die Sache verteuert hat.

Seine Pläne habe er "deutlich kommuniziert", gerade dieses Konzept "mit den ihm innewohnenden und vorhersehbaren Herausforderungen" habe die Findungskommission überzeugt. Nun aber sehe er, "dass diese Zustimmung sehr viel mehr an Bedingungen geknüpft und begrenzt war, als man uns glauben ließ", verteidigt sich der künstlerische Leiter.

"Besucher in Athen zählen nicht"

Erstmals wurden in dem Statement Besucherzahlen genannt: In Kassel habe die aktuelle documenta bis wenige Tage vor Schluss etwa 850.000 Besucher angezogen. Dazu kämen mehr als 330.000 Besucher in Athen, die sich nicht in Ticketverkäufe übersetzen ließen, "damit existieren sie für die rechtlichen Gesellschafter der documenta nicht", bemängelt Szymczyk. Die 13. documenta vor fünf Jahren hatten 860.000 Besucher gesehen.

Sendung: hr-iNFO, 14.09.2017, 16.00 Uhr