Vor dem Büchertempel: die Oberkommissare Petra Gummer und Sinan Tuna.
Vor dem Büchertempel: die Oberkommissare Petra Gummer und Sinan Tuna. Bild © Michael Przibilla

Herrenlose Koffer, Taschendiebe, falsche Künstler: Die Polizei hat auf der documenta in Kassel einiges zu tun. Das ist nicht jedem Besucher klar.

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Dienstgruppenleiter Lars Viereck am Polizei-Wohnwagen vor dem Kasseler Fridericianum

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zu Besuch auf der documenta-Wache

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Alles ist irgendwie Kunst und Performance derzeit in Kassel - selbst die Polizeiwache, die mitten im Trubel der Weltkunstschau auf dem Friedrichsplatz direkt neben dem Büchertempel steht: ein blau-weiß gestreiften Wohnwagen. Das wirkt so sommerlich entspannt, so wie die Beamten wohl auch wahrgenommen werden wollen. Doch eigentlich ist der Wohnwagen nur Fassade.

Lars Viereck, der Leiter der documenta-Wache erklärt, dass die richtige Wache in einem unscheinbaren Container dahinter untergebracht ist, mit Computern und was die Polizei so an Technik braucht. Der Wohnwagen ist eigentlich nur der Pausenraum - und natürlich ein Blickfang, damit die documenta-Besucher leichter erkennen können, wo die Polizei zu finden ist.

Betonsperren gegen Terroristen

Bisher sei alles friedlich auf der documenta gewesen, bilanziert Viereck. Auch das Auftaktwochenende mit tausenden Besuchern. Dennoch ist die Polizei in Habachtstellung. Es geht nicht nur um Taschendiebe, die es auf documenta-Besucher abgesehen haben könnten.

Betonsperren schotten den belebten Friedrichsplatz von der Straße ab. Das soll einerseits die documenta-Besucher davon abhalten, jenseits der Fußgänger-Ampeln auf den viel befahrenen Steinweg zu laufen, erläutert Matthias Mänz vom Polizeipräsidium Nordhessen.

"Diese Betonsperren können aber dazu dienen, ein von der Straße abgekommenes Fahrzeug zu stoppen", sagt er. Mit anderen Worten: Sie sollen Autofahrer davon abhalten, absichtlich oder versehentlich in eine Menschenmenge zu fahren. Nach den Terroranschlägen der zurückliegenden Monate wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen der documenta verschärft.

Herrenloser Koffer löst Alarm aus

Terrorabwehr gehört aber nicht zu den Hauptaufgaben der documenta-Wache. Die Polizisten dort sind in erster Linie Anlaufstelle für die Besucher der Weltkunstschau: Wenn die Handtasche mit dem Tagesticket geklaut wird, ein Kind im Trubel der Weltkunstschau verloren geht oder ein herrenloser Koffer vor dem Museum Fridericianum steht.

Letzteres, schildert Dienstgruppenleiter Viereck, sei neulich auch passiert. Da musste sogar ein Sprengstoffspürhund ran. "Am Ende war aber nur eine Bohrmaschine drin", schmunzelt der Oberkommissar.

Auch Trittbrettfahrer der Weltkunstschau hat die documenta-Wache im Blick. Viereck nennt sie "so genannte Künstler, die nicht zur documenta dazugehören". Das sind Künstler, die die Weltkunstschau als Bühne für eigenen Darbietungen nutzen wollen, aber keine Genehmigung haben. "Im Zweifel gibt es einen Platzverweis", sagt er.

"Da war ich baff"

Die Wache wird von documenta-Besuchern auch immer wieder gerne als Auskunftsbüro genutzt: Wo gibt es Tickets? Wie komme ich zur Neuen Galerie? Die Polizisten nehmen es gelassen und antworten, so gut sie können. Für den Kontakt mit Künstlern oder dem internationalen Publikum wurden die Beamten der documenta-Wache nicht speziell vorbereitet.

Fremdsprachkenntnisse seien aber von Vorteil, sagt Petra Gummer, die mit ihrem Kollegen Sinan Tuna hier Streife läuft. Gummer ist mit einem Engländer verheiratet und spricht entsprechend gut Englisch, Tuna beherrscht die türkische Sprache.

Ihren documenta-Dienst empfinden die Polizisten als einen besonderen Einsatz mit vielen spannenden Seiten. Lustig findet Oberkommissar Tuna, dass seine uniformierte Kollegin Gummer sogar schon für eine Performance-Künstlerin gehalten wurde: "Sie ist von einer asiatischen Frau gefragt worden, ob sie echt ist. Da war ich baff". Gummer ist echt, keine Frage. Auch wenn sie einen speziellen Ausweis der d14 trägt - wie alle Polizisten der documenta-Wache.

Eine besondere Vorliebe für zeitgenössische Kunst war übrigens kein Auswahlkriterium für die Beamten, die im Rahmen der documenta Dienst schieben. Auch wenn Kunstinteresse nicht schadet. Immerhin liegt die documenta-Wache im Schatten des riesigen Büchertempels.

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