Dim Sampaio - Auschwitz
Gleise nach Auschwitz-Birkenau, Screenshot von der d14-Ankündigung Bild © picture-alliance/dpa (Archiv), Dim Sampaio

Die Kunstperformance zum umstrittenen Gedicht "Auschwitz on the beach" war bereits abgesagt - nun ist auch das Gedicht selbst von der documenta in Kassel zurückgezogen worden.

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zum Video documenta Performance "Ausschwitz on the beach" abgesagt

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Auch nach der Absage einer geplanten Kunstperformance mit Musik und einer Bildinstallation beschäftigt das umstrittene Gedicht "Auschwitz on the beach" des Schriftstellers Franco Berardi die Verantwortlichen der documenta in Kassel. Am Donnerstagabend wurde die Lesung des Gedichts kurzfristig aus dem Programm genommen. Das teilte die Informationsstelle Antisemitismus Kassel in einer Pressemitteilung mit. Die documenta war am Abend nicht zu erreichen.

Erst am Dienstag hatte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) die Absage der Performance verkündet und stattdessen eine Lesung unter dem Titel "Shame on us – Schande über uns" angekündigt. In deren Rahmen sollte auch das Gedicht vorgetragen werden.

Die neuerliche Absage sei auf "nachdrücklichen Einsatz jüdischer Organisationen und zivilgesellschaftlicher Akteure" erfolgt, meldete die Informationsstelle Antisemitismus. Sie beklagte, das Einlenken sei dennoch viel zu spät gekommen.

documenta-Chef: "Holocaust nicht relativieren"

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Die Inschrift "Being safe is scary" statt dem Schriftzug "Museum Fridericianum" ziert das Fridericianum

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-iNFO-Gespräch zur Performance "Auschwitz on the Beach"

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Oberbürgermeister Geselle ist Aufsichtsratschef der documenta. Er hatte bei deren Leiter Adam Szymczyk persönlich gegen die Performance protestiert und die Aktion in einem Gespräch mit dem hr eine "ungeheuerliche Provokation" genannt. Das Künstlerteam um den Dichter Berardi, der für seine scharfe Kapitalismuskritik bekannt ist, änderte den Titel daraufhin und entschärfte das Thema. Kunstminister Boris Rhein (CDU) sowie die jüdische Gemeinde Kassel hatten den Vergleich mit dem Holocaust ebenfalls heftig kritisiert.

documenta-Leiter Szymczyk hob hervor, dass es keineswegs die Absicht der geplanten Veranstaltung gewesen sei, den Holocaust zu relativieren. Berardis Ziel bestehe vielmehr darin, den NS-Mord an den europäischen Juden "verantwortungsvoll und ernsthaft als den ultimativen Grenz- und Referenzbegriff für ein extremes, gewaltsames und systemisches Unrecht gegenüber Flüchtlingen" auszumachen. Dieses Unrecht werde von nationalen und transnationalen Körperschaften in Europa körperlich an Geflüchteten verübt.

Text geändert, Termine abgesagt

Im Ankündigungstext auf der Internetseite der documenta 14 für die Aktion hatten die Künstler geschrieben, die Europäer würden in Nordafrika Konzentrationslager für Flüchtlinge errichten und Gauleiter aus Libyen dazu benutzen, die Flüchtlinge zu vernichten. Das Salzwasser des Mittelmeeres sei "das neue Zyclon B", so der provokative Text. Dieser wurde nun zumindest im Internet geändert. Die geplanten drei Termine für die Performance am Wochenende änderte die documenta ebenfalls, es wird nur eine Aufführung geben.