Von der griechischen Küste stammen die Wracks von Flüchtlingsbooten, aus denen die Installation des Künstlers Guillermo Galindo auf der documenta besteht.
Von der griechischen Küste stammen die Wracks von Flüchtlingsbooten, aus denen die Installation des Künstlers Guillermo Galindo auf der documenta besteht. Bild © picture-alliance/dpa

"Fluchtzieleuropahavarieschallkörper" heißt die Installation von Guillermo Galindo auf der documenta in Kassel: eine berückende Arbeit mit einer fast schon schamanischen Magie.

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Von der griechischen Küste stammen die Wracks von Flüchtlingsbooten, aus denen die Installation des Künstlers G. Galindo am 07.06.2017 auf der documenta 14 in Kassel (Hessen) besteht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Sound von Flucht und Migration

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Sie wurden brutal in Stücke gerissen. Ich kann fast die Wellen noch hören, wenn ich davor stehe. Die grüne und blaue Farbe der zwei Wrackteile ist abgeschabt, voller Risse und Löcher. Sie baumeln von der Decke der documenta-Halle wie verträumte, poetische Windspiele und mahnende Gehängte zugleich.

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Im einen Teil, ein hölzener Bootsrumpf, sind dicke Saiten gespannt - am anderen, ein Bug aus Glasfasern, sind Klangröhren aus gold-glänzendem Metall befestigt.

Kann man darauf spielen? - Und wie klingt das?

Der mexikanische Künstler und Komponist Guillermo Galindo hat für seine beeindruckende Installation "Fluchtzieleuropahavarieschallkörper" tatsächlich spielbare Instrumente aus Schiffswracks gebaut. Gefunden hat er sie er auf der griechischen Insel Lesbos. Sie zeugen vom verzweifelten Versuch hunderttausender Menschen, die Grenzen Europas zu überwinden. Auf der Flucht vor Hunger und Krieg, auf der Suche nach einem besseren Leben.

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Wo sind die Menschen, die in diesen beiden Booten die Überfahrt gewagt haben? - Haben Sie die Havarie überlebt?

Eigentlich wären diese stummen Wrackteile bloß Müll am Strand. Galindo lässt sie in die Welt hinaus tönen. Nicht unbedingt schön, es geht ihm nicht um einen vollkommenen Klang. Die Materialien sollen in ihren eigenen Stimmen singen können.

Und wenn Galindo darauf spielt, in einer Performance, die einer kultischen Beschwörung, einem schamanischen Ritual, gleicht - dann passiert etwas, das sich tatsächlich jeder rationalen Erklärung entzieht: Dann wird gleichzeitig die Vergangenheit dieser 'Migrationstrümmer' hörbar – und die mögliche Zukunft aller Schicksale, die damit verknüpft sind.