Selbstgeschnitzte Masken des kanadischen Künstlers Beau Dick
Selbstgeschnitzte Masken des kanadischen Künstlers Beau Dick Bild © Tanja Küchle (hr2-kultur)

Die Masken des kanadischen Künstlers Beau Dick sind ethnologische Objekte - und gleichzeitig Kunst. Wären sie nicht auf der documenta in Kassel, wären sie verbrannt worden.

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Masken des kanadischen Künstlers Beau Dick

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Maskentanz: das documenta-Kunstwerk "Undersea Kingdom"

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21 Masken, die kraftvoll, farbenprächtig und voller mythischer Energie sind. Da ist ein Bärenkopf mit Kupferzähnen, ein knallrotes stacheliges Seeigel-Gesicht, der schlohweiße Kopf einer Affen-artigen Gestalt mit geschürzten Lippen. Und dann ist da dieses schwarze, gespaltene Gesicht mit den buschigen Augenbrauen, das mich einfach nicht mehr los lässt.

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Die Kunstwelt schaut auf die documenta in Kassel. hr2-Reporterin Tanja Küchle hat sich auf der Weltkunstausstellung umgesehen. In der Reihe "documenta to go" stellt sie ihre persönlichen Lieblingswerke vor.
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Diese Masken in der Kasseler documenta-Halle sind ethnologische Objekte. Sie sind aber auch Kunstwerke und entziehen sich damit jeder festen Zuordnung.

Sie stehen als Kunst in einer Ausstellung während unzählige andere ihrer Art in Stammeszeremonien verwendet und dann feierlich verbrannt werden. Die Zerstörung schließt die Wiedergeburt ein und die Verantwortung neue Masken zu schnitzen. Der Künstler Beau Dick war selbst Häuptling eines indigenen Stammes in Kanada.

Er hat diese Masken mit beeindruckender handwerklicher Präzision geschnitzt und bemalt und mit einem überbordenden Reichtum an lebhaften Formen und Ideen gestaltet.

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Die Masken erzählen vom Abenteuer eines Jungen in einem Königreich unter Wasser. Den Jungen hat Beau Dick humorvoll durch eine handelsübliche Spielfigur aus Plastik repräsentiert, die einen kolossal geschnitzten Riesenfisch reitet.

Früher waren solche Masken in Ethnologischen Museen untergebracht und einer Kultur zugeordnet, die in der Entwicklung angeblich unserer eigenen nachsteht. Beau Dicks Masken auf der documenta 14 unterlaufen diese Borniertheit.

Sie zeigen uns die Schönheit eines künstlerisch gekonnt artikulierten, mythischen Denkens – und Wesen, von denen wir nicht mal träumen können.

Zeitgenössische Kunst als "Maske", als das schwarze gespaltene Gesicht, das mich nicht mehr los lässt. Das mit den feuerroten Rändern und dunklen Augen. Es wirkt bedrohlich und gleichzeitig so gutmütig. Als ich mich endlich traue und durch den Spalt hinter die schwarze Maske schaue, entdecke ich: noch eine Maske.

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