Mitarbeiter des Künstlers Hiwa K in dessen "Röhren-Kunstwerk" auf der documenta
Mitarbeiter des Künstlers Hiwa K in dessen "Röhren-Kunstwerk" auf der documenta Bild © picture-alliance/dpa

Die Installation aus Abwasserrohren von Hiwa K steht prominent vor der Kassler documenta-Halle. Der Künstler möchte uns vom Leben in der Horizontalen überzeugen. Nur wozu?

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Sogar reichlich Lesestoff gibt es in den Röhren von Hiwa K

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Liegen statt Stehen: das documenta-Kunstwerk von Hiwa K

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Ich bekomme schon von der Vorstellung Rückenschmerzen, Stunden, Tage, Wochen, fast ausschließlich in der Horizontalen zu leben. Viele Flüchtlinge, die in Griechenland ausharren, bevor sie weiter nach Italien kommen, tun genau das: Sie leben in Abwasser-Rohren, die nicht mal einen Meter Durchmesser haben.

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Die Kunstwelt schaut auf die documenta in Kassel. hr2-Reporterin Tanja Küchle hat sich auf der Weltkunstausstellung umgesehen. In der Reihe "documenta to go" stellt sie ihre persönlichen Lieblingswerke vor.
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Der irakisch-deutsche Künstler Hiwa K hat auf dem Friedrichsplatz vor der documenta-Halle genau solche Abwasserrohre zu einem großen Quader stapeln lassen. Es ist ein kraftvolles Kunstwerk, dessen viele Verweise sich nach und nach offenbaren.

Von Weitem sieht es aus, wie eine Baustelle. Wenn man näher ran geht, sieht man, dass die Abwasserrohre gemütlich eingerichtet sind: mit Betten, Büchern, Grünpflanzen und Kaffeekochern.

Ein exzentrisches Wohnprojekt?

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zum Video So sieht das Kunstwerk von Hiwa K aus

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Nein, Hiwa K will unseren Blick auf die Horizontale lenken, weil wir im Kapitalismus so besessen von der Vertikalen sind. Kein Wunder, der Mensch brauchte hunderttausende Jahre, um auf zwei Beinen zu gehen.

Dann hat er sich seine Umwelt unterworfen. Entscheidungen über Profite, Krieg und Frieden und die “Eindämmung von Migrationsströmen” werden weitgehend in Bauwerken getroffen, die phallisch in die Höhe weisen.

Das ist alles nicht neu, aber es entfaltet eine echte Wucht, wenn man vor dieser Arbeit aus Abwasserrohr-Habitaten auf dem Friedrichsplatz steht. Es ist nur schade, dass man sich nicht hineinlegen darf.

Dabei wollte Hiwa K die eingerichteten Rohre eigentlich während der documenta sogar vermieten, aber das haben die deutschen Behörden nicht erlaubt. Noch so eine Entscheidung von oben. Der einzige Vorteil davon ist, dass sich im Stehen der Kaffee leichter trinken lässt.

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