Eine documenta-Mitarbeiterin trägt vor der Orangerie einen mobilen Lautsprecher aus dem das Flüsterwerk von Pope.L säuselt
Eine documenta-Mitarbeiterin trägt vor der Orangerie einen mobilen Lautsprecher aus dem das Flüsterwerk von Pope.L säuselt Bild © Tanja Küchle (hr2-kultur)

Der US-amerikanische Künstler Pope.L fühlt sich zu den "Schattenseiten Europas" hingezogen. Wie die klingen, erfahren wir in seiner fulminant leisen Flüsterkampagne auf der documenta in Kassel.

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Mobiler Lautsprecher vor dem Fridericianum aus dem das Flüsterwerk von Pope.L säuselt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pssssst - das documenta-Werk "Whispering Campaign" von Pope.L

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Überall in der Stadt flüstert es: in der documenta-Ausstellung der Neuen Galerie, aus einem mobilen Lautsprecher vor dem Fridericianum, aus einem geparkten rostigen Opel.

Es ist eine Irritation im Gewohnten, ein leiser Spuk aus Klang, der die documenta-Stadt Kassel subtil erobert. Wie ist das gemeint: "Ignoranz ist eine Tugend"?

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Die Kunstwelt schaut auf die documenta in Kassel. hr2-Reporterin Tanja Küchle hat sich auf der Weltkunstausstellung umgesehen. In der Reihe "documenta to go" stellt sie ihre persönlichen Lieblingswerke vor.
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Eine junge Frau mit Lautsprecher unter dem Arm geht an mir vorbei. Sie verzieht keine Miene. Ich laufe ihr hinterher, denn ich will den Sound der Flüsterarbeit einfangen - und natürlich verstummt der Lautsprecher genau dann. Der Klang soll nicht berechenbar sein, sich immer wieder durch längere Zeiträume der Stille verweigern.

In den USA gab es im 19. Jahrhundert sogenannte "Flüsterkampagnen" in der Politik. Damit wurde der Ruf von unliebsamen Gegenspielern zerstört.

In Kassel wird damit kein Ruf zerstört, sondern der Öffentlichkeit etwas eingeflüstert. Der US-amerikanische Künstler Pope.L hat für seine "Whispering Campaign" eine große, hintersinnig-amüsant, .fast schon anarchische Sound-Collage erschaffen: aus Slogans, Zitaten und einzelnen Sätzen aus Märchen und Mythen. Die Fragmente werden nach einer präzisen Partitur wiederholt. Dauer insgesamt: 9.438 Stunden. Erfassen kann man davon nur kleinste Puzzleteile.

Durch eine kleine Recherche finde ich heraus. "Ignoranz ist eine Tugend" bezieht sich auf eine Aussage von Barack Obama in 2016: "In Politics and in Life, Ignorance is not a Virtue". Ein Seitenhieb gegen Donald Trump, der laut eigener Twitter-Nachricht Ignoranz wirklich für eine Tugend hält.

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zum Video Die documenta-Arbeit von PopeL. (am besten mit Ton)

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Das Geflüster nimmt diese Absurdität auf, wiederholt und verstärkt sie Stunden. Sogar tagelang hört man in ganz Kassel das Mantra des neuen US-Präsidenten. Was dieser Arbeit ihre Durchschlagskraft gibt ist: dass man irgendwann nicht mehr sicher ist: Ist damit jetzt wirklich nur Trump gemeint, oder nicht im Grunde auch ich?