Olu Oguibe, Obelisk
Der Obelisk von Olu Oguibe wurde zur documenta 14 auf dem Königsplatz in Kassel errichtet. Bild © dpa/picture-alliance/ Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Bleibt der 16-Meter-Obelisk auf dem Kasseler Königsplatz? Dafür müssen 600.000 Euro her. Die Stadt ruft jetzt zu Spenden für das documenta-Kunstwerk auf.

Es ist Kunst - und soll nicht weg. Da sind sich die Stadt Kassel, der in Nigeria geborene Künstler Olu Oguibe und viele Kasseler einig. Seit Beginn der documenta 14 im vergangenen Jahr steht der 16 Meter hohe Obelisk von Oguibe auf dem Kasseler Königsplatz. Und das wird auch so bleiben, sollten innerhalb der kommenden drei Monaten 600.000 Euro an Spenden für das Kunstwerk zusammenkommen.

... oder Geld zurück

Die Stadt, die traditionell nur documenta-Innenkunstwerke für ihre Museen aus ihrem eigenen Etat ankauft, rief am Dienstag gemeinsam mit Oguibe zu einer Spendenaktion für den Obelisken auf. Die "Zielmarke" entspreche dem aktuellen Marktwert im Vergleich zu ähnlichen Objekten, sagte Kulturdezernentin Susanne Völker. Falls die Summe nicht erreicht werden sollte, könne der Künstler frei entscheiden, ob der Obelisk dennoch bleiben solle oder weichen müsse, sagte Völker. Im letzteren Fall würden die Spenden zurückerstattet.

Die Stadt setze sich sehr für den Erwerb des Kunstwerkes ein, da es ein Symbol für die politische Auseinandersetzung sei, die die documenta 14 geführt habe, sagte Völker. Der Obelisk trägt auf einer Seite als Aufschrift das Bibelzitat "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt". Die anderen drei Seiten des Obelisken zitieren den Spruch auf Arabisch, Türkisch und Englisch.

"Ausdrücklich für Kassel angefertigt"

"Der Obelisk wurde ausdrücklich für Kassel und für den öffentlichen Platz angefertigt, auf dem er steht", wurde Oguibe zitiert. "Ich bin auch darüber sehr glücklich, dass sich die Mehrheit mit Nachdruck für sein Bleiben in der Stadt ausgesprochen hat." Oguibe war im vergangenen Jahr mit dem Arnold-Bode-Preis der Stadt ausgezeichnet worden.

Der in Nigeria geborene Olu Oguibe blickt selbst auf eigene Fluchterfahrungen zurück. Er hat zwar nach eigenem Bekunden einen Prediger als Vater, ist aber selbst kein Christ. Mit dem Bibelzitat wolle er besonders diejenigen frommen Evangelikalen in den USA provozieren, die sich vehement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehrten, hatte er bei der Errichtung des Obelisken gesagt.

Nach Angaben der Stadt stehen bislang 16 Installationen aus früheren documenta-Ausstellungen in der Stadt, die erste von 1977. Die documenta ist die weltweit bedeutendste Schau für zeitgenössische Kunst.

Sendung: hr-iNFO, 23.01.2018, 14 Uhr

Disclaimer: In einer früheren Version des Artikels stand, die Stadt Kassel könne nicht die geforderten 600.000 Euro für den Obelisken aufbringen und rufe daher zur Spendenaktion auf. Das ist falsch. Für den Erwerb von documenta-Außenkunstwerken ruft die Stadt immer zu Spendenaktionen auf.