Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta
Annette Kulenkampff, Geschäftsführerin der documenta Bild © picture-alliance/dpa

Auf Schweigen folgt Klartext: Die documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff hat sich erstmals zum Millionendefizit bei der Kunstausstellung geäußert. Fazit: "Jeder Cent ist nachvollziehbar."

In einem am Montag veröffentlichten Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sagte Kulenkampff, bis Mitte Juni sei man sicher gewesen, "dass wir das hinkriegen. Jede documenta hat mit Defiziten gearbeitet und gehofft, dass diese am Ende durch die Besucherzahlen ausgeglichen werden". Ähnlich hatte sich auch schon Kassels Ex-Oberbürgermeister Bertram Hilgen geäußert, der damals qua Amt noch der Aufsichtsratschef der documenta war. Mitte Juni habe sich zwar bereits ein Defizit von zwei Millionen Euro abgezeichnet, aber das habe man noch mit Rücklagen aus den Vorjahren und Erwartungen auf hohe Besucherzahlen gegenrechnen können.

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Nun steht ein Defizit von über fünf Millionen Euro unter dem Strich. Den schwarzen Peter, wer Schuld daran hat und wann wer was falsch gemacht hat, reichen sich die documenta und der Aufsichtsrat hin und her. Externe Wirtschaftsprüfer durchleuchten nun die Finanzen. Der Bericht der Wirtschaftsprüfer werde nach Meinung Kulenkampffs keine Unregelmäßigkeiten zu Tage fördern. "Es wird nichts geben, wo irgendjemand irgendwas nicht korrekt gemacht hätte." Die Finanzen der documenta würden permanent überwacht. "Da kann kein Cent rausgehen, ohne dass man weiß, wohin."

Maulkorb für documenta?

So dezidiert hatte sich die Geschäftsführerin bislang nicht zu den Vorwürfen einer möglichen Misswirtschaft bei der documenta 14 geäußert. Auch dadurch konnte in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, dass es Unklarheiten über Ausgaben gibt oder sogar Geld in dunklen Kanälen versickerte. Dieses Schweigen, das Kulenkampff nun brach, habe es auf ausdrücklichen Wunsch des Aufsichtsrats, also des jetzigen Oberbürgermeisters Christian Geselle (SPD) und des Kunstministers Boris Rhein (CDU) so gegeben.

Warum Kulenkampff sich nun öffentlich äußert, hat sie am Montag auf Anfrage von hessenschau.de nicht verraten. Auch Oberbürgermeister Geselle mochte sich auf Anfrage des hr nicht äußern. Er wolle erst den Bericht der Wirtschaftsprüfer abwarten, ließ sein Sprecher ausrichten.

Die erheblichen documenta-Mehrkosten, so argumentierte Kulenkampff weiter, seien dadurch entstanden, dass Verschiedenes teurer geworden sei als veranschlagt: das Sicherheitskonzept, Reisekosten zwischen den beiden Standorten Kassel und Athen, die Klimatisierung in Griechenland, höhere Transportkosten. Wegen der "schwierigen politischen Zeiten" in Griechenland hätten Mitarbeiter Bargeld hin und her transportiert, weil es zu dieser Zeit in Griechenland nicht möglich gewesen wäre, mehr als 430 Euro pro Woche abzuheben. Ein solcher Bargeldtransport sei nötig gewesen und “völlig legal". Auch diese Bargeldkasse sei nachweisbar abgerechnet worden, "wie alles andere auch".

Mehr Geld für die documenta einplanen?

Das Defizit betrage nicht sieben Millionen, wie Anfang September plötzlich in den Medien zu lesen gewesen sei, sondern "möglicherweise um die fünf bis sechs Millionen". Und auch diese Zahl sei bislang nur eine Prognose und kein Ist-Zustand, betonte Kulenkampff im FAZ-Interview. Es sei wahr, dass das Budget überzogen wurde. Das liege an genannten Umständen, die die documenta vorher nicht kannte und nicht hätte beeinflussen können. "Das ist schlimm und hätte nicht passieren sollen, die Verantwortung dafür müssen wir tragen." Aber es stelle sich eben deswegen auch die Frage, ob die Kunstschau nicht "finanziell einfach anders ausgestattet werden muss". Das aktuelle Defizit übernehmen die Stadt Kassel und das Land Hessen mit einer Bürgschaft.