Hinweisschild, Parthenon
In der Neuen Neuen Galerie wirken die Hinweise etwas improvisiert. Der "Parthenon of Books" auf dem Friedrichsplatz ist ein Blickfang für alle Besucher. Bild © Katrin Kimpel (hr)/ picture-alliance

Egal, wie viel Zeit Sie haben: drei Stunden, einen Tag, ein Wochenende: Wir zeigen Ihnen, was Sie unbedingt auf der documenta sehen sollten. Ein Reiseführer für Kunstfreunde.

Die documenta 14 ist vieles: gesellschaftskritisch, politisch, unterhaltsam, seltsam, spannend - und vor allem viel davon. 30 Spielorte über die Stadt verteilt, über 160 Künstler, die es zu entdecken gilt. Ausstellung, Performances, Filme und ein eigenes Radioprogramm.

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Documenta 14

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Klar ist, sie sollten sich das Kunstspektakel, das immerhin 100 Tage lang dauert, auf keinen Fall entgehen lassen. Die nächste Chance gibt es erst wieder in fünf Jahren. Doch wo anfangen? Was unbedingt sehen und in welcher Reihenfolge? Hier die hessenschau.de-Tipps für jedes Zeitbudget.

Empfehlungen für Eilige (3-Stunden-Programm)

Das gleich vorweg: Es werden anstrengende drei Stunden. Sie haben zwei Möglichkeiten, ihre Zeit zu nutzen: Friedrichsplatz und Umgebung oder die Neue Neue Galerie (Neue Hauptpost) als "Geheimtipp".

Der Friedrichsplatz ist das offizielle Herzstück der documenta 14. Dort steht der "Parthenon of Books" von Marta Minujin. Dieser Tempel aus verbotenen Büchern hat sich innerhalb kürzester Zeit zur Ikone der documenta 14 entwickelt und ist ein echter Hingucker. Auch die Großskulptur aus aufgestapelten Kanalisationsröhren von Hiwa K. findet sich dort in unmittelbarer Nähe.

Diese Werke hat man zwar schon zig-fach in der Presse gesehen, aber erst in Natura können sie so richtig wirken. Auch bei vergangenen documenta-Ausstellungen war der Friedrichsplatz zentraler Spielort, überall sind Spuren zu entdecken.

Auf dem Friedrichsplatz gibt es einen Ticketschalter, ein documenta-Shop und mehrere Garderoben, um Rucksäcke abzugeben (sie sind in allen Hallen verboten). Für die Dauer der Ausstellung gibt es Cafés und Gastronomie-Stände, auch Liegestühle stehen bereit. Setzen Sie sich. Trinken Sie einen Kaffee, lassen Sie die Szene auf sich wirken. "Welt gucken", das kann man hier, die documenta zieht internationales Publikum wie sonst nie nach Kassel.

Wenn die erste Stunde vorbei ist, gehen Sie entweder in die documenta-Halle und wühlen sich dort durch oder Sie konzentrieren sich auf das Fridericianum - beides werden sie kaum schaffen. Im Fridericianum residiert das Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST) aus Athen, das seine Sammlung seit Jahren aus Geldmangel nicht zeigen kann. Das passt zwar zum Motto der documenta "Von Athen lernen", ist aber eben nicht originär documenta-Kunst.

documenta-Halle, Wrackteile
Von der griechischen Küste stammen die Wracks von Flüchtlingsbooten, aus denen der Künstler G. Galindo seine Installation in der documenta-Halle geschaffen hat. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Die documenta-Halle hingegen präsentiert zahlreiche documenta-Künstler, nahezu alle reflektieren über Missstände in der Welt, Vertreibung, Unterdrückung, Flucht, Gewalt. Die Halle gibt einen guten ersten Eindruck, über die großen Leitmotive dieser Kunstausstellung, die sich auch an den anderen Spielorten zeigen.

Eine weitere Idee wäre, einen so genannten Choristen-Spaziergang etwa "Vom Friedrichsplatz zur documenta-Halle" zu buchen. Dieses Programm bietet die documenta zum ersten Mal an, es dauert exakt zwei Stunden und ist keine Führung im klassischen Sinne. Vielmehr wird eine Gruppe von etwa zwölf Besuchern von einem geschulten "Choristen" angeleitet, sich selbst Gedanken zu den Werken zu machen.

Wenn die Gruppe sich gut einbringt und der Chorist viel weiß, kann ein solcher Spaziergang sehr informativ und inspirierend sein. Kann aber auch daneben gehen - weiß man vorher nicht.

Die Neue Neue Galerie (Neue Hauptpost) ist der heimliche Star der documenta und liegt etwas abseits der üblichen Spielorte einen etwa 10-minütigen Fußmarsch vom Friedrichsplatz entfernt. Aber sie ist ein Hauptspielort, zahlreiche Künstler stellen dort Schlüsselwerke der Schau aus, das Gebäude passt mit seiner trashigen, improvisierten Ausstrahlung bestens zu den Themen der documenta - Missstände in der Welt, Vertreibung, Unterdrückung, Flucht, Gewalt - und ist fast schon ein Kunstwerk an sich.

Documenta Neue Neue Galerie
Eine riesige Videoinstallation dominiert die Neue Neue Galerie auf der documenta 14. Die Neue Hauptpost, wie das Gebäude eigentlich heißt, ist einer der wichtigsten Spielorte der documenta 14. Bild © picture-alliance/dpa

Wenn sie dort waren waren, haben sie wirklich documenta gespürt und gesehen, eigentlich ein Must-Have, auch wenn man nur drei Stunden Zeit investieren kann. Allerdings fallen dann die Klassiker wie Fridericianum und documenta-Halle wahrscheinlich hinten runter. Da müssen sie sich entscheiden!

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Empfehlungen für Interessierte (1 Tag ohne Übernachtung)

Die documenta öffnet um 10 Uhr und schließt um 20 Uhr. Das bedeutet, dass Sie zehn Stunden Zeit haben. Die sollten Sie nutzen. hessenschau.de schlägt folgende Route vor - Vorschläge für Pausen inklusive: 1. Neue Neue Galerie, 2. Friedrichsplatz mit Parthenon und documenta-Halle, 3. Orangerie und Karlsaue, 4. Neue Galerie und Torwache, 5. "Welt gucken" am Friedrichsplatz. Praktisch wäre, wenn Sie sich ein Fahrrad nehmen würden, das spart Kräfte, ist aber kein Muss. (Tipps für Leihfahrräder bekommen Sie hier)

Am besten fangen Sie in der Neuen Hauptpost an, die für die Dauer der documenta in Neue Neue Galerie umbenannt wurde. Sie ist ein Must-Have der Schau, machen Sie es frei nach dem Prinzip "das Beste zuerst", falls Sie danach schon die Segel streichen, kann Ihnen dann niemand mehr nehmen. Die Neue Neue Galerie ist der heimliche Star der documenta und liegt etwas abseits der üblichen Spielorte einen etwa 10-minütigen Fußmarsch vom Friedrichsplatz entfernt. Man betritt sie von hinten, der Eingang ist etwas schwer zu finden.

Vorhang aus Rentierschädeln
Vorhang aus Rentierschädeln von Maret Anne Sara aus Norwegen in der Neuen Neuen Galerie Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Zahlreiche Künstler stellen dort Schlüsselwerke der Schau aus, dort finden Sie etwa einen Vorhang aus Rentierschädeln oder eine beeindruckende Videoinstallation über den NSU-Mord an Halit Yozgat. Das Gebäude passt mit seiner trashigen, improvisierten Ausstrahlung bestens zu den Themen der documenta - Missstände in der Welt, Vertreibung, Unterdrückung, Flucht, Gewalt - und ist fast schon selbst ein Kunstwerk.

Die Installationen, Performances, Objekte und Fotos sind über drei Stockwerke verteilt. Im 4. Stock gibt es ein Café. Eine improvisierte Bar vor der Neuen Hauptpost bietet Getränke an.

documenta Neue Hauptpost, Neue Neue Galerie
Eine improvisierte Bar lädt vor der Neuen Hauptpost (Neue Neue Galerie, wie sie während der documneta heißt) zum Verweilen ein. Das Hauptpost-Gebäude ist im Hintergrund zu sehen. Bild © Katrin kimpel (hessenschau.de)

Weiter geht es zum Friedrichsplatz mit Parthenon und documenta-Halle. Der Friedrichsplatz ist das offizielle Herzstück der documenta 14. Dort steht der "Parthenon of Books" von Marta Minujin. Dieser Tempel aus verbotenen Büchern hat sich innerhalb kürzester Zeit zur Ikone der documenta 14 entwickelt und ist ein echter Hingucker.

Auch die Großskulptur aus aufgestapelten Kanalisationsröhren von Hiwa K. findet sich dort in unmittelbarer Nähe und auch das Fridericianum steht dort. Bei vergangenen documenta-Ausstellungen war es oft der Hauptspielort. 2017 beherbergt es das Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST) aus Athen, das seine Sammlung seit Jahren aus Geldmangel nicht zeigen kann.

Das passt zwar zum Motto der documenta "Von Athen lernen", ist auch sehenswert, ist aber eben nicht originär documenta-Kunst und fällt bei diesem Rundgang mangels Zeit hinten runter.

Masken in der documenta Halle
Documenta asl Völkerkundemuseum? Masken des indigenen kanadischen Künstlers Beau Dickwaren zuerst im Athener Museum für zeitgenössische Kunst und sind nun in der Kasseler documenta-Halle. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Ganz anders die documenta-Halle: Sie ist ein weiterer Hauptspielort und unbedingt sehenswert. Gleich im Eingangsbereich stehen bunte, kanadische Masken - sieht aus wie im Völkerkundemuseum. Der Hingucker in der großen Halle sind Guillermo Galindos Musik-Instrumente, die in Teile von Bootswracks eingebaut wurden. Die Teile stammen von Flüchtlingsbooten vor der griechischen Küste.

Nahezu alle Künstler in der Halle reflektieren über Missstände in der Welt, Vertreibung, Unterdrückung, Flucht, Gewalt - die großen Leitmotive dieser Kunstausstellung, die sich auch an den anderen Spielorten zeigen. Wenn Sie sich durch die Halle durchgearbeitet haben, dürften Sie reif für eine Pause und etwas Ruhe sein. Eine kleine Stärkung im Café unten in der documenta-Halle haben Sie sich verdient.

Documenta Halle Besucher
In der documenta-Halle liegen Besucher auf dem Boden. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Anstatt die ducumenta-Halle auf eigenen Faust zu erkunden, könnten Sie auch einen so genannten Choristen-Spaziergang etwa "Vom Friedrichsplatz zur documenta-Halle" zu buchen. Dieses Programm bietet die documenta zum ersten Mal an, es dauert exakt zwei Stunden und ist keine Führung im klassischen Sinne. Vielmehr wird eine Gruppe von etwa zwölf Besuchern von einem geschulten "Choristen" angeleitet, sich selbst Gedanken zu den Werken zu machen.

Wenn die Gruppe sich gut einbringt und der Chorist viel weiß, kann ein solcher Spaziergang sehr informativ und inspirierend sein. Kann aber auch daneben gehen - weiß man vorher nicht.

Nächste Ziele sind Orangerie und Karlsaue. Von der documenta-Halle geht es ein paar Stufen bergab, wenig später stehen Sie vor der Orangerie, genauer gesagt am Westflügel. Dort befindet sich die Film-Sound-Installation von Romuald Karmakar.

documenta Byzantion Karmakar
Eine der subtileren Arbeiten auf den documneta 14: Die Installation "Byzantion" von Romuald Karmakar zeigt orthodoxe Mönche beim Gesang des "Agni Parthene". Die Blickachse durch das Fenster in die Karlsaue ist Teil des Kunstwerkes. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Der Künstler und Filmemacher aus Wiesbaden ist einer der wenigen documenta-14-Künstler, die nicht offensichtlich die Missstände dieser Welt anprangern. Karmakar zeigt in seiner Arbeit griechische und russische Mönche beim Singen des in nahezu allen orthodoxen Kirchen verbreiteten Marien-Hymnus "Agni Parthene".

Die Arbeit ist ein eher subtiler Link zu den documenta-Leitthemen. In dem dunklen Raum mit Blickachse in die Weite der Karlsaue herrscht eine ruhige, durchaus kontemplative Stimmung. Hier können Sie sich mal für ein paar Minuten rausziehen, aus dem anstrengenden documenta-Gewusel.

Zurück am Tageslicht können Sie überlegen, ob Sie sich auf der Terrasse des Orangerie-Café-Restaurants eine kleine Stärkung gönnen. Oder Sie gehen ein paar Stufen hinunter in die Karlsaue.

Dort steht die "Mühle des Blutes" von A. V. Macotela. Dieses übermannshohe Kunstwerk ist ein Nachbau einer Sklavenmühle zur Silbermünzprägung - und wiederum ein eher unsubtiler Hinweis auf Ausbeutung und Unterdrückung.

Hier können Sie selbst Hand anlegen und Teil des Werkes werden. Danach lädt die Wiese zum Ausruhen ein. Anders als bei der vergangenen documenta 13 ist die Karlsaue kein zentraler Spielort, nur wenige Werke sind hier zu finden und sie zu erlaufen kostet zu viel Zeit - es sei denn Sie haben ein Fahrrad.

Documenta Karlsaue
Die Karlsaue lädt zum Entspannen ein. Kunst gibt es bei der documenta 14 dort allerdings nicht viel zu sehen. Bild © picture-alliance/dpa

Nach einer kleinen (!) Pause für geschundene Füße geht es weiter Richtung Neue Galerie und Torwache. Dazu gehen Sie wieder ein Stück die Treppen rauf Richtung documenta-Halle. An den Kanalisationsröhren von Hiwa K. biegen Sie links ab in die Schöne Aussicht und spazieren mit Blick auf die Karlsaue Richtung Neue Galerie.

Sie haben jetzt endgültig einen Riesenhunger und sind nicht weiter bereit auch nur einen Fitzel Kunst zu gucken ohne eine solide Grundlage im Magen zu haben? Kein Problem, Sie spazieren an Essständen vorbei, hier bekommen Sie auf die Hand regionale Spezialitäten wie die Kasseler Kochwurst (ein Riesen-Wienerle/Frankfurter) mit Brötchen oder "Schibbel" (irgendetwas mit Kartoffeln).

Documenta Wurst
Kassel denkt groß: Die typische "Kasseler Kochwurst" ist ein Riesen-Frankfurter Würstchen. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Der nächste Stopp ist dann die Neue Galerie. Sie war schon immer in Teilen Spielort der documenta. Die 14. Ausgabe der Weltkunstausstellung bespielt das Gebäude nun ganz. Ein Blickfang sind die Schrumpfköpfe, die der Peruaner Sergio Zevallos aufgehängt hat - unter ihnen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und IWF-Chefin Christine Lagarde.

Auch der Kunststoffkopf von Beate Zschäpe baumelt in dieser Reihe. Ein Stockwerk tiefer können Sie die von der Aktionskünstlerin Otobong Nkanga aus Nigeria "erfundene" schwarze Seife kaufen.

Schwarze Seife Otobong Nkanga
Eine Performerin präsentiert die schwarze Seife der Künstlerin Otobong Nkanga. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Deren Herstellung und das Gespräch darüber und Produktionsbedingungen im Allgemeinen sind Teil des Kunstwerkes, so wie Sie selbst, wenn Sie sich auf ein Gespräch einlassen. 20 Euro kostet eine Seife für den guten Zweck, viele Besucher greifen zu.

Nur ein paar Meter entfernt von der Neuen Galerie ist die Torwache. Der ghanesische Künstlers Ibrahim Mahama hat das Gebäude, in dem auch die ehemalige Wohnung der Brüder Grimm und heute der Sitzungssaal des Hessischen Verwaltungsgerichtshofes ist, mit einer riesigen Hülle aus rund 2.000 zusammengenähten Jutesäcken eingekleidet - ein Symbol der vom Kolonialismus gezeichneten wirtschaftlichen Ausbeutung.

Das sieht ein bisschen aus wie die zerlumpte kleine Schwester des von Christo 1995 verhüllten Reichstages in Berlin. Beeindruckend und sehenswert.

Torwache documenta
Der ghanesischen Künstler Ibrahim Mahama hat die Torwache in Kassel mit alten Jutesäcken verhüllt. Hinter den Stoffbahnen in der ehemaligen Wohnung der Brüder Grimm ist heute der Sitzungssaal des Hessischen Verwaltungsgerichsthofes. Bild © picture-alliance/dpa

Von dort können Sie bei guter Sicht das eigentliche Wahrzeichen Kassels, den Herkules oben im Bergpark sehen. Während der documenta treten die eigentlichen Sehenswürdigkeiten Kassels wie etwa die neue Grimm-Welt, der Bergpark mit dem Herkules und das Museum für Sepulkralkultur in den Hintergrund. Sie zeigen zwar an einigen Stellen auch documenta-Kunst, zählen aber nicht zu den Hauptspielorten. Alles schöne Ideen für den nächsten Kassel-Besuch.

"Welt gucken" am Friedrichsplatz

Sie sind nun schon lange unterwegs und der documenta-Tag neigt sich dem Ende zu: Sie haben viel gesehen und viel erfahren. Nun können Sie den Tag auf dem Friedrichsplatz ausklingen lassen. Er ist der zentrale Platz und ganz sicher jeder documenta-Besucher kommt hier mal vorbei.

Documenta Parthenon
Der "Parthenon der Bücher" spiegelt sich in der Sonnenbrille der documenta 14-Künstlerin Marta Minujin. Sie hat den Tempel mit verbotenen Büchern geschaffen. Bild © picture-alliance/dpa

Auf den Stufen den Parthenon sitzen Menschen und Gastronomie, die sonst nicht dort ist, hat Liegestühle im Angebot. Hier können Sie mit einem Getränk in der Hand das Erlebte sacken lassen und Dank des internationalen Publikums, das die documenta anzieht, "Welt gucken".

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Empfehlungen für Kunstfans (2 Tage/ Wochenende mit Übernachtung)

Die documenta öffnet um 10 Uhr und schließt um 20 Uhr. Wenn Sie zwei Tage Zeit haben, können Sie es etwas entspannter angehen lassen und müssen nicht an beiden Tagen zehn Stunden am Stück durchhecheln. Praktisch wäre, wenn Sie sich ein Fahrrad nehmen würden, das spart Kräfte, und ist eigentlich die beste Möglichkeit, längere Strecken zwischen den Spielorten zu überbrücken. (Tipps für Leihfahrräder bekommen Sie hier).

Wir schlagen Ihnen folgende Route vor: 1. Tag 1. Neue Neue Galerie, 2. Glas-Pavillons, 3. Gottschalk-Halle (Universität), 4. Kulturbahnhof mit unterirdischer U-Bahn-Station, 5. Obelisk, 6. Friedrichsplatz und Außenkunstwerke, 7. Friedrich-Ebert-Straße/Abendprogramm.

Den 2. Tag gestalten Sie am besten wie den oben beschriebenen Ein-Tages-Trip, nur dass Sie morgens gleich mit der documenta-Halle einsteigen, die Neue Neue Galerie kennen Sie ja schon. Stattdessen setzen Sie an den Schluss Ihres Tages noch die Grimm-Welt und schließen dort im Biergarten den Tag über den Weinberg und die Südstadt ab.

Am besten fangen Sie ihren Zwei-Tages-Rundgang in der Neuen Hauptpost an, die für die Dauer der documenta in Neue Neue Galerie umbenannt wurde. Sie ist ein Must-Have der Schau, machen Sie es frei nach dem Prinzip "das Beste zuerst", falls Sie danach schon die Segel streichen, das kann Ihnen dann niemand mehr nehmen. Die Neue Neue Galerie ist der heimliche Star der documenta und liegt etwas abseits der üblichen Spielorte. Man betritt sie von hinten, der Eingang ist etwas schwer zu finden.

Zahlreiche Künstler stellen dort Schlüsselwerke der Schau aus, dort finden sich etwa ein Vorhang aus Rentierschädeln, eine beeindruckende Videoinstallation zum NSU-Mord an Halit Yozgat oder die großformatige Arbeit von G. Hookey. Das Gebäude passt mit seiner trashigen, improvisierten Ausstrahlung bestens zu den Themen der documenta - Missstände in der Welt, Vertreibung, Unterdrückung, Flucht, Gewalt - und ist fast schon ein Kunstwerk an sich.

Die Installationen, Performances, Objekte und Fotos sind über drei Stockwerde verteilt. Im 4. Stock gibt es ein Café. Eine improvisierte Bar vor der Neuen Hauptpost bietet Getränke an.

documenta Neue Hauptpost, Neue Neue Galerie
Eine improvisierte Bar lädt vor der Neuen Hauptpost (Neue Neue Galerie, wie sie während der documneta heißt) zum Verweilen ein. Das Hauptpost-Gebäude ist im Hintergrund zu sehen. Bild © Katrin kimpel (hessenschau.de)

Danach geht es zu den "Glas-Pavillons" des Hansa-Hauses auf der Kurt-Schumacher-Straße. Sie waren früher Ladengeschäfte und stehen heute leer. Dort zeigen verschiedenen Künstler Installationen, in manche der Pavillions können Sie hineingehen, andere nur von außen betrachten. Die griechische Künstlerin Georgia Sagri etwa hat übermannsgroße, bunte Skulpturen aufgestellt und lässt von Performern "Atempartituren" aufführen.

Viele der Materialien, die in den anderen Kästen angeordnet sind, werden Sie an anderen Stellen der documenta wiederfinden. Eine Nachbildung einer Bäckerei in Syrien erinnert an die schlimmen Lebensbedingungen in dem Land.

Explizite Arbeiten zu den documenta-Themen Vertreibung und Migration finden Sie in der Gottschalk-Halle (Universität Kassel). Dieses verlassene Gebäude, ehemals eine Pack- und Versandhalle der Zelt- und Tuchfabrik Gottschalk, zeigt Arbeiten von sechs Künstlern. Auch die Kasseler Industriegeschichte wird in den Arbeiten aufgegriffen. Die Gottschalk-Halle liegt etwas ab vom Schuss in der Nordstadt. Dieser Stadtteil zeigt ganz gut, wie Kassel einmal war: strukturschwach und wenig glamourös.

Als nächstes geht die Reise zum Kulturbahnhof. Er war schon oft Spielort der documenta. Auf seinem Vorplatz ragt die Plastik "Man Walking to the Sky", der Himmelsstürmer des US-amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky in den Himmel - eine Arbeit, die zur documenta 9 im Jahr 1992 entstand.

Wenn Sie sich für Kunstwerke vergangener documenta-Ausstellungen interessieren, die von vergangenen documenta-Ausstellungen noch in Kassel zu sehen sind, finden Sie hier Informationen. Aber die Hauptattraktion der documenta 14 am Kulturbahnhof liegt unter der Erde.

Documenta Bahnhof
Ehemaliger unterirdischer Bahnhof in Kassel: Er funktioniert als Gesamtkunstwerk und spendet ein wenig Kühle auf dem langen documenta-14-Rundgang. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Steuern Sie den Container an, er markiert den Eingang zur unterirdischen U-Bahn-Station. Hier finden Sie eine sehenswerte Videoinstallation von Michel Auder "The Course of Empire" und andere Werke, die das gesamte unterirdische Areal bespielen. Angenehm kühl ist es dort unten und ruhig. Dieser Ort wird Sie etwas entstressen.

Falls Sie jetzt Hunger und Durst haben, wäre das kein schlechter Zeitpunkt. Nur ein paar Meter entfernt vom Kulturbahnhof liegt neben dem "ARM-Club" und der "Lolita-Bar" (dieses Areal eignet sich übrigens bestens zum Ausgehen und ist als Abendprogramm für die eher jüngeren Generationen sehr zu empfehlen) der "Falafel Grill Point". Von Döner bis vegetarische Falafel gibt es hier orientalisches Essen, lecker und fast rund um die Uhr, also auch für Nachtschwärmer.

Ausgehen in Kassel
ARM-Club, Lolita-Bar und der Falafel-Grill-Point bilden einen gastronomischen Dreiklang. Abends ist dort Party angesagt. Der Döner schmeckt prima. Bild © Katrin Kimpel (hessenschau.de)

Nach der kleinen Stärkung geht es weiter Richtung Innenstadt und Obelisk. Interessant wäre, den Weg über die Treppenstraße zu nehmen. Sie besteht tatsächlich fast nur aus Treppen und war 1953 Deutschlands erste Fußgängerzone. Falls Sie ein Fahrrad im Schlepptau haben, ist dieser Weg allerdings etwas mühselig.

Aber es gibt Rampen, Sie können schieben. Es ist die kürzeste Verbindung in die Innenstadt. Sie nähern sich nun dem zentralen Platz der documenta, dem Friedrichsplatz. Doch bevor Sie sich dort in Ruhe umsehen, biegen Sie links ab Richtung Königsplatz.

Dort steht der über 16 Meter hohe Beton-Obelisk des Künstlers Olu Oguibe. Er zitiert in goldenen Buchstaben die Bibel in vier Sprachen, Deutsch, Englisch, Arabisch und Türkisch: "Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt." Mit dem Bibelzitat, sagte der Künstler bei der Errichtung, wolle er besonders diejenigen frommen Evangelikalen in den USA provozieren, die sich vehement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehren.

Nun ist es Zeit, endlich zum Herzstück der documenta 14 vorzudringen, dem Friedrichsplatz, und die Ikone der Kunstschau zu bestaunen: den "Parthenon der Bücher" von Marta Minujin. Dieser Tempel aus verbotenen Büchern hat sich innerhalb kürzester Zeit zur Ikone der documenta 14 entwickelt und ist ein echter Hingucker. Auch die Großskulptur aus aufgestapelten Kanalisationsröhren von Hiwa K. findet sich in unmittelbarer Nähe.

Röhrenskulptur und Parthenon der Bücher
Besucher drängen sich auf der documenta 14 vor der Röhren-Installation von Hiwa K. "Parthenon of books" der argentinischen Künstlerin M. Minujin. Bild © picture-alliance/dpa

Diese Werke hat man zwar schon zig-fach in der Presse gesehen, aber erst in Natura können sie so richtig wirken. Auch bei vergangenen Dokumentas war der Friedrichsplatz zentraler Spielort, überall sind Spuren zu entdecken. Ein Ticketschalter, ein documenta-Shop und mehrere Garderoben, um Rucksäcke abzugeben (sie sind in allen Hallen verboten) stehen hier bereit.

Für die Dauer der Ausstellung gibt es Cafés und Gastronomie auf dem Platz, die sonst nicht dort sind, auch Liegestühle stehen bereit. Setzen Sie sich. Trinken Sie einen Cocktail, lassen sie die Szene auf sich wirken. "Welt gucken", das kann man hier, die documenta zieht internationales Publikum nach Kassel. Dort könnten Sie den Tag ausklingen lassen und langsam in den Abend übergleiten.

Wenn es Sie noch weiter zieht, Kunst aber für heute kein Thema mehr für ist: In Laufnähe ist die Friedrich-Ebert-Straße. Auf diesem Boulevard hat sich in den vergangenen Jahren eine engagierte Gastroszene ausgebreitet und kreative, inhabergeführte Geschäfte bieten Shoppingmöglichkieten jenseites der üblichen Ketten. Hier finden Sie garantiert ein Restaurant und ein nettes Mitbringsel. Übrigens: Wie Sie ein Hotel finden, erfahren Sie hier.

Wie schon beschrieben: Am zweiten Tag Ihrer documenta-Tour können Sie sich von unseren Tipps für den Ein-Tages-Trip inspirieren lassen. (Zurück zur Übersicht)

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