Bedrückend: die Installation "Interior Decoration" von Bonita Ely
Bedrückend: die Installation "Interior Decoration" von Bonita Ely Bild © Tanja Küchle (hr2-kultur)

Kriege lösen bei Menschen traumatische Erfahrungen aus. Die australische Künstlerin Bonita Ely lotet in ihrer documenta-Installation in Kassel auf sehr persönliche Weise aus, was das bedeutet.

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Bedrückend: die Installation "Interior Decoration" von Bonita Ely

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wenn das Zuhause zum Schützengraben wird: die Installation “Interior Decoration”

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Was für eine "Inneneinrichtung"! Ich würde hier nicht wohnen wollen.

Ein verwinkelter Schützengraben aus braunem Holz, ein Hochsitz und ein dreibeiniges Maschinengewehr füllen das Zimmer aus. An den Wänden: eine fortlaufende Zierleiste aus Fotos: von Soldaten und Kriegsopfern, von Denkmälern und Militärkapellen.

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Die Kunstwelt schaut auf die documenta in Kassel. hr2-Reporterin Tanja Küchle hat sich auf der Weltkunstausstellung umgesehen. In der Reihe "documenta to go" stellt sie ihre persönlichen Lieblingswerke vor.
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"Interior Decoration" hat die australische Künstlerin Bonita Ely ihre Installation im Kasseler Bellevue genannt. Der Untertitel: Memento Mori. Gedenke des Todes. Die Atmosphäre in diesem Zimmer ist bedrückend, schwer - und wirkt auf mich paradoxer Weise auch irgendwie heimelig. Es lohnt sich, einen zweiten Blick zu werfen, genau hinzuschauen.

Dann fällt auf, dass das drahtige, fast durchsichtige Maschinengewehr aus Haarnadeln und einer Singernähmaschine besteht. Dass der imposante Hochsitz aus einem Bettgestell gemacht ist, und der kniehohe, umzäunte Schützengraben in der Mitte des Zimmers, aus Schubladen und Schrankteilen besteht. Mittendrin, wie gefangen, sitzt schlaff eine kleine, graue, gesichtslose Figur.

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Bonita Elys Vater war Soldat. Seine posttraumatische Belastungsstörung äußerte sich in Schlaflosigkeit und regelmäßigen Wutanfällen. Was macht das mit einer Familie? Wie viel vom väterlichen Trauma schreibt sich der nächsten Generation in die Gene ein?

Das lotet Bonita Ely aus: mit den Habseligkeiten und Schlafzimmermöbeln ihrer Eltern – ohne Worte, aber mit einer großen erzählerischen Kraft. Das Militär ist domestiziert, die Familie militarisiert in dieser eindrücklichen Puppenstube an der Front. Denn die ist gleichzeitig das eigene Zuhause.

Kassel, von wo aus eine der größten Panzer- und Munitionsfabriken Deutschlands ihre Güter in die ganze Welt exportiert, ist dafür genau der richtige Ort.

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