Thomas Wrede macht den Unfalltod von Vögeln sichtbar: Der Künstler hält auf Fotos fest, was die Tiere beim Aufprall auf Glasscheiben hinterlassen.

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Für Vögel sind Glasscheiben ein unsichtbares Hindernis. Abertausende von ihnen sterben beim Aufprall. Auch Thomas Wrede findet das nicht schön. Mit dem, was die Vögel auf dem Glas hinterlassen, sieht es anders aus.

"Es ist faszinierend, dass etwas so Schreckliches so schön sein kann", sagt Wrede zu den Abdrücken, die vor allem durch das Federpulver der Vögel bleiben. Mit seiner Analogkamera hält der Fotograf und Künstler diese Abdrücke fest. Was ihn an dem Motiv reize, sei "genau diese Schnittstelle zwischen Leben und Tod, zwischen Freiheit und Stillstand".

Ästhetische Bilder, die Schreckliches zeigen

Nach der Bearbeitung entstehen fast zweieinhalb Meter hohe Schwarz-Weiß-Aufnahmen, auf denen die Vögel geisterhaft zu sehen sind. "Bei manchen Vögeln sieht man jedes Auge, den Schnabel, jede Feder - das ist unglaublich", sagt Wrede.

Wenn der künstlerische Ansatz und das Ergebnis Betrachter irritiere, sei genau das auch beabsichtigt, sagt Wrede. Als Fotograf und Künstler ist er international tätig. Seine Werke hat er unter anderem in Los Angeles, New York, Berlin und Budapest ausgestellt. Seit 2015 ist er Professor für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste Essen.

Einige seiner Aufnahmen aus der Reihe "Die Vögel stehen in der Luft und schreien" zeigt Wrede derzeit im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg. In der Ausstellung "Modell Landschaft Fotografie" sind dort bis zum 5. Juni neben den Vogel-Bildern noch weitere seiner Werke ausgestellt. Es ist das erste Mal, dass seine Bilder von den frühen 1990er Jahren bis heute so umfassend zu sehen sind.

Weitere Informationen

Fotograf Thomas Wrede als Gast im hr2-Kulturcafé zum Nachhören im Podcast.

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