Jil Sander, MAK, Frankfurt
Jil Sander.Präsens, Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt Bild © Katrin Kimpel (hr)

Schlicht, schön und einzigartig: Das Frankfurter MAK zeigt die erste Einzelausstellung von Mode-Ikone Jil Sander in einem Museum. Die geradlinige Ästhetik der Designerin entfaltet sich auch in anderen Bereichen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das Frankfurter MAK zeigt die erste Einzelausstellung von Mode-Ikone Jil Sander

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Sie ist ein Superstar, die "Queen of Less": Jil Sander. Modeschöpferin, Designerin, Multi-Gestaltungstalent, Fashion-Ikone. In Frankfurt zur Pressevorbesichtigung ihrer ersten großen Ausstellung in einem Museum mit dem schlichten Titel "Jil Sander. Präsens" sind jede Menge Journalisten versammelt - Tagespresse, Modemagazine, national und international. Auf dem Podium sitzen MAK-Direktor Matthias Wagner K und Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig – aber keine Jil Sander.

Jil Sander macht kurzen Foto-Stop

Auch beim Fototermin zeigt sich die Hauptperson des Tages der aufgeregten Menge nur für wenige Minuten mit ihrem Team - freundlich, zurückhaltend, Sonnenbrille, schwarz gekleidet. Auch hier kein Wort an die Journalisten. Fragen an Frau Sander sind nicht erlaubt.

Matthias Wagner K, Frédéric Sanchez, Jil Sander, Norbert Schörner
Jil Sander zeigt sich für ein paar Minuten den Fotografen. Mit ihr wagen sich Matthias Wagner K, Kurator der Ausstellung, Frédéric Sanchez, Sounddesigner der Ausstellung und Norbert Schörner (Fotograf) vor die drängelnden Journalisten. Bild © Katrin Kimpel (hr)

Links neben ihr steht Frédéric Sanchez, er ist Sanders Haus-und-Hof-Sounddesigner, verantwortlich für den unverwechselbaren Klang ihrer Modenschauen und auch in Frankfurt ein ganz wesentlicher Bestandteil der Präsentation. Die dicht gedrängten Fotografen zeigen derweil ganzen Körpereinsatz und fehlende Manieren.

Viel Weiß, viel Licht, große Spiegel

Matthias Wager K
Ein strahlender Museumsdirektor und Kurator: "Diese Ausstellung war seit fünf Jahren mein großer Traum", sagt Matthias Wagner K über die Ausstellung "Jil Sander. Präsens" Bild © Katrin Kimpel (hr)

So wenig wie Sander und auch Sanchez direkt das Wort an die Anwesenden richten, so sehr lassen sie in der Ausstellung ihre Arbeit für sich sprechen: Die Schau erstreckt sich über das gesamte MAK auf rund 3.000 Quadratmetern Fläche. Drei Stockwerke, die Sander gemeinsam mit dem Museum und ihrem Sounddesigner in eineinhalb Jahren Arbeit bis ins kleinste Detail gestaltet hat.

Die Räume sind weiß, Wände, Stellwände und Beschriftungen schwarz. Schwarz sind auch die Kleidungsstücke, die auf androgynen Puppen auf kleinen Podesten in Zweier-, Dreier- oder Vierergruppen auf raumteilenden Achsen angeordnet sind. Matte große Spiegel eröffnen neue Perspektiven und erweitern die luftig gestalteten, lichtdurchfluteten Räume noch.

Bei aller Schlichtheit dominiert das Schöne

Die Anmutung ist geradlinig und wirkt bei allem Purismus fast überwältigend. Sanders Mode ist in ihrer Zurückhaltung spektakulär, die Inszenierung der Räume ist es ebenso. Die Gebäudearchitektur passt perfekt zur Inszenierung.

MAK Frankfurt
Nein, das ist nicht Frau Sander. (Aber eine Besucherin in Museum für Angewandte Kunst MAK in Frankfurt, in dem die erste große Jil Sander Ausstellung in einem Museum gezeigt wird. Sander wählte das Museum auch wegen der Architektur von Richard Meier aus, die gut zu ihrem Stil passe.) Bild © Katrin Kimpel

Oder anders herum: Jil Sander wählte das MAK als Ausstellungsort gerade wegen der Architektur. Die Architektur ist der Grund, warum die Ausstellung in Frankfurt zuerst gezeigt wird – und nicht etwa in New York oder einer anderen Mode-Metropole, die sich sicher darum gerissen hätten.

Sanchez' Sound trägt den Besucher durch Jil Sanders Welt

In die Wände sind in allen Räumen runde Lautsprecher eingearbeitet, aus denen der Sanchez-Sound wabert und pockert, mal sphärisch, mal treibend, in jedem Raum anders, in jedem Raum unterschwellig und doch einnehmend.

Jil Sander, Garten
In der Ausstellung "Jil Sander. Präsens" wird auch ein Film von Norbert Schörner über Jil Sanders Gartengestaltung gezeigt. Gartengestaltung bezeichnet Sander als eines ihrer Hobbys. Bild © Katrin Kimpel

Doch es wird nicht nur Mode gezeigt. Auch Sanders Gartenentwürfe ebenso wie ihre Ideen zu Architektur, Raum- und Möbeldesign. Nicht die Chronologie führt durch die Präsentation, sondern die Räume sind nach Themen gestaltet. Es wird überdeutlich: Sanders schlichte Eleganz und ihr einzigartiger Stil transportieren sich unmittelbar und ganz ohne Worte. Auch wenn die Journalisten gerne ein paar von der Meisterin vernommen hätten, am Ende geht niemand uninspiriert nach Hause.

Weitere Informationen

Jil Sander

Jil Sander (bürgerlich Heidemarie Jiline Sander) wurde 1943 in Wesselburen (Schleswig-Holstein) geboren. Sie ist seit den späten 1970er-Jahren für ihre als klar und zeitlos bezeichnete, elegante und hochpreisige Mode für Frauen und seit 1997 auch für Männer bekannt. Auch Kosmetiklinien und Parfums gehören zu ihrem Portfolio. 1999 verkaufte Sander ihr Unternehmen an Prada und verließ die Firma 2000. Nach einer kurzen Rückkehr als Chef-Designerin im Jahr 2003 gab sie ihren Posten Ende 2004 erneut auf. 2012 kehrte Sander in das von ihr fast 44 Jahre zuvor gegründete Unternehmen als Kreativdirektorin zurück, 2013 zog sie sich endgültig zurück. Die Ausstellung im MAK Frankfurt ist Sanders erste Einzelausstellung in einem Museum.

"Jil Sander. Präsens"
MAK Frankfurt
4. November 2017 bis 6. Mai 2018

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Videobeitrag

Video

zum Video MAK präsentiert Jil Sander

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