In Frankfurt will keines zustande kommen, in Hanau soll bald eines eröffnen: ein Apfelweinmuseum. Stadt und Kreis unterstützen die Initiative eines Geschäftsmanns. Der ist mächtig stolz auf den größten Bembel der Welt.

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Jörg Stier, Initiator des Apfelweinmuseums Hanau, mit dem weltgrößten Bembel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Ein eigenes Museum fürs Stöffche

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Nur 40 Quadratmeter misst der Abstellraum hinter Jörg Stiers Feinkostladen in der Hanauer Innenstadt. Der Boden ist staubig, auf Paletten liegen Zementsäcke, an der Wand lehnt eine Leiter. Kaum der Rede wert - wäre da nicht Jörg Stiers Plan für diesen Raum: Hier soll im Lauf des kommenden Jahres das erste Apfelweinmuseum in Hessen eröffnen.

Kaum zu glauben, dass das es zum in weiten Teilen des Landes so beliebten Stöffche noch kein eigenes Museum gibt. Jörg Stier und der Verein Apfelwein-Centrum Hessen planen es zwar seit längerer Zeit. Doch für den Umbau der Räume fehlte bisher das Geld. Der Main-Kinzig-Kreis will jetzt 45.000 Euro zur Verfügung stellen, die Stadt Hanau weitere 15.000 Euro.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sagte am Mittwoch bei der öffentlichen Präsentation der Pläne: "Das war im Magistrat eine sehr rasche und einmütige Entscheidung. Eine so wunderbare Ergänzung unserer Museumslandschaft auf privater Basis auf die Füße gestellt zu bekommen – wer da lange diskutiert hätte, hätte sich deutlich ins Abseits gestellt."

Riesenbembel und Riesengeripptes

Das zentrale Stück des Museums soll der größte Bembel der Welt werden, der bereits in Jörg Stiers Laden steht, wo sich alles rund um den Apfelwein dreht. Stier möchte das 1,70 Meter hohe, typisch graue Gefäß mit blauen Verzierungen auf einem sogenannten Faulenzer drapieren. Das ist ein gusseisernes Gestell, so dass der Riesenbembel mit einem Fassungsvermögen von 700 Litern dreh- und kippbar ist.

Daneben will Stier das größte Gerippte der Welt ausstellen: ein riesiges Apfelweinglas mit den typischen rautenförmigen Einkerbungen. Das Museum soll historische Gerippte und Bembel zeigen, über das Handwerk des Kelterns informieren und darüber, wie der Apfelwein in die Welt kam. Schließlich sollen die Besucher auch probieren dürfen vom Stöffche.

Stier gerät ins Schwärmen: "Wenn wir beispielsweise ein bestimmtes Kelterhandwerk, die Arbeit mit Speierling, die Arbeit mit Quitten oder Ebereschen oder die französische Art der Apfelweinbereitung darstellen und den Menschen gleichzeitig die Möglichkeit bieten, das Ganze zu probieren, ist das sensationell."

Frankfurter Apfelweinmuseumsverein findet keine Räume

Nach der derzeitigen Planung soll der Umbau des bisherigen Abstellraums zum Apfelweinmuseum um Ostern herum abgeschlossen sein. Eröffnen könnte das Haus dann im Lauf des Jahres.

Aussichten, von denen der Frankfurter Verein Deutsches Apfelweinmuseum nur träumen kann. Der Verein sucht seit Jahren nach Räumen für eine Präsentation rund um das Frankfurter Nationalgetränk - ohne Erfolg. Es klappte weder im Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen noch in der neuen Altstadt, wie der Verein auf seiner Internetseite darstellt. Derzeit bemüht man sich um einen Zugang in den Ratskeller am Römerberg, doch der Verein fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen. Dort findet man das Konzept des Vereins offenbar etwas dünn.

Wie das Hanauer Apfelweinmuseum in Frankfurt ankommt, ließ sich am Mittwoch nicht klären. Beim Verein Deutsches Apfelweinmuseum war niemand zu erreichen.