Winterlicher Park
In einem Frankfurter Park stirbt eine junge Frau bei eisigen Temperaturen. Bild © picture-alliance/dpa

In Frankfurt werden mehrere ukrainische Prostituierte ermordet. Die Ermittler um Gregor Mandelbaum kommen kaum voran. In seinem zweiten Krimi sorgt Dieter Aurass für Hochspannung und durchkreuzt das gewohnte Serienmörder-Schema.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Dieter Aurass' neuer Krimi beginnt mit einer qualvollen Szene: Eine junge Frau stolpert nackt mit letzter Kraft durch den schneebedeckten Frankfurter Grüneburgpark. Sie wurde misshandelt, alle Fußzehen sind abgeschnitten. Sie stirbt in der frostigen Kälte. Ihre Leiche landet in der Gerichtsmedizin bei Sonja Savoyen. Deren Lebenspartner, Hauptkommissar Gregor Mandelbaum, klärt mühsam die Identität der Leiche. Die junge Frau war eine Prostituierte aus der Ukraine. Bereits am nächsten Tag wird eine zweite ukrainische Prostituierte gefunden, ebenfalls verstümmelt und erfroren. Und so geht es weiter.

Mandelbaums Team wächst um zwei Kollegen von der Sitte - die schöne Irina Petrowska und Stinkstiefel Frank Grothebaum, die frischen Wind in die zusammengeschweißte Truppe bringen. Eine der Kommissarinnen verliebt sich in Irina, und eine berührende Liebesgeschichte entsteht.

Buchcover
Bild © Gmeiner Verlag

Die Ermittlungen verlaufen schleppend. Immer wieder kommt Mandelbaum, der aufgrund seines Asperger-Syndroms Menschen und Zusammenhänge anders und präziser wahrnimmt, auf neue Ideen, was da vor sich gehen mag bei diesen Serienmorden.

Für den Leser schiebt Aurass immer wieder Versatzstücke der Geschichte eines kleinen Jungen aus den 1960er Jahren dazwischen - selbstverständlich die des Täters. Er beschreibt darin die psychische "Vergewaltigung" eines vernachlässigten Kindes, das keine Liebe, nur Ablehnung und Gewalt erfährt.

Kurzkritik:

"Frankfurter Blutspur" ist der zweite Krimi von Dieter Aurass um Gregor Mandelbaum und sein Ermittlerteam. Die Geschichte ist gut aufgebaut und verführt zur Anteilnahme. Die Personen sind durch die Bank eigenwillige, gut beschriebene Charaktere, denen man samt ihrer Sonderlichkeiten mit viel Sympathie begegnet. Trotz allen Ernsts und aller Dramatik fehlt es nicht an Humor. Der Autor füllt auch den so gerne gewählten Schauplatz Frankfurt mit Leben. Und er durchkreuzt das gewohnte Serienmörder-Schema, das so viele Krimis so langweilig macht, indem er den Schwerpunkt auf die Menschen in der Polizeiarbeit legt.

Man ahnt zwar schon relativ bald, wer der perverse Mörder sein könnte. Aber die Gewissheit des Lesers bricht Aurass gekonnt, indem er viele falsche Spuren legt. Das ist sehr unterhaltsam und für einen Krimi das Salz in der Suppe.

Der Autor:

Dieter Aurass
Dieter Aurass Bild © privat

Dieter Aurass weiß, wovon er schreibt, und das steigert das Lesevergnügen. Bevor er sich an das Schreiben machte, war Aurass 41 Jahre lang im Polizeidienst, davon 30 Jahre als Ermittler in der Terrorismusbekämpfung und Spionageabwehr beim Bundeskriminalamt, danach im IT-Management der Bundespolizei. Er kennt also Routine wie Ausnahmesituationen. Aurass ist gebürtiger Frankfurter, Jahrgang 1955, und lebt heute mit seiner Frau bei Koblenz.