Preisträger Jan Wagner vor dem Staatstheater Darmstadt.
Preisträger Jan Wagner vor dem Staatstheater Darmstadt. Bild © picture-alliance/dpa

Der Schriftsteller Jan Wagner hat in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis erhalten. Sein Laudator sprach von "Bildern, die nachglühen". Der Preis gilt als renommierteste Literaturauszeichnung Deutschlands.

"Seine Gedichte vereinen spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung", begründete der scheidende Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering, die Wahl. Wagners "poetische Sprachkunst schärft unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt". Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis gilt als renommierteste Literaturauszeichnung in Deutschland.

"Entstanden im Dialog mit großen lyrischen Traditionen" seien seine Gedichte "doch ganz und gar gegenwärtig", hieß es zur Verleihung weiter. "In neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einer wachen Aufmerksamkeit für die Phänomene des Lebens- wie der Zeitgeschichte schärft seine poetische Sprachkunst unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt."

Wagner zieht Parallelen zu Büchner

Wagner zog in seiner Dankrede Parallelen zwischen Büchners und seiner eigenen Dichtkunst: "Ich mache Verse, die nicht im Reim aufgehen, obwohl sie mit dem Reim spielen, die aber das Spiel mit Klängen und Formen nicht als Kinderei begreifen, sondern als kreative Reibung, als einen Akt des Lockerns und Lösens erstarrter Zusammenhänge", erläuterte er. "Ich mache Verse aus der Überzeugung heraus, dass noch das Geringste zum Gedicht werden kann und ein Gedicht die komplexesten Dinge in sich birgt, die Schönheiten wie die Dunkelheiten unmittelbar und sinnlich erfahrbar macht".

Bilder, die überraschen und nachglühen

Wagners Bildsprache sei geprägt von nahezu unergründlicher Klarheit, sagte der schwedische Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer Aris Fioretos in seiner Laudatio. "Wagners Bilder, die immer überraschen und dennoch selbstverständlich wirken, verweilen nach der Lektüre wie ein Nachglut." Großzügig streue er präzise Beobachtungen, sorgsam balancierte Gefühle und zarte Einsichten, denen er nicht selten einen diskreten Humor abgewinne, sagte Fioretos über den Preisträger.

Vielfach ausgezeichneter Autor

Schon bevor er den Büchner-Preises bekam gehörte der Lyriker, Kritiker und Übersetzer zu den meistprämierten Schriftstellern seiner Generation. Er erhielt unter anderem den Anna Seghers-Preis (2004), den Friedrich-Hölderlin-Preis (2011) und 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Gedichtband "Regentonnenvariationen", als erster Lyriktitel in der Geschichte des Preises.

Wagner lebt in Berlin. Sein Werk umfasst Gedichtbände, Essays und Kritiken, Anthologien sowie Übersetzungen englischsprachiger Lyrik.

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Büchner-Preis

Der Büchner-Preis ist nach dem in Darmstadt aufgewachsenen Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Sozialrevolutionär Georg Büchner (1813-1837) benannt. Der Preis wurde erstmals 1923 vergeben, seit 1951 geht er ausschließlich an Schriftsteller. Preisträger waren unter anderen Carl Zuckmayer (1929), Max Frisch (1958), Günter Grass (1965), Peter Handke (1973), Sarah Kirsch (1996), Wilhelm Genazino (2004) und zuletzt Marcel Beyer (2016).

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Sendung: hr-iNFO, 28.10.2017, 19 Uhr