Sieben kleine Gewächshäuser auf den Feldern in Frankfurt-Oberrad - nichts Ungewöhnliches eigentlich. Eigentlich. Doch warum wächst nichts darin? Und warum leuchten sie nachts grün? Womöglich handelt es sich um Kunst. Kunstermittler Saehrendt entscheidet.

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zum hr-fernsehen.de Video Kann das weg? Das "Grüne-Soße-Denkmal" von Olga Schulz

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Sieben kleine Gewächshäuser in einer Reihe, ein jedes hat auf seinem Boden den Namen eines Gewürzes stehen: Petersilie, Schnittlauch, Sauerampfer, Borretsch, Kresse, Kerbel und Pimpinelle. Ansonsten sind die durchsichtigen Kunststoffhäuschen leer, es wächst nichts darin. Nachts erstrahlen sie in sieben verschiedenen Grüntönen. Die sieben Kräuter sind die die Hauptzutaten von Frankfurts bekanntestem Gericht, der Grünen Soße. Und so heißt die Installation der Künstlerin Olga Schulz aus dem Jahr 2007 in Frankfurt-Oberrad "Grüne-Soße-Denkmal".

Fastfood, Slowfood, Grüne Soße!

Kunstermittler Saehrendt nennt die Arbeit von Olga Schulz ein "putziges Häuschenarrangement". Bei Nacht leuchteten sie wie "funkelnde Smaragde". Doch warum braucht ein Regionalgericht ein Denkmal? Denkmäler würden eigentlich für verstorbene Personen errichtet, oder für vergangene Ereignisse. "Man könnte meinen, das Frankfurter Grüne-Soße-Monument ist so nötig, wie ein Pizza-Denkmal in Italien", sagt Saehrendt. Aber, weit gefehlt. In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen von Fastfood ernährten, könne es gar nicht genug Denkmäler für Slowfood geben. Das allein sei schon Grund für ein eindeutiges Urteil des Kunstermittlers: Das Grüne-Soße-Monument ist Kunst!

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Experte Christian Saehrendt

Der 1968 in Kassel geborene Kunstkritiker und Publizist Christian Saehrendt hat Freie Kunst, Neueste Geschichte und Europäische Kunstgeschichte in Hamburg, Berlin und Heidelberg studiert. 2002 promovierte er über den Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner. Seit 2003 hat er mehrere (populär-)wissenschaftliche Monografien veröffentlicht, die er teilweise in Zusammenarbeit mit dem Autor und Kreativdirektor Steen T. Kittl verfasst hat. Zuletzt rechneten beide in "Ist das Kunst oder kann das weg? Vom wahren Wert der Kunst" (DuMont, 2016) mit dem Kunstbetrieb ab.

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Die Serie "Kann das weg?"

Jeder kennt sie, die kuriosen - und häufig sehr amüsanten - Geschichten von Kunstwerken, die nicht als solche erkannt und so zum Opfer übereifriger Putzkräfte wurden. Joseph Beuys' berühmt-berüchtigte "Fettecke" ist sicherlich das prominenteste Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Künstler mit ihren Werken den gewöhnlichen Kunstbegriff ausdehnen wollen.

Frei nach dem Motto "Ist das Kunst oder kann das weg?" begibt sich der Kunstermittler im hr-fernsehen in "hauptsache kultur" auf die Suche nach Kunstwerken im öffentlichen Raum, die kaum noch als solche wahrgenommen werden. Sie sind teilweise seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Stadtbilds und gelten mancherorts als Kuriosum, andernorts als Markenzeichen - und werden doch manchmal übersehen.

Saehrendt hat eine klare Haltung zu diesen Werken. Manche findet er gut, andere wünscht er direkt auf den Müll.

Vorsicht Kunstermittlung
Vorsicht Kunstermittlung Bild © hr