Blick in das Wiesbadener Caligari Kino
Im Wiesbadener Kino Caligari beginnt Pfeiffers Krimi. Bild © picture-alliance/dpa

Die Landeshauptstadt pflegt ihr Image als mondäne Kurstadt. Dass Wiesbaden auch eine gewalttätige, schmutzige Seite hat, zeigt Alexander Pfeiffers in seinem dritten Wiesbaden-Krimi.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Sänger, Filmvorführer im Wiesbadener Kino Caligari, nervt seine Umgebung mit seinem enzyklopädischen Filmwissen, seinen Jazzplatten und seiner Eigenbrötlerei. Permanent knapp bei Kasse, kommt ihm das Angebot seiner Ex gerade recht: Er soll ihren Neffen suchen, der spurlos verschwunden ist. Sänger übernimmt den Job als Privatdetektiv. Und siehe da: Neffe Spencer ist so gar nicht der nette, fleißige Junge von nebenan, sondern ein Junkie, der selbst gedealt hat. Ist Spencer also einfach dem beschaulichen Familienleben entflohen oder ist er auf der Flucht vor der Drogenmafia?

Buchcover Geisterchoral
Bild © Emons Verlag

Sänger erweist sich als erstaunlich talentiert im Aufspüren von verdeckten Spuren und im Anlocken von Gefahren. Er wird bedroht, zusammengeschlagen und verfolgt, nicht nur von den Dealern der Stadt. In dieser dicken Suppe rühren noch andere mit, unter anderem die Polizei und indirekt sogar der IS in Gestalt eines konvertierten Besserwissers. Irgendwann merkt Sänger, dass diese Geschichte ihn auch persönlich etwas angeht. Er muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen. Und dort lauern die Geister.

Kurzkritik:

Das Wiesbaden in Alexander Pfeiffers "Geisterchoral" hat keine Kurstadt-Atmosphäre; er führt den Leser in die Drogenszene mit all der Gewalt und dem Schmutz, der sich da ansammelt. Film- und Jazzfans kommen durch unzählige Zitate auf ihre Kosten. Sein Ermittler wider Willen, der Filmvorführer Sänger, lebt kernig seine Liebschaften aus und weiß auch harte Schläge zu verteilen.

Der Erzählstrang mit dem IS jedoch wirkt an den Haaren herbeigezogen; er ist oberflächlich und wohl eher dem Drang nach Aktualität auf Teufel komm raus zu verdanken, als dass er unbedingt für die Geschichte notwendig wäre. Trotzdem ist der Krimi grundsätzlich gut aufgebaut und geht zügig voran ohne zu hetzen. Und was nicht verschwiegen werden soll: Er ist durch und durch amüsant.

Der Autor:

Alexander Pfeiffer "Geisterchoral" Porträt
Der Wiesbadener Autor Alexander Pfeiffer Bild © Neusehland

Alexander Pfeiffer ist eingefleischter Wiesbadener. 1971 in der Landeshauptstadt geboren, lebt und arbeitet er hier als freier Autor. Er hat bisher neben Kurzgeschichten und einem Gedichtband eine Wiesbadener Krimi-Trilogie veröffentlicht. 2014 erhielt er den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte "Kurzkrimi" sowie ein Arbeitsstipendium des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst für "Geisterchoral". Er organisiert und moderiert Literaturveranstaltungen und -festivals und gibt Krimi-Anthologien heraus.