Blick vom Neroberg auf die rote Marktkirche der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden
Blick vom Neroberg auf die rote Marktkirche der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden Bild © hr, picture-alliance/dpa

Ein Toter, ein verwirrter Mann und eine falsche Spur: Wäre da nicht die Phantombildzeichnerin Elisa mit ihrem untrüglichem Spürsinn in Stephan Reinbachers neuem Wiesbaden-Krimi, bliebe der Fall wohl ungelöst.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte

Elisa Lowe ist Phantombildzeichnerin beim Landeskriminalamt in Wiesbaden. Ausgerechnet als sie mit ihrem Freund, dem Kameramann Silviu, ins Theater gehen will, wird der zu einem Leichenfund gerufen, um ein paar Bilder zu drehen. Ein Mann ist erschlagen worden, neben der Leiche sitzt ein Verwirrter auf dem Pflaster und redet immerzu von einem Pitbull.

Lukas Franke, so heißt der Verwirrte, macht bei der Befragung dicht. Daher soll Elisa auf Wunsch ihres Chefs gemeinsam mit Franke ein Phantombild des Kampfhunds zeichnen. In der Hoffnung, dass der Verwirrte dann redet - doch der dreht durch und schlägt auf die Zeichnerin ein. Als ihm später die Flucht aus dem LKA gelingt, rettet ihm Elisa zufällig das Leben - Franke wäre in Panik beinahe vor einen Lkw gerannt.

Buchcover
Bild © emons Verlag

Für die Ermittler ist klar: Franke ist der Mörder. Elisa sieht das anders und kommt den Machenschaften des Mordopfers auf die Spur: Der hatte mit seiner charmanten Art ältere Frauen um bedeutende Summen für seine kranke Mutter oder ein Super-Hundeprojekt erleichtert.

Bei einer der geprellten Damen lernt Elisa Rechtsanwalt Drieß kennen, der die Belange der Wiesbadener Gesellschaft vertritt. Und der ist so von ihr begeistert, dass er sie nicht nur zum Essen, sondern auch gleich zum Ball des Sports einlädt. Als Drieß auch noch ausplaudert, dass der Tote Tomas Strecker mit einem zweiten Pass als Peter Goland aus Minnesota das Geld der alten Damen in den Spielbanken durchgebracht hat, sieht Elisa endgültig klar.

Kurzkritik

Stephan Reinbacher hat mit der Phantombildzeichnerin Elisa Lowe eine sympathische Ermittlerin geschaffen, die allem Gegenwind zum Trotz ihrem eigenen Riecher folgt. Ihrer Hartnäckigkeit und ihrem persönlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass der Fall schließlich gelöst wird und nicht Lukas Franke als Mörder vor Gericht kommt. Es macht Spaß, dem verschlungenen Pfad zur Lösung des Falls zu folgen.

Wiesbaden mit seinen vielen Gesichtern spielt dabei eine wichtige Rolle - vom edlen, herausgeputzten Kern bis in die verdreckten Randgebiete. Die Stadt in ihrer Vielschichtigkeit zu beschreiben, ist Reinbacher gelungen. Der Krimi ist gut geschrieben, die Geschichte gut aufgebaut, die Personen fein und komplex gezeichnet. Ein empfehlenswerter Krimi, nicht nur für Wiesbadener.

Der Autor

Porträt Stephan Reinbacher
Stephan Reinbacher Bild © Bärbel Nisch

Vor rund 15 Jahren hat es den Hamburger Stephan Reinbacher nach Eltville im Rheingau verschlagen. Der Jurist und Psychologe hatte sich schon als Autowäscher, Vorleser und Songwriter betätigt, ehe er zum Fernsehen ging und dort vornehmlich als Reporter und Kameramann aus den Gerichtssälen der Region berichtet. Sein erster Roman "Die Schatten von Wiesbaden" war 2015 Siegertitel im Krimiwettbewerb des "Wiesbadener Kurier". Mit "Die Straßen von Wiesbaden" liegt nun sein zweiter Roman mit der Phantombildzeichnerin Elisa Lowe vor.