Mann schüttet K.o.-Tropfen in ein Glas
So schnell kann es gehen mit den K.o.-Tropfen. Bild © picture-alliance/dpa

Eine entführte Schülerin und eine Leiche auf einem Baugelände: Der Frankfurter Ermittler Konrad Kümmer wird mit zwei vertrackten Fällen konfrontiert. Und die führen in "Nebelgift" nicht nur in die Abgründe der menschlichen Psyche, sondern auch in die Frankfurter Stadtpolitik.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Konrad Kümmer hat großen Kummer. Der Kaufhausdetektiv und Gelegenheitsgärtner muss aus seiner Dachwohnung in der Frankfurter Bergerstraße raus: Zwangsräumung wegen nicht bezahlter Miete. Seine Wohnung! Seit mehr als 20 Jahren! In die er vor seinen Eltern flüchtete! Damals! Und dann kein Geld mehr. Doch Rettung naht: Sein Freund, Kommissar Oskar Leitner, vermittelt ihm einen Job als kriminaltechnischer Assistent im Polizeipräsidium in der Adickesallee.

Buchcover
Bild © Cocon Verlag

Zusammen mit Kommissarin Ina Kantelberg wird er auf zwei Fälle angesetzt: Die Schülerin Vera ist nach einem Barbesuch nicht nach Hause gekommen. Da wird ein Knockout mit K.o.-Tropfen vermutet und Schlimmstes befürchtet. Zum anderen dümpelt seit zwei Monaten im Präsidium die Nachricht vor sich hin, ein Mann habe einen schwarzen Geländewagen vor dem ehemaligen Fechenheimer Stadtteilkino gesehen, aus dem eine Leiche auf das jetzige Baugelände gehievt worden wäre. Kümmer und Kantelberg machen sich an die Arbeit. Doch als sie an den Fechenheimer Fall heran wollen, grätscht ein unbeliebter Kollege dazwischen: Er habe das bearbeitet, da gebe es keine Leiche.

Kümmer und Kantelberg müssen sich erst zusammenraufen. Die Kommissarin ist dem Detektiv zu regeltreu, der Detektiv der Kommissarin zu regelwidrig. Doch die Zeit läuft den beiden davon: Die Schülerin bleibt verschwunden, es kommt auch keine Lösegeldforderung, obwohl sie aus betuchtem Elternhaus stammt. Und Kümmer unternimmt immer wieder Alleingänge, nachdem er erfahren hat, wer das Kino-Gelände gekauft hat: Das war der Frankfurter Baudezernent, und der ist ausgerechnet der Vermieter, der Kümmer aus seiner Wohnung werfen will.

Kurzkritik:

Mit Privatdetektiv Konrad Kümmer hat Jasmin P. Meranius eine grundsympathische und eindrucksvolle Romanfigur geschaffen: Kümmer ist ein unabhängiger, wacher Geist, der selbst als Polizeiangestellter sich eigene Gedanken nicht verbieten lässt und Regeln insofern zur Kenntnis nimmt, als er sie mit großer Leidenschaft bricht. Er folgt seinem Riecher, und der funktioniert zuverlässig. Der Schlagabtausch zwischen Kümmer und Kantelberg ist amüsant zu verfolgen. Auch die weiteren Figuren im Roman sind komplex beschrieben. Frankfurt als Schauplatz spielt eine wichtige Rolle und ebenso die Frankfurter Stadtpolitik.

Am meisten nimmt die Sprache für diesen Krimi ein. Meranius schreibt in einem lakonischen, jedoch nicht zu knappen Stil, der Befindlichkeiten, große Gefühle, Sachverhalte, Entwicklungen schnell auf den Punkt bringt. Sie lässt erklärende, verbindende Sätze gerne weg - solche, die der Leser sich auch selbst denken kann und bei manch anderen Büchern die Leselust schnell schmälern. Nicht so bei Meranius. Sie gewährt dem Leser das eigene Kopfkino - und das ist wohltuend.

Dass der Krimi gerade deswegen spannend ist, versteht sich fast von selbst.

Die Autorin:

Porträt
Jasmin P. Meranius Bild © privat

Jasmin P. Meranius, 1983 in Frankfurt geboren, hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet als Immobilienmaklerin und Coach. Sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Ganz nebenbei schreibt sie auch Bücher. "Nebelgift" ist nach "Verurteilt" der zweite Band mit dem ungewöhnlichen Frankfurter Privatdetektiv Konrad Kümmer. Angefangen hat sie mit dem Roman "Wachkoma", der verfilmt werden soll. Zurzeit arbeitet die Autorin an ihrem vierten Buch, das sie selbst der "Frankfurter Neuen Presse" gegenüber als "Roman für Frauen" bezeichnet hat.