Der Wiesbadener Kurpark
Der Wiesbadener Kurpark ist einer der Schauplätze im Krimi. Bild © Pedelecs, wikipedia.de

Familiendrama in Wiesbadens: die Tochter eine Mörderin, der Vater ein Vergewaltiger. Das glaubt die Polizei. Doch es gibt Zweifel. Ein neuer Hessen-Krimi von Leonie Haubrich.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte

Pia Jawlensky steht mit einem Messer in der Hand und blutüberströmt neben der Leiche ihrer Mutter. Was ist passiert? Pia kann sich an nichts erinnern - oder tut sie nur so? Fakt ist, Pia ist aus ihrem behüteten Elternhaus ausgebrochen und lebt seitdem auf der Straße. Sie ist drogensüchtig und von einer penetranten Trotzigkeit. Das bekommt ihre Verteidigerin Stefanie Beck ungefiltert ab. Pia ist Becks erster Fall nach einer Auszeit, nachdem ihr in einem anderen Fall schwerwiegende Fehler unterlaufen sind: zu viel Empathie mit einem Angeklagten.

Buchangaben
Bild © Edition M

Beck will nicht glauben, dass Pia ihre Mutter skrupellos ermordet hat. Und die Blutspuren auf ihrer Kleidung entsprechen nicht dem Tathergang. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und stößt auf heftigen Widerstand bei der Polizei und in ihrer Kanzlei. Unklar ist auch, ob Pias Mutter nun ein vielversprechendes Krebsheilmittel entwickelt hat oder nicht. Gelegentlich verliert Stefanie Beck die Übersicht, auch weil sie sich in Pias Vater verliebt, der sich bei Fragen der Ermittlerin zu dem Fall an der Wahrheit vorbei mogelt. Dann wird er auch noch der Vergewaltigung einer seiner Studentinnen beschuldigt und wird verhaftet.

Rechtsanwältin Stefanie Beck kommt ins Schleudern, traut sie doch dem Mann, der sie betört, so etwas nicht zu. Immer wieder erinnert sie sich an ihren verpatzten Fall, der sie so viel gekostet hat. Bald sieht sie sich einem gefährlichen Gegner gegenüber.

Kurzkritik

Leonie Haubrich nimmt ein bekanntes Krimimotiv (Amnesie nach der Tat), reichert es an mit einer grauenhaften Familiensituation und der mörderischen Konkurrenz in Forschung und Wissenschaft. Ein weites Spektrum, das sie souverän zusammenführt. Am Ende sind alle Handlungsstränge miteinander verbunden.

Das Lesevergnügen wird aber ein bisschen geschmälert, indem die Autorin immer wieder in kurzen Hinweisen den alten Fall aufrollt, ohne genau zu beschreiben, worum es sich wirklich handelte. Sprich: Man müsste das Vorgängerbuch gelesen haben. Das ist ungeschickt. Man will auch nach einer gewissen Lesezeit nicht immer wieder an die Schwierigkeiten der Rechtsanwältin erinnert werden, Privates und Berufliches auseinanderzuhalten. Das nutzt sich im Laufe der Geschichte ab.

Dennoch ist das Buch lesenswert, ausgestattet mit detailliert gezeichneten Akteuren, mit einer durchdachten Dramaturgie und niveauvoller Sprache.

Die Autorin

Leonie Haubrich Portrait
Leonie Haubrich Bild © Photo Peter Brechtel

Leonie Haubrich alias Heike Fröhling ist studierte Germanistin und als Tochter eines Juraprofessors sozusagen mit Kriminalität und Forschung aufgewachsen. Sie hat unter beiden Namen schon mehrere Bücher verfasst, sei es als Selfpublisherin oder bei Verlagen. Daneben hat sie jahrelang als Journalistin für Frauenzeitschriften gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Wiesbaden.