Blick in den Hof der Veste Otzberg
Veste Otzberg im Odenwald: nur scheinbar ein Idyll. Bild © picture-alliance/dpa

Rund um die Veste Otzberg sterben erst Bäume, dann Kühe und zwei Kinder. Da ist Elinor Bicks' Serienheldin und Giftexpertin Lore Kukuk gefragt, die dem Kommissar in diesem launigen Odenwald-Krimi auf die Sprünge hilft.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Kurz vor der Eröffnung des Hugenotten- und Waldenserpfades nahe der Veste Otzberg sterben die Bäume: Hektarweise fällt der Wald einem pilzähnlichen Mikroorganismus zum Opfer, der bewusst versprüht wurde. Dann verenden Kühe, Pferde und Schafe auf der Weide. Dort sterben auch zwei Kinder auf Survival-Trip. Sie haben wie das Vieh als Köder ausgelegte Rübenstücke verzehrt, die mit dem Wirkstoff der hochgiftigen Pflanze Eisenhut versetzt wurden.

Buchcover
Bild © Gmeiner Verlag

Lore Kukuk, resolute 60-jährige Bewohnerin der Veste Otzberg, ist alarmiert. Sie weiß nicht nur, wie Eisenhut wirkt. Sie hat ein Rezeptbüchlein geerbt, mit dessen Hilfe Oma Kukuk Menschen heilte. Lore hat das Buch erweitert mit eigenen Kreationen, mit denen sie zwei Menschen aus Versehen getötet hat. Aber das weiß nur sie. Ihre Gewissensbisse versucht sie zu besänftigen, indem sie der Polizei bei den Ermittlungen hilft. Und ganz besonders dem Kommissar Otto, dessen Anwesenheit ihre Wangen rötet und der seinerseits ganz, ganz oft an Lore denken muss.

Aber wer steckt hinter den Anschlägen und Morden? Die Gegner des Wanderweg-Projekts, das die Region touristisch aufwerten soll? Die Hausbesitzer, die dafür enteignet wurden? Die Politiker, die aus dem Planungsausschuss rausgeworfen wurden und sich kein goldenes Näschen mehr verdienen können? Erst die Information, dass vor rund 20 Jahren eine ganze Hippie-Kommune mit Eisenhut ausgelöscht wurde, bringt die Ermittlungen in Schwung.

Kurzkritik:

Lore Kukuk ist eine so wunderbar liebenswerte wie schrullige Zeitgenossin, ihr Widerpart Kommissar Otto nicht weniger. Dass beide nicht zusammenkommen können wie die Königskinder, trägt zum Humorfaktor der Geschichte bei. "Nimmergrün" ist der dritte Teil der Serie um die beiden. Immer geht es um tödliche Pflanzen wie etwa den Silberregen, dessen Blütenstaub man besser nicht einatmet. Man erfährt, dass der Knollenblätterpilz nicht der tödlichste Pilz hierzulande ist. Das ist nämlich der Orangefuchsige Raukopf, dessen tödliche Wirkung sich erst Wochen nach der Einnahme entfaltet. Lore kennt so viele gefährliche Pflänzchen, dass man gar nicht mehr durch den heimischen Garten oder Wald laufen möchte.

Das Buch ist süffig zu lesen. Stolpern könnte man allerdings darüber, dass Lore auf ihrem "Klappcomputer" gerne auch mal "gugelt" oder sich auf "Gugel Erde" umschaut. Ist witzig gedacht, wohl im Hinblick auf das Alter der Protagonistin, wirkt aber meist manieriert. Trotzdem bietet "Nimmergrün" eine entspannende und zugleich spannende Lektüre.

Die Autorin:

Elinor Bicks
Elinor Bicks Bild © privat

Geboren in Darmstadt und zum Teil im Odenwald aufgewachsen, lebt Elinor Bicks heute in Frankfurt. Sie ist studierte Romanistin, hat als Journalistin und Sprachlehrerin gearbeitet, bis sie vor rund 20 Jahren als Texterin und Strategin in der Werbung landete und schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde. Als Autorin debütierte sie 2013 mit "Eddas Geheimnis", einem Frankfurt-Krimi quer durch die hiesigen Sexkinos und Swingerclubs. Zwei Jahre später brachte sie "Lavendelbitter" heraus, den ersten Teil der Serie um Lore Kukuk, dem 2015 der zweite Band "Silberregen" folgte.