Besucherschlange am "Parthenon der Bücher"
Der "Parthenon der Bücher", das Vorzeigeprojekt der diesjährigen documenta Bild © picture-alliance/dpa

Ungeachtet des Millionendefizits scheint sich die documenta für die Stadt Kassel in touristischer Hinsicht gelohnt zu haben. Die Zahl der Übernachtungen stieg im Sommer deutlich, wie erste Zahlen zeigen.

Das künstlerische Fazit fiel durchwachsen aus, die finanzielle Bilanz mit einem Sieben-Millionen-Defizit und einer Beinahe-Pleite schon fast desaströs. Doch in touristischer Hinsicht erwies sich die documenta 14 (10. Juni bis 17. September) für Kassel als Glücksfall.

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Das legen erste Erhebungen zur Zahl der Übernachtungen in Kassel im zurückliegenden Sommer nahe. Für den Eröffnungsmonat Juni mit 20 documenta-Tagen und einigen Pressetagen vorneweg zählte das Statistische Landesamt insgesamt 109.937 Übernachtungen: Das sind gut 27 Prozent mehr als im Juni 2016, einem Nicht-documenta-Jahr, und fast 14 Prozent mehr als im Juni 2012, als die vorangegangene documenta eröffnet wurde.

Mehr als doppelt so viele Übernachtungen als im Vorjahr

Ähnlich fallen die Zahlen für Juli aus. Für diesen Monat mit 31 documenta-Tagen zählten die Landesstatistiker 123.098 Übernachtungen: satte 67 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und knapp zehn Prozent mehr als im Juli 2012.

Die Zahlen für August diesen Jahres werden erst Mitte Oktober gesammelt sein, wie ein Sprecher von Statistik Hessen sagte. 2012 übertraf die Menge der Übernachtungen im August noch einmal diejenige vom Juli um beinahe 13 Prozent.

Untersuchung zur Wertschöpfung bis zum Frühjahr

Ein Sprecher von Kassel Marketing sagte, man erwarte für dieses Jahr erstmals mehr als eine Million Übernachtungen in der Stadt. Diese gäben schätzungsweise 630 Millionen Euro in der Stadt aus, 90 Millionen mehr als in einem Jahr ohne documenta.

Die Statistik des Landesamts berücksichtigt Übernachtungen in Hotels und Gasthäusern mit mehr als acht Betten. Ganz außen vor sind etwa über Airbnb vermittelte Zimmer in privaten Unterkünften.

Die tatsächliche Zahl der auswärtigen documenta-Besucher, die dann auch Geld ausgegeben haben in Kassel, dürfte also höher sein als die der Hotelgäste. Inwieweit Gastronomie und Einzelhandel von der documenta 14 profitiert haben, will eine Untersuchung der Ausstellungs-GmbH zeigen, die im kommenden Frühjahr vorliegen soll. Nach einer Umfrage der Regionalzeitung HNA war der Ansturm auf gehobene Restaurants mitunter so groß, dass die Lokale versuchten, die Gäste untereinander aufzuteilen.

Besucherrekord für die Kunstausstellung

Vorige Woche gaben die Veranstalter bekannt, dass die diesjährige Weltkunstschau mit 891.500 Besuchern in Kassel und 339.000 Besuchern am zweiten Standort in Athen die bestbesuchte documenta-Ausgabe bislang gewesen sei.

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Öffentlichkeitswirksam sei die documenta allemal, sagte der Sprecher der städtischen Marketing-GmbH: "Kassel ist in documenta-Jahren Thema in den Medien weltweit."

Der Wirtschaftsprofessor Gerd-Michael Hellstern berechnete einst die Wirtschaftlichkeit der Weltkunstschau. Sein Fazit: "Die documenta hat der Stadt und auch dem Land ein Mehrfaches an Rückflüssen im Vergleich zu den Investitionen gebracht." Hotelketten hätten in der Stadt Dependancen errichtet, und Kassel genieße ein moderneres Image und sei als Tagungsort gefragter als früher.