Kombo Oh Yeah
Ausstellungsstücke aus "Oh Yeah!" Bild © Martin Luther, Axel Thünker

Fast 100 Jahre Popmusik in Deutschland: Das zeichnet die Ausstellung "Oh Yeah!" im Frankfurter Museum für Kommunikation nach. Sie zeigt, dass Musik nicht immer nur der Unterhaltung diente.

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Deutschland, Ende der 1950er-Jahre: Teenies schmierten sich Pomade in die Haare, trugen Lederjacken und tanzten wild zum Sound von Elvis Presley. Eltern in ganz Deutschland sorgten sich um das Seelenheil ihrer Sprösslinge. Im Westen schmissen sie schon mal Radios aus dem Fenster. Im Osten brachte die Staatsführung schwere Geschütze gegen diesen Ausdruck westlicher Dekadenz in Stellung: den "Lipsi".

Dieser DDR-Tanz sollte eine ideologisch glatt gebügelte Alternative zum Rock sein. Innerhalb kürzester Zeit mussten ihn alle Funktionäre der "Freien Deutschen Jugend" (FDJ) beherrschen und an die Untergebenen weitergeben. Doch trotz aller Anstrengungen: Die Teenies sprangen nicht auf den Lipsi an, fanden die sozialistische Schrittfolge im Sechsvierteltakt ähnlich langweilig wie den Walzer. Nach einem Jahr stellte die DDR-Führung die Werbung ein.

Rund 140 Interpreten

Wer den Lipsi einmal ausprobieren möchte, hat jetzt im Museum für Kommunikation in Frankfurt (MfK) die Gelegenheit. Dort geht die Ausstellung "Oh Yeah!" auf eine Zeitreise durch fast 100 Jahre deutsche Popmusikgeschichte. Zu sehen ist die Schau bis zum 25. Februar 2018, dann wandert sie weiter nach Berlin, Leipzig und Stuttgart.

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Der Musik im geteilten Deutschland sind gleich mehrere Kapitel gewidmet. "Die Besucher können gut verfolgen, wie Musik auch für Propaganda missbraucht wurde", sagt Kurator Jan Christoph Greim und lacht: "Heute nennt man das ja Fake News."

Die Ausstellung startet mit Musik der 2000er-Jahre und endet in den 1920ern: "Das war die Zeit, als die Menschen sich erstmals Musik ins Wohnzimmer holen konnten, es gab Grammophone und die ersten Radiogeräte", erklärt Greim. "Außerdem war es die Zeit der ersten Musik-Diven." Insgesamt stellt die Schau rund 140 Interpreten deutscher Musikgeschichte vor.

"Für jeden etwas dabei"

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Informationen

Museum für Kommunikation
Schaumainkai 53
60596 Frankfurt

Anfahrt und Öffnungszeiten

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Dabei dürfte es im Ausstellungsraum ziemlich ruhig zugehen: Die Besucher müssen sich am Start mit Kopfhörern ausstatten, die sie an den jeweiligen Stationen und Vitrinen einstöpseln können. Die Infos bekommen sie dann in Form einer Radiosendung. Hier erfährt der Hörer zum Beispiel, dass James Last mehr Goldene Schallplatten bekommen hat als Elvis. Einzelne Songs aus den jeweiligen Epochen gibt es in chilligen Lounges zu hören.

Das MfK lädt explizit die ganze Familie ein: "Da dürfte für jeden etwas dabei sein", sagt Greim. In der Tat: Wer gerne in musikalischen Jugenderinnerungen schwelgt, wird hier fündig werden. Geboten werden aktuelle Hits, Beatmusik, Protestballaden der 68er-Generation, Songs der Neuen Deutschen Welle oder auch HipHop.

Ausstellung "Oh Yeah"
Blick in die Ausstellung Bild © Martin Luther

Nur eine Station dürften gerade die Frankfurter vermissen: Techno findet leider nur am Rande, mit Blick auf die Love Parade, statt.