Schneewittchen
Schneewittchen nach dem Biss in den vergifteten Apfel. Bild © Imago

Was für ein gruseliger Gedanke: Man verliert das Bewusstsein und wacht in einem Sarg wieder auf - unfähig, sich zu befreien. Die Angst vor dem Scheintod ist Thema einer neuen Ausstellung im Kasseler Museum für Sepulkralkultur.

Die bekannteste Scheintote der Kulturgeschichte hatte Glück: Wäre der Sargträger des Prinzen nicht gestolpert, dann wäre das vergiftete Apfelstück nicht aus Schneewittchens Hals herausgerutscht. Sie wäre nicht wieder aufgewacht - und, wer weiß, wahrscheinlich lebendig begraben worden.

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Ausstellung Museum Sepulkralkultur

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Der Angst vor dem Scheintod widmet das Kasseler Museum für Sepulkralkultur eine neue Ausstellung: "Vita Dubia - Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden" heißt sie. Zu sehen sind gruselige und skurrile Exponate in fünf Themenräumen. Sie sollen zeigen, welche merkwürdigen Blüten die Angst vor dem Scheintod getrieben hat.

Experimente an Räuber-Köpfen

Diese Angst wurde um 1800 zu einem weit verbreiteten Phänomen, sagte Gerold Eppler, Interimsleiter des Museums, bei der Eröffnung der Schau. Zu dieser Zeit hatte der wissenschaftliche Fortschritt ein Stadium erreicht, das viele Menschen daran zweifeln ließ, ob sich die Grenze zwischen Leben und Tod genau bestimmen lässt.

So experimentierten Ärzte der "Medizinischen Privatgesellschaft zu Mainz" zum Beispiel mit den abgetrennten Köpfen der Bande des Räubers Schinderhannes. Die 20 Bandenmitglieder waren 1803 geköpft worden. Die Ärzte testeten an ihnen akustische Reize, setzten sie unter Strom und betrachteten die Zuckungen der Gesichtsmuskulatur. War da noch Leben drin?

Rettungswecker fürs Grab

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Infos

Vita Dubis - Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden
noch bis 16. April 2017
Museum für Sepulkralkultur Kassel

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Die Schau geht das Thema von verschiedenen Seiten an: So versucht sie, die Popularität von Mary Shellys "Frankenstein"-Roman zu erklären oder zeigt erste Leichenhäuser. Auch Schneewittchen ist Thema. Zu sehen sind zudem Apparaturen wie Herzstichmesser. Mit ihnen wurde überprüft, ob Verstorbene wirklich tot sind. Außerdem präsentiert die Schau Geräte, mit denen Tote wiederbelebt werden sollten und Konstruktionen, mit denen Scheintote aus dem Grab gerettet werden könnten – wie etwa Rettungswecker.

Mediziner und Scharlatane aller Art werkelten immer wieder an noch Lebenden und vor allem an Verstorbenen herum, legten sie unter Strom oder verpassten ihnen Einläufe aus angewärmtem Tabak und anderen merkwürdigen Mittelchen. Manch Schwerkranker sei gerade an solchen Therapien zugrunde gegangen, sagte Eppler.