"I am a problem"
Bettina Rheims: "Karen Mulder with a very small Chanel bra", 1996. Bild © Courtesy Bettina Rheims, Foto: Axel Schneider

So haben Sie Museumsstücke noch nicht gesehen: Der junge Regie-Shootingstar Ersan Mondtag hat für das Frankfurter Museum für Moderne Kunst eine atemberaubende Ausstellung inszeniert. Die Themen: Schönheitswahn und Leistungsdruck.

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Die Geschichte klingt irre: Um abzunehmen, soll die Opernsängerin Maria Callas (1923-1977) einst einen Bandwurm mit einem Gläschen Champagner heruntergespült haben. Der Legende nach sorgte der Parasit dafür, dass die Diva tatsächlich 50 Kilo abnahm - die Callas hätte daran aber auch sterben können.

"Das ist für mich der Inbegriff eines brutalen Eingriffs in den eigenen Körper, um den Schönheitsvorstellungen der Gesellschaft zu entsprechen", sagt Ersan Mondtag. Der junge Theaterregisseur hat für das Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK) eine Ausstellung zum Thema Schönheitswahn und Selbstoptimierung konzipiert. "I am a problem" ("Ich bin ein Problem") heißt sie. Ausgangspunkt für die Ausstellung war der Callas-Mythos, wie Mondtag sagt.

Tänzer auf Go-Go-Plattform

Wobei, was die Besucher geboten bekommen, ist keine Ausstellung im klassischen Sinne. Der 1987 geborene Regie-Shootingstar hat so etwas wie eine begehbare Theaterinszenierung geschaffen. Herzstück ist ein riesiger schwarzer, teilweise begehbarer Bandwurm, der sich durch die Ausstellungshalle des MMK im Taunusturm schlängelt.

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"I am a problem"

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Betritt der Besucher die Halle, wird er von einem elfminütigen Video begrüßt, das den Kunst-Rebellen Joseph Beuys zeigt. Daneben tanzt - auf Elaine Sturtevants "Go-Go Dancing Platform" - ein gut gebauter, blond gefärbter Mann in silberner Sporthose: Schönheitswahn macht auch vor Männern nicht Halt.

Schmerz, Tod, Liebe, Sex

Die gesamte Ausstellungshalle ist in schwarze und gelbe Kunststoffbahnen gehüllt, es riecht nach Plastik. An den so verhüllten Wänden hängen berühmte Sammlungsstücke des MMK, Fotos und Zeichnungen von Gesichtern und Körpern jeden Alters, außerdem diverse Skulpturen. Mehrere Videos sind zu sehen. Auch im und um den Bandwurm sind Kunstwerke platziert.

"I am a problem"
Ersan Mondtag Bild © Foto: Thomas Schröder

An der Decke hängen überdimensionale schwarze Lautsprecher, die die Besucher mit einer einstündigen Schalldusche überziehen: Zwei oder mehr Kunstwerke unterhalten sich über Schmerz, Tod, Liebe, Zerstörung und Sex.

Leitmotive: Schönheit und Zerstörung

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I am a problem

23. September 2017 bis 18. Februar 2018
MMK2, Taunustor 1, 60310 Frankfurt

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Die Kompromisslosigkeit à la Callas, den eigenen Körper nach gesellschaftlichen Idealvorstellungen zu formen, ist Leitmotiv der Inszenierung - aber auch die Kehrseite, die (mögliche) Zerstörung des Körpers und die Aggression gegenüber Menschen, die anders sind oder sein wollen. Künstler wie Beuys, Bettina Rheims oder Vanessa Beecroft, John De Andrea oder Rosemarie Trockel haben sich mit dem Thema beschäftigt.

Zusammen mit den Dialog-Schallduschen entwickelt die Schau einen Sog, dem sich kaum ein Besucher wird entziehen können. Das Zusammenspiel von bildender und darstellender Kunst, von Bild, Skulptur, Ton, Performance, wie es Mondtag ersonnen hat, ist atemberaubend."So haben Sie unsere Sammlung noch nie gesehen", sagte Peter Gorschlüter, der kommissarische Direktor des MMK. Er hat absolut recht.

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