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Personelle Folgen hatte das Millionen-Defizit der documenta 14 bereits: Geschäftsführerin Kulenkampff musste gehen. Wegen des Verdachts der Untreue wird jetzt die Staatsanwaltschaft offiziell gegen Verantwortliche der Kunstausstellung aktiv.

Vorermittlungen hatte die Kasseler Staatsanwaltschaft bereits aufgenommen, nachdem die Sache im vergangenen Herbst bekannt wurde. Nun läuft auch ganz offiziell ein Ermittlungsverfahren wegen des voraussichtlich knapp fünf Millionen Euro teuren Defizits, das im vergangenen Jahr am Ende der Kunstausstellung documenta 14 zu Buche schlug.

Es gehe um den Verdacht der Untreue, sagte Oberstaatsanwalt Götz Wied am Mittwoch dem hr und bestätigte damit einen Bericht der "Rheinischen Post".

Der Anfangsverdacht sei nach Prüfung der Berichte einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bejaht worden, sagte Wied. Dieser Bericht ist nicht veröffentlicht worden. Gegen wen genau sich das Ende Januar aufgenommene Verfahren richte, wollte der Oberstaatsanwalt nicht mitteilen. Er betonte gleichzeitig, mit der Aufnahme der Ermittlungen sei kein Schuldvorwurf verbunden.

Fast pleite

Im Mittelpunkt der öffentlichen Kritik wegen des Defizits stand bislang vor allem documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff. Sie hat stets jeden Vorwurf eines strafbaren Verhaltens zurückgewiesen. In die Auflösung ihres eigentlich bis 2019 geltenden Vertrags zum 1. Juni des laufenden Jahres willigte sie trotzdem ein.

Zuvor hatten Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) neben organisatorischen und finanziellen auch personelle Konsequenzen gefordert. Stadt und Land hatten mit einer Bürgschaft in Höhe von acht Millionen Euro die Zahlungsfähigkeit der Ausstellung gesichert.

Seit Oktober liegen der Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen wegen Untreue im Zusammenhang mit der documenta vor. Erstattet hatte sie die Kasseler AfD-Stadtverordnetenfraktion gegen Geschäftsführerin Kulenkampff, den künstlerischen Leiter Adam Szymczyk sowie gegen zwei Kasseler SPD-Politiker: gegen den früheren documenta-Aufsichtsratsvorsitzenden und Ex-Oberbürgermeister Bertram Hilgen sowie gegen Christian Geselle als seinen Nachfolger auf beiden Posten.

Teure Kunstfiliale in Griechenland

Als Ursache des Defizits gelten die Kosten in Athen, dem zweiten Standort der vergangenen Ausstellung. Hier wurde das Budget bei Personal, Transport, Räumen und Sicherheit überschritten. Die nächste documenta findet vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel statt.

Sendung: hr-iNFO, 14.02.2018, 15.00 Uhr