Selbstporträts Bonnard Matisse
Zwei Selbstporträts, zwei grundverschiedene Arten der Malerei, zwei grundverschiedene Charaktere: Henri Matisse (links) blickt selbstbewusst, die Augen sind offen, die Linienführung ist klar. Pierre Bonnard hält seinen Blick diffus, die Augen sind nicht erkennbar, die Haltung ist gebeugt. Bild © picture-alliance/dpa, hr

Freundschaft, Farbe, Frankreich: Das Frankfurter Städel zeigt mit der Ausstellung "Matisse - Bonnard" das Highlight des Jahres und versprüht gute Laune und Herzenswärme im Herbst.

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Draußen in den Straßen Frankfurts raschelt sich so langsam der Herbst zurecht – und drinnen im Städel knallen die Farben, es scheint die ewige Sonne der Cote d'Azur, und eine tiefe Männerfreundschaft erwärmt das Herz. Hach!

Es soll "irgendwie schon die Ausstellung des Jahres" werden, freut sich Städel-Direktor Philipp Demandt. In dem Ausstellungshaus treffen sich zwei ganz Große: Henri Matisse (1869-1954) und Pierre Bonnard (1867-1947). Das Städel widmet ihnen eine Gemeinschaftsausstellung mit 120 Werken und stellt dabei die enge Freundschaft in den Mittelpunkt, die die beiden Franzosen über 40 Jahre lang verband.

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Matisse - Bonnard

Matisse - Bonnard "Es lebe die Malerei!"
13.9.2017 - 14.1.2018
Städel Museum, Frankfurt
Zur Ausstellung gibt es ein Digitorial. Einen Audioguide, gesprochen von Sophie Rois, gibt es in der Städel-App.

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Diese tiefe Freundschaft und die große Bewunderung, die beide Künstler füreinander empfanden, ist auf jedem Quadratzentimeter der Ausstellung zu spüren. Viele Werke beziehen sich aufeinander, häufig tauchen ähnliche Motive auf und immer wieder ist es der pure Farbrausch, der zum Wohlgefühl beiträgt. Gerade rechtzeitig zum Beginn der dunklen Jahreszeit bietet das Städel mit "Matisse - Bonnard: 'Es lebe die Malerei!'" ein buntes Gegengift gegen drohenden Herbstblues.

Pierre Bonnard "Die sonnige Terrasse", 1939 - 1945, Ausschnitt
Pierre Bonnard "Die sonnige Terrasse", 1939 - 1945, Ausschnitt Bild © Katrin Kimpel (hr)

Enge Freundschaft verbindet die Künstler

Bevor man zu den eigentlichen Werken von Bonnard und Matisse gelangt, kommt man durch einen Raum mit Schwarz-Weiß-Fotografien, die alle an einem Tag 1944 in Nizza entstanden sind. Sie zeigen rechts Matisse in seiner Villa, selbstbewusst, umgeben von Luxus und links Bonnard in seinem vergleichsweise bescheidenen Haus, schüchtern, fast abweisend. Es ist offensichtlich, dass die beiden Künstler grundverschieden sind.

Matisse Bonnard
Raum mit Fotografien von Henri Matisse und Pierre Bonnard. Alle Werke stammen von dem Fotografen Henri Cartier-Bresson aus dem Jahr 1944 und zeigen die Künstler in ihren Häusern in Südfrankreich. Dieser Raum ist der Eingang in die bunte Bilderwelt der beiden Künstler Matisse und Bonnard. Bild © Katrin Kimpel (hr)

Doch ihre Freundschaft war eng, ihre Unterschiedlichkeit war über vier Jahrzehnte eine Inspiration für den jeweils anderen. Sie schrieben sich Briefe, besuchten sich und wohnten später sogar nahe beieinander an der Cote d'Azur in Frankreich. "Der Dialog zwischen beiden war sehr eng. Das wollen wir in der Ausstellung zeigen", sagt Kurator Felix Krämer. Bonnard sah in Matisse "einen von allen überkommenen ästhetischen Konventionen befreiten Geist". Matisse schrieb an Bonnard: "Ich müsste jemanden sehen, und Sie sind es, den ich sehen möchte."

Bilder aus der ganzen Welt

Die Ausstellung ist nach Themen geordnet - Interieur, Stillleben, Landschaft und Frauenakt - und stellt oft zwei Bilder der Künstler nebeneinander. Unterschiede und Gemeinsamkeiten springen so geradezu ins Auge. Insgesamt sind rund 120 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken zu sehen, alle luftig und mit viel Platz gehängt. Ein Raum zeigt Briefe, die die Männer sich über die Jahre geschrieben haben. Auch die titelgebende Postkarte von Matisse an Bonnard aus Amsterdam ist zu sehen. "Es lebe die Malerei", schreibt er darauf euphorisch.

Postkarte Henri Matisse
"Es lebe die Malerei!" Postkarte von Henri Matisse an Pierre Bonnard aus Amsterdam 1925. Bild © Katrin Kimpel (hr)

Die Leihgaben wurden aus Museen wie dem Pariser Musée d'Orsay, der Londoner Tate Modern, dem Art Institute of Chicago oder der Eremitage in Sankt Petersburg sowie aus Privatsammlungen zusammengetragen. "Wir konnten Museen weltweit für unsere Idee begeistern, diese beiden Ausnahmekünstler zusammen zu zeigen", sagt Städel-Direktor Demandt. Matisses Hauptwerk "Großer liegender Akt" (1935) vom Baltimore Museum of Art etwa ist zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder in Deutschland zu sehen.

Matisse "Großer liegender Akt"
Henri Matisse "Großer liegender Akt" (Ausschnitt) Bild © Katrin Kimpel (hr)

Gleiches Alter - verschiedene Epochen?

Obwohl die beiden Maler faktisch nur zwei Jahre Altersunterschied hatten, werden sie verschiedenen Kunstepochen zugeordnet. Die Kunstgeschichte bezeichne Bonnard häufig als späten Impressionisten und packe ihn somit ins 19. Jahrhundert, so Krämer. Matisse gelte hingegen als Vorbote des Expressionismus und zähle zur modernen Malerei des 20. Jahrhunderts. "Aber das ist einfach nicht richtig. Ohne Bonnard kein Matisse und ohne Matisse kein Bonnard. Wir wollen mit unserer Ausstellung auch die Klassifizierung in die verschiedenen Epochen hinterfragen.“

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Ausstellungsansicht Matisse - Bonnard

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