Im Hintergrund das Ölgemälde von Rubens "Venus Frigida", im Vordergrund eine antike römische Skulptur.
Peter Paul Rubens "Venus Frigida" (1614). Im Vordergrund die antike römische Skulptur einer kauernden Venus. Bild © Katrin Kimpel (hr)

Kopieren, zitieren, Neues daraus schaffen - das Städel Museum Frankfurt zeigt in einer großen Rubens-Schau wie der Barockmaler seine Motive entwickelt und damit gewissermaßen ein Stilmittel des Hip-Hop vorweg genommen hat.

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zum Video Vier Fragen an Kurator Jochen Sander

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Im Hip-Hop ist es eine der zentralen Techniken - das Sampling. Cooler Rhythmus, Melodie mit Ohrwurmpotenzial in einem bekannten Stück? Man greift sich die Sequenz und baut sie in ein neues Stück ein. Und so entsteht etwas ganz Neues mit einem Querverweis in die Vergangenheit. Neu ist diese Idee nicht, Künstler aller Gattungen - Musik, Malerei, Bildhauerei – arbeiten gelegentlich so.

Was ist die Vorlage? Und was macht Rubens daraus?

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Ausstellung

"Rubens. Kraft der Verwandlung"
8.2.2018 bis 21.5.2018
Städel Museum Frankfurt

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Das Städel Museum hat diesen Schaffensprozess als Grundlage seiner großen Sonderschau "Rubens. Kraft der Verwandlung" gewählt. Die Ausstellung zeigt den Prozess von der Inspiration in der Antike bis hin zum eigenen fertigen Werk des Meisters Peter Paul Rubens (1577 - 1640). "Wir wollen zeigen, wie eines der großen Malergenies des Barock seine Arbeiten entwickelt hat. Worauf er zurückgreift, welche Vorlagen er verwendet, aber vor allen Dingen, was er mit diesen Vorlagen macht", sagt der Kurator der Ausstellung, Jochen Sander. "Rubens kopiert etwas, um es sich anzuverwandeln. Um es dann unter Umständen in einen vollkommen neuen, vollkommen überraschend anderen Bildzusammenhang zu bringen."

Venus Frigida, Peter Paul Rubens 1614
Peter Paul Rubens (1577-1640) zeigt auf seinem Gemälde "Venus Frigida" von 1614 eine frierende Venus. Bild © www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw

Etwa Rubens' Werk "Venus Frigida": Inspiration ist die Skulptur einer antiken römischen, kauernden Venus, die sich in einer entspannten, fast sinnlichen Atmosphäre auf ein Bad vorbereitet. In Rubens Gemälde aus dem Jahr 1614 taucht diese Frauenfigur auf, mit identischer Körperhaltung, allerdings in einem komplett anderen Gemütszustand: Sie friert und leidet. Rubens nutzt diese Figur um ein zu der Zeit populäres Sprichwort zu transportieren – sinngemäß "Ohne Essen und Trinken friert die Liebe". Aus derselben Figur macht Rubens auch eine trauernde Venus, die den Tod ihres Geliebten Adonis beklagt – ganz wie es dem Meister und wie es in die Zeit passt.

Zitate sollen für auf den ersten Blick erkennbar sein

Die Ausstellung ist nach Bildmotiven und Themen strukturiert und zeigt die offensichtlichen Verwandlungsprozesse. "Wir setzen auf den unmittelbaren visuellen Eindruck, auf die eigentliche Macht der Bilder", sagt der Kurator.

Antiker Kentaur, Rubens-Zeichnung, Rubens-Gemälde
Von der ungezügelten, animalischen Kreatur zum leidenden Christus: Antike Skulptur, Runbens-Zeichnung, Rubens Ölgemälde "Ecce Homo" (1612) Bild © bpk / RMN - Grand Palais/ Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_c016031/ The State Hermitage Museum, Sankt Petersburg 2017

Die Schau "Rubens. Kraft der Verwandlung" vereint 100 Werke aus Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und angewandter Kunst, darunter 31 Gemälde und 23 Zeichnungen von Rubens. Die jeweilige Vorlage und Rubens Interpretation stehen und hängen nah beieinander und lassen sich direkt vergleichen. "Wir wollen den Besuchern die Chance geben, den Effekt unmittelbar, eigenständig und sofort zu verstehen und ohne große Erläuterungen zu sehen", sagt Kurator Sander. Ganz so wie eine Melodie in einem Hip-Hop-Stück, die man schon kennt und sofort raushört.

Wer doch mehr Erklärungen haben möchte, kann sich mit dem Digitorial zur Ausstellung vorbereiten.

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