17. Türkisches Filmfestival
Filmszenen aus dem Historienfilm "Ayla" (li.) und dem Drama "Rauf". Bild © Türkisches Filmfestival Frankfurt

Dramen, Komödien, Dokus - das Türkische Filmfestival in Frankfurt präsentiert eine Woche lang aktuelle Streifen und Klassiker. Auch politische Kritik ist nicht tabu. Für den Veranstalter gab es zur Eröffnung eine Ehrung des Landes.

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17. Türkisches Filmfestival

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Türkisches Filmfestival in Frankfurt: Über 40 Filme auf dem Programm

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Mehr als vierzig Filme stehen auf dem Programm des 17. Türkischen Filmfestivals in Frankfurt, das am Montagabend im Cinestar Metropolis eröffnet wird. Neben Dramen, Komödien und Thrillern laufen Dokumentarfilme - überwiegend türkische Produktionen, aber auch Filme aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Gezeigt werden sie im Original mit Untertiteln, soweit es keine deutsche Synchronfassung gibt.

Internationale Aufmerksamkeit dürfte der Eröffnungsfilm "Ayla" erlangen. Das Historiendrama von Regisseur Can Ulkay ist im Rennen für die Nominierungen als bester ausländischer Film bei den kommenden Oscars. Ob der Film es in die Endauswahl der fünf Nominierten schafft, wird erst im Januar feststehen.

Keine Probleme bei Filmauswahl

Das Drama spielt zur Zeit des Koreakriegs in den 50er-Jahren und beruht auf einer wahren Begebenheit. Der türkische Feldwebel Süleyman trifft ein verwaistes koreanisches Mädchen und nimmt es bei sich auf. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden eine Vater-Kind-Beziehung.

Als der Krieg endet, muss Süleyman zurück in seine Heimat. Alle Versuche, das Mädchen mitzunehmen, scheitern. Zum Abschied geben sich beide das Wort, eines Tages wieder vereint zu sein. Tatsächlich leben Ayla und der Ex-Soldat heute beide in der Türkei.

Historienfime derzeit angesagt

Weitere Informationen

17. Türkisches Filmfestival

Wann: 27. November bis 2. Dezember
Wo: Filmvorführungen im Cinestar Metropolis in Frankfurt, Filmforum Höchst in Frankfurt, Ledermuseum in Offenbach, Lichtburgkino in Langen und Bildungshaus in Dietzenbach; Konzerte jeweils in Frankfurt im Gallus-Theater, im Internationalen Theater, in Dr. Hoch's Konservatorium und in der Fabrik.
Eintritt: Festivalpass für die ganze Woche 25 Euro, Einzelticket für Filmvorführungen 7 Euro, Konzerte 18 bis 25 Euro.

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"Historienfilme sind momentan sehr populär und der Film behandelt eine interessante Geschichte", sagt Festivalleiter Hüseyin Sıtkı. "Wir wollen mit diesem Beitrag auch aufzeigen, welche Rolle die Türkei im Koreakrieg gespielt hat." Auf die aktuelle politische Lage in der Türkei angesprochen, erklärt er, dass es bei der Auswahl der Filme keine Probleme gegeben habe.

Organisiert wird das Festival vom Verein "Transfer zwischen den Kulturen", finanziell unterstützt von Stadt, Land und privaten Sponsoren. Der Verein sei nicht politisch gebunden, so Sıtkı. Neben dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt zählt auch das türkische Generalkonsulat in Frankfurt zu den Schirmherren. Auf den Inhalt des Festivals habe dies keinen Einfluss, so der Festivalleiter.

Auch Zeitkritik im Programm

Im Programm seien auch einige politische und gesellschaftskritische Werke, wie etwa der Film "Tereddüt" (Zögern) mit dem deutsch-türkischen Schauspieler Mehmet Kurtuluş in einer Hauptrolle. Er ist unter anderem als Hauptkommissar Cenk Batu aus dem NDR-Tatort bekannt. Im Zentrum des Psychodramas stehen zwei Frauen, die auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten haben. Doch in ihren Beziehungen leiden beide unter den patriarchalen Verhältnissen.

Ein anderes Beispiel für regimekritische Werke ist der Dokumentarfilm "Yollara Düstük" (Wir gingen auf die Straßen) aus dem Jahr 2014. Er erinnert an den Protestmarsch von Filmschaffenden im Jahr 1977, die sich gegen die zunehmende Zensur richteten. Ein Thema, das in der Türkei seit dem Putschversuch im vergangenen Jahr wieder brandaktuell ist. Und das Drama "Rauf", benannt nach der Hauptfigur, ist eine Coming-Of-Age-Geschichte, angesiedelt im Nordosten der Türkei, wo der Kurdenkonflikt als Guerillakrieg entbrannt ist.

Schließlich greift das Festival auch die aktuellen Probleme Flucht und Migration auf. Dem Thema "Migrantenschicksal" widmet sich die Kategorie "Gastländer", in der vor allem europäische Produktionen zu sehen sind. Darunter ist die skandinavische Komödie "Welcome to Norway" sowie "Die andere Seite der Hoffnung" des finnischen Regisseurs Aki Kaurismäki. Konzerte, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen begleiten das Kinoprogramm.

Goethe-Plakette für Festival-Leiter

Für den Leiter des Filmfestivals, Hüseyin Sitki, gab es am Montag auch eine offizielle Ehrung: Er wurde mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet. Sitki und sein Verein "Transfer zwischen den Kulturen" leisteten Großartiges, erklärte Kulturminister Boris Rhein (CDU) zur Eröffnung.

"In einer Welt, die sich immer mehr über Unterschiede definiert, wirbt diese Veranstaltung dafür, sich von Ländergrenzen freizumachen und Offenheit zu leben." Der Preisträger schaffe als Botschafter des türkischen Films ein Forum des freundschaftlichen Austauschs zwischen den Kulturen, teilte Rhein mit.

Sitki kam als junger Mann nach Deutschland. Hauptberuflich berät er ausländische Studierende an der Goethe-Universität Frankfurt. Die Goethe-Plakette ist die höchste Auszeichnung des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Sie wird seit 1949 verliehen.