Blitze zeichnen sich am 24.07.2014 am nächtlichen Himmel südlich von Frankfurt am Main (Hessen) bei einem Gewitter ab
Blitze erhellen den nächtlichen Himmel in der Nähe von Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Blitze, Überschwemmungen und Hagel bringen in Frankfurt Menschen um - so scheint es in Uli Aechtners neuem Krimi. Doch Kommissar Christian Bär will die seltsamen Todesfälle nicht einfach dem Klimawandel zuschreiben.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt hessenschau.de aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte

Es beginnt mit einem Unwetter: Sieben Kühe erschlägt ein Blitz am Ufer der Nidda, als Kommissar Christian Bär den Uferweg entlang joggt und vom Gewitter überrascht wird. Dann erreicht ihn die Nachricht, dass eine Frau auf einem Frankfurter Campingplatz wohl ebenfalls vom Blitz erschlagen wurde. Kurz darauf wird in einem Vorort die Leiche einer Frau in ihrem Waschhaus gefunden. Sie ist ertrunken - nach heftigen Regenfällen hatte das Rückhalteventil des Abflusses nicht mehr funktioniert. War sie gestolpert und ohnmächtig ins kniehohe Wasser gefallen?

Covwr "Mordswetter"
Bild © emons Verlag

Kommissar Bär wird misstrauisch. Denn eine Person hat mit beiden Fällen zu tun: Gewitterfotograf Maik Herres war der Freund der toten Camperin - und er ist der Sohn der Ertrunkenen. Herres benimmt sich merkwürdig: War er zunächst fassungslos über den Tod seiner Freundin, kauft er sich am nächsten Tag freudestrahlend ein neues Objektiv für seine Kamera. Derweil wird auf dem Campingplatz ein Elektroschocker gefunden wird, der der Toten gehörte. Und Bär hat auch einen persönlichen Grund zum Misstrauen gegenüber Herres: Der Fotograf kommt Bärs heimlicher Flamme, der Journalistin Roberta Hennig, in sehr engen Kontakt.

Es bleibt nicht bei zwei Leichen. Nach weiteren mysteriösen Todesfällen verzweifelt Bär zunehmend. Er hat nichts in der Hand - nur seine Überzeugung, dass weder Blitz noch Überschwemmung noch Hagel die Menschen zur Strecke gebracht haben.

Kurzkritik

Uli Aechtner verwendet Phänome des Klimawandels als Basis für ihren "Mordswetter"-Krimi. Wenn es regnet, dann heftiger, wenn es blitzt und donnert, dann intensiver. Sie spielt gekonnt mit der Ungewissheit: Mord oder tragischer Zufall? Bis am Ende mehrere Täter, unfreiwillige wie überzeugte, überführt werden.

Aechtner erklärt in ihrem Krimi ganz nebenbei auch Wetterphänomene, etwa wie Gewitter und Hagel entstehen. Ein Mitarbeiter des Deutschen Wetterdiensts in Offenbach hat sie beraten, natürlich auch ein Gerichtsmediziner und ein Gewitterfotograf.

Aechtner zeichnet ihre Figuren glaubhaft, selbst die Nebenpersonen. Und sie treibt die ungelebte Liebschaft zwischen Christian Bär und Roberta Hennig weiter. Passend zum Thema knistert inzwischen die Luft zwischen den beiden, weil libidinös und amourös heftig aufgeladen. Doch wir werden wohl noch weitere Krimis abwarten müssen, bis es zur Entladung kommt. Und Aechtners Humor blitzt immer wieder schwarz in der Geschichte auf.

Die Autorin

Uli Aechtner
Uli Aechtner Bild © Britta Schmitz

Uli Aechtner, 1952 in Bonn geboren, ist von Beruf Journalistin. Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstwissenschaften arbeitete sie für das französische Fernsehen TF1 und später für den SWF/SWR in Mainz, wo sie lange das Regionalmagazin "Landesschau" moderierte. Heute arbeitet sie frei für ARD und ZDF.

Aechtners erster Krimi "Too much TV "erschien 1995 im Rotbuch Verlag. Neben Kurzgeschichten hat sie mehrere Romane veröffentlicht. "Mordswetter" ist der dritte Fall für Kommissar Christian Bär und die Journalistin Roberta Hennig.