Städtische Bühnen in Frankfurt
Städtische Bühnen in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Riesen-Sanierung oder kompletter Neubau? Für die Zukunft der Städtischen Bühnen in Frankfurt liegen drei Vorschläge auf dem Tisch. Sehr teuer sind sie alle.

Für die Sanierung des Frankfurter Schauspielhauses sind am Dienstag die Ergebnisse einer Studie vorgestellt worden. Die drei Varianten reichen von der Sanierung bei laufendem Betrieb bis zum kompletten Neubau am bisherigen Standort.

Die Gesamtkosten liegen den Schätzungen zufolge zwischen rund 850 und 890 Millionen Euro. Eingerechnet sind Kosten für Ausweichstandorte und mögliche Preissteigerungen. Am teuersten ist der Komplett-Neubau.

Diese drei Varianten schlägt die Studie vor:

  • Sanierung bei laufendem Bühnenbetrieb, veranschlagte Dauer: elf Jahre
  • Eine Bühne wird in eine externe Spielstätte ausgelagert, die Sanierungsdauer verkürzt sich auf acht Jahre
  • Abriss und kompletter Neubau der Städtischen Bühnen, der gesamte Spielplan wird ausgelagert, Dauer: sechs Jahre
Simulation des Neubaus am Schauspiel Frankfurt
Simulation des Neubaus am Schauspiel Frankfurt Bild © Architekturbüro PFP

Zusätzlichen Raum soll der Studie zufolge vor allem ein neues Hochhaus schaffen. Die Nutzfläche betrage zurzeit rund 44.000 Quadratmeter. Sie soll nach dem Umbau auf etwa 52.000 Quadratmeter wachsen.

"Es muss etwas passieren"

"Der Zustand ist so marode, dass etwas passieren muss", sagte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Das habe die Bestandsaufnahme ergeben. "Eine weitreichende politische Entscheidung steht an." Die Machbarkeitsstudie gebe aber keine politische Entscheidung vor.

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"Von Sanierung kann fast nicht mehr die Rede sein, sondern vom Startschuss für etwas Neues", sagte Baudezernent Jan Schneider (CDU) angesichts der Größenordnung des Projekts. Wegen der hohen zu erwartenden Kosten müsse allerdings auch über einen möglichen Umzug der Städtischen Bühnen und einen Neubau an anderer Stelle nachgedacht werden.

Bauderzernent Jan Schneider (CDU) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD)
Bauderzernent Jan Schneider (CDU) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) Bild © Stadt Frankfurt

"Die Kosten sind extrem hoch, und die müssen gedrückt werden", sagte Hartwig. Mit Blick auf andere Theaterbauten der jüngsten Zeit verwies sie darauf, dass auch mit geringeren Haushaltsmitteln Lösungen gefunden wurden, die Experten gelobt hätten.

Hartwig betonte, sie würde den heutigen Standort der Städtischen Bühnen in der Innenstadt "erst als allerletztes in Frage stellen". Bei dem Bau mit seiner mehr als 100 Meter langen Glasfassade handele es sich um "ein Juwel der Nachkriegszeit".

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Frankfurts lange Theatertradition

1782 wurde das "Comoedienhaus" als erste feste Spielstätte errichtet. 1880 entstand das neue Opernhaus - die heutige Alte Oper. An die Stelle des 1902 eröffneten Schauspielhauses trat im Jahr 1963 die sogenannte Theaterdoppelanlage mit ihrer mehr als 100 Meter langen Glasfassade. Hier sind Schauspiel und Oper unter einem Dach vereint.

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Mit Schauspiel und Oper unter einem Dach besitzt Frankfurt einen der größten Theaterkomplexe Europas. Doch das aus dem Jahr 1963 stammende Gebäude entspricht technisch nicht dem aktuellen Stand. Auch die Brandschutzanforderungen sind gestiegen. In der Vergangenheit gab es Wasserschäden durch defekte Rohre.

Experten hatten fast zwei Jahre lang an der Studie gearbeitet, um den Sanierungsbedarf der Städtischen Bühnen zu ermitteln. Im Vorfeld war von Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro die Rede.

Sendung: hr-iNFO, 06.06.2017, 21.30 Uhr

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