Fikkefuchs-Plakat
Fikkefuchs-Plakat Bild © fikkefuchs.de

Wegen eines Plakats zum Film "Fikkefuchs", das die Silhouette einer nackten Frau mit einem vereinfacht dargestellten Fuchskopf anstelle ihrer Scham zeigt, sind die Sittenwächter der VGF vorgeprescht - und dann wieder zurückgerudert.

Erst Hü, dann Hott: Nachdem die Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF zunächst die Verbreitung eines Plakats in ihren Fahrzeugen und Haltestellen verboten hatte, darf die Werbung zum Film "Fikkefuchs" nun doch aufgehängt werden. Das teilte die VGF am Dienstagnachmittag auf Anfrage mit. Zunächst hatte sie das Plakat aus Angst vor Beschwerden nicht zugelassen.

Noch am Dienstagmorgen hatte das Verbot Bestand. Gegenüber der Frankfurter Rundschau begründete eine VGF-Sprecherin die Entscheidung mit der Aussage: "Wir halten diese Werbung für sexistisch." Auf Anfrage von hessenschau.de ruderte der Leiter der Pressestelle, Bernd Conrads, erst bei der Begründung zurück. "Das ist so nicht richtig", sagte Conrads. Vielmehr habe die VGF das Plakat abgelehnt, weil man Beschwerden von Fahrgästen befürchtete. Dabei habe man vor allem minderjährige Fahrgäste vor Augen gehabt.

VGF macht Rolle rückwärts

Das war natürlich nur eine Umschreibung dafür, dass das Plakat bei der VGF als zu sexistisch, zu freizügig oder gar zu pornografisch empfunden wird – und somit Anlass zur Beschwerde geben könnte.

Dann wenig später die komplette Rolle rückwärts: "Die Werbung darf jetzt doch geschaltet werden", sagte Conrads bei einem zweite Gespräch mit hessenschau.de. Man habe die Situation noch einmal in größerem Kreis diskutiert und sei zu der Entscheidung gekommen, das Verbot zu revidieren.

Bereits in München verboten

Zuvor hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG die Fikkefuchs-Plakate verboten. Laut Bild aus ähnlichen Beweggründen, wie die VGF. "In der U-Bahn kommt die Werbung einem viel näher, man kann ihr schlechter ausweichen – gerade auch mit Kindern", sagte ein MVG-Sprecher der Zeitung. Daraufhin hatten die Macher von Fikkefuchs auf Facebook eine Guerilla-Plakat-Aktion gestartet und die Münchner Bevölkerung aufgerufen, selbst zu plakatieren.

Fikkefuchs-Aktion auf Facebook
Bild © Facebook/@fikkefuchs

"Fikkefuchs" ist eine deutsche Komödie von Regisseur Jan Henrik Stahlberg, die laut Ankündigung eine "vielschichtige" Vater-Sohn-Geschichte erzählt: Ein alternder Frauenheld will seinem ahnungslosen Sohn beibringen, wie man Frauen ins Bett kriegt.

Ihre Kommentare Erst verboten, dann nicht - was halten Sie für richtig?

19 Kommentare

  • Dreiste Werbemacher versuchen mit Gewalt ihren Willen zu bekommen. Dabei ist das Plakat in Kombination mit dem Titel obszön. Auch als Erwachsener möchte ich nicht herabwürdigendes oder abwertendes über Sexualität vor die Nase gehalten bekommen. Und dann noch einem Verkehrsbetrieb dafür Geld für ein Ticket zahlen dürfen? Lachhaft einfältige Masche der Werbemacher und ein Armutszeugnis aller Verantwortlichen, dass dem nachgegeben wird.

  • Geht gar nicht, bei aller Toleranz. Wir haben genug perverse Aussagen im Internet. Da müssen wir uns nicht in aller Öffentlichkeit bedrückt fühlen. Ich finde die Werbung pervers und finde die Grenze des machbaren als erreicht. Wahrscheinlich werden dann demnächst die Porno-Seiten als Werbung angepriesen. Oje, armes Deutschland

  • Nicht nur einmal habe ich persönlich erzählt bekommen, dass französische Frauen sich unaufgeregt darüber amüsieren, wenn ihnen in ihrer Heimat mal ein Mann nachpfeift oder Komplimente (ungebeten!) macht. HIER fühlt Frau sich: beleidigt, "angemacht", als Sexobjekt degradiert etc. Meine Erfahrungen mit anderen Ländern/Kontinenten: Nirgendwo habe ich spießigeres, flirtfeindlicheres Verhalten und eine so negative Einstellung zu Weiblichkeit wie hier in Deutschland erlebt. Das ist eine reine Feststellung. Dazu passt dann genauso eine hanebüchene Diskussion über die Frage einer Jugendgefährdung solch eines Plakats. Der Filmtitel - Geschmackssache (mir gefällt er null, weil zu reißerisch). Und meiner Meinung nach das EIGENTLICHE Problem bei diesem Plakat eines Films, der es wahrscheinlich unbedingt nötig hat, so beworben zu werden. Weil sonst eventuell niemand Notiz davon nehmen würde.

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