Paulus Manker und Dieter Wedel.
Haben sich überworfen: Paulus Manker (links) und Dieter Wedel. Bild © picture-alliance/dpa

Paukenschlag statt Thesenanschlag: Am Vortag der Premiere hat Bad Hersfelds Festspiel-Intendant Dieter Wedel seinen Luther-Darsteller gefeuert - das Zerwürfnis mit Burgschauspieler Paulus Manker sei irreparabel. Inzwischen hat auch Manker reagiert.

Eklat bei den Bad Hersfelder Festspielen: Einen Tag vor Eröffnung des renommierten Freilicht-Theaterfestivals hat sich Intendant und Star-Regisseur Dieter Wedel von Paulus Manker getrennt, der unter anderem den Martin Luther spielen sollte. Der Burgschauspieler habe eine außerordentliche Kündigung erhalten, berichtete die Festspielleitung am Donnerstagabend.

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Paulus Manker

Der 59 Jahre alte Wiener arbeitete bereits mit Peter Zadek und anderen namhaften Regisseuren zusammen. Einen Namen machte er sich 1994 im Film "Schlafes Bruder" von Joseph Vilsmaier. Mittlerweile arbeitet Manker auch als Regisseur und Autor. Für Wedel war es die erste Zusammenarbeit mit dem Österreicher.

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Somit ist Wedel bei der Uraufführung von "Martin Luther - Der Anschlag" (Freitag, 21 Uhr) zur kurzfristigen Umbesetzung gezwungen. Bei der Probenkritik am Mittwoch sei es zu einem "irreparablen Zerwürfnis mit dem Intendanten" gekommen, berichtete die Festspielleitung.

"Beleidigendes, unberechenbares, provokantes Verhalten" oder...

"Nachdem Herr Manker sich zunächst hartnäckig geweigert hatte, Regieanweisungen Folge zu leisten, hat er dann die Probe verlassen, was wir als Arbeitsverweigerung ansehen müssen." Diese Aktion sei der "Höhepunkt seines inakzeptabel beleidigenden, unberechenbaren und provokanten Verhaltens während der Probenzeit" gewesen.

Manker war als einer von vier Akteuren für die Luther-Rolle vorgesehen. Er sollte ihn als "Wutbürger" verkörpern. Diesen Part wird nun Christian Nickel übernehmen, der bereits die Rolle des "Reformators" inne hat.

... indiskutable, aggressive und beleidigende Art?

Am Abend konterte der gefeuerte Manker und kündigte rechtliche Schritte an. Tatsächlich sei es zu einer "heftigen, lautstarken Auseinandersetzung" gekommen, bei der das gesamte Ensemble und alle Mitarbeiter der Produktion Zeuge gewesen seien, erklärte er in einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Regisseur Wedel habe dabei "in völlig indiskutabler, aggressiver und beleidigender Manier" die letzte Szene des Stückes kritisiert, in der er, Manker, mitwirkte. "Müßig zu sagen, dass die Kritik an einer einzelnen Szene (..) niemals zu einer öffentlichen Anklage vor dem gesamten Team oder gar einer fristlosen Kündigung" führen könne. "Es wird von meinem Anwalt Klage gegen die Festspiele eingereicht."

Sendung: hessenschau, 22. Juni 2017, 19.30 Uhr