Das fertiggestellte documenta-Kunstwerk, ein etwa 16 Meter hoher Obelisk, von US-Künstler Olu Oguibe
Bleibt nicht in Kassel: Der Obelisk auf dem Königsplatz. Bild © picture-alliance/dpa

Nach jeder documenta sichert sich die Stadt Kassel einige Kunstwerke. Fünf sind es diesmal, dazu 2.000 Bücher. Eines der bekanntesten Objekte darf aber nicht in Kassel bleiben.

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Die documenta ist für die Stadt Kassel auch immer die Gelegenheit, ihre städtische Kunstsammlung zu erweitern. Jetzt steht fest, welche Werke auf Beschluss des Magistrats diesmal an das Museum Neue Galerie gehen. Es sind fünf im Gesamtwert von 290.000 Euro. Auch die Stadtbibliothek wird von der d14 profitieren. Der viel diskutierte Obelisk von Olu Oguibe wird Kassel aber definitiv verlassen.

Die Werke im Einzelnen:

gekaufte documenta-Kunst
Ein klingender Stuhl der Künstlerin Nevin Aladag im Athener Konservatorium. Bild © picture-alliance/dpa
  • Ein Schwerpunkt der documenta 14 lag auf Performances. Eine davon war Musik von umgebauten Möbelstücken der Deutsch-Türkin Nevin Aladag. Die Künstlerin hatte Möbelstücke auf Flohmärkten und in Trödelläden gekauft und zu Musikinstrumenten umgebaut. Zum Start der d14 in Athen wurden sie "gespielt".
Der Zyklos "Koennteichsein" von Miriam Cahn
Der Zyklos "Koennteichsein" von Miriam Cahn. Bild © Andreas Bauer (hessenschau.de)
  • Die in der documenta-Halle gezeigten Gemälde und Zeichnungen der Schweizerin Miriam Cahn sollen die Sammlung der Gegenwartsmalerei in der Neuen Galerie ergänzen. Cahn thematisierte auf ihren Bildern Gewalt und Flucht – und damit einen weiteren d14-Schwerpunkt.
Edi Hila "Boulevard 1-6"
Edi Hila, Boulevard 1–6, 2015, Öl auf Leinwand, Installationsansicht (Detail), Torwache Kassel. Bild © Michael Nast
  • Faschismus und der Übergang zur Demokratie in Albanien sind die Themen des Malers Edi Hila. Seine Werke waren in Athen, in der Kasseler Torwache und der Hauptpost zu sehen. Die Stadt kauft das Gemälde "Boulevard 3", die Darstellung des Regierungssitzes der Faschisten, den heute die Universität Tirana nutzt. 
Susan Hiller - Video
Susan Hillers Digitalvideo "Lost and Found" (2016) in der Grimmwelt Kassel. Bild © Liz Eve, VG Bild-Kunst, Bonn 2017
  • Sprache spielt im Video "Lost and Found" der amerikanisch-britischen Künstlerin Susan Hiller eine zentrale Rolle. 23 Personen sprechen Sprachen, die so gut wie ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind, oder die wieder zum Leben erweckt wurden. 
Die Installation "Zaun" von Olaf Holzapfel im Bellevue
Die Installation "Zaun" von Olaf Holzapfel im Palais Bellevue. Bild © Andreas Bauer (hessenschau.de)
  • Olaf Holzapfels Fachwerk-Konstruktion "Trassen" aus der Karlsaue wird die Stadt Kassel nicht kaufen - dafür aber seine Präsentation "Zaun" im Palais Bellevue, die sich auch auf die "Trassen" bezog. Dieses Modell sowie vier digitale Vorstudien werden in Kassel bleiben und vorhandene Modelle früherer documenta-Außenkunstwerke ergänzen.
Parthenon der Bücher - fertig
67.000 Bücher hingen am Parthenon der Bücher - einige übernimmt die Kasseler Stadtbibliothek. Bild © picture-alliance/dpa
  • Freuen können sich die Nutzer der Kasseler Stadtbibliothek: 2.000 Bücher aus dem Parthenon der verbotenen Bücher von Martha Minujín bekommen dort von März 2018 an einen dauerhaften Platz – inklusive einer Videostation mit Virtual-Reality-Anwendung. Hier können Besucher noch einmal den virtuellen Parthenon begehen.
Olu Oguibe, Obelisk
Der Obelisk von Olu Oguibe wurde zur documenta 14 auf dem Königsplatz in Kassel errichtet. Bild © dpa/picture-alliance/ Katrin Kimpel (hessenschau.de)
  • Anders als nach den vergangenen documenta-Ausstellungen wird diesmal kein Außenkunstwerk gekauft. Im Gespräch war der Obelisk des Bode-Preisträgers Olu Oguibe auf dem Königsplatz, der offenbar eine siebenstellige Summe kosten sollte. Das ist angesichts des d14-Defizits von voraussichtlich sieben Millionen Euro zu viel, wie Kassels Kulturdezernentin Susanne Völker am Dienstag mitteilte. Außerdem wären offenbar nicht genug Spenden zusammengekommen, worüber der Ankauf der Außenkunstwerke normalerweise hauptsächlich finanziert wird.
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Hintergrund

Die d14 ist am 17. September zu Ende gegangen. Über den Erwerb von Kunstwerken berät immer eine Ankaufskommission, deren Vorsitz diesmal die neue Kulturdezernentin Susanne Völker innehatte. Die gekauften Werke sollen einen Querschnitt der jeweiligen documenta repräsentieren. Vorschläge kamen von Dorothee Gerkens, der Leiterin der Neuen Galerie. Der Kommission gehören die kulturpolitischen Vertreter der Fraktionen des Stadtparlaments an, außerdem die Vorsitzenden des Kunstvereins, der Kasseler Ortsgruppe des Bundesverbandes Bildender Künstler und des Museumsvereins. Zudem sind die Museumslandschaft Hessen Kassel und das Fridericianum vertreten.

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Sendung: hessenschau, 27.09.2017, 19:30 Uhr