Strommast bei Frankfurt
Strommast bei Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Ein gruseliges Szenario im hr-Tatort vom Sonntag: Ein Hacker platziert einen Virus im System eines Stromnetzbetreibers und knipst ganz Frankfurt das Licht aus. Ist so etwas möglich? hessenschau.de gibt Antworten.

Wenn ein Hacker seinen Verfolgungswahn auf die Spitze treibt: Im hr-Tatort "Wendehammer" hat IT-Superhirn Nils Engels (Jan Krauter) einen Virus im System der Frankfurter Stromnetzbetreiber hinterlegt, der sich aktiviert, wenn er länger als 24 Stunden kein Signal von Engels erhält. Am Ende passiert genau das: Engels stirbt, in Frankfurt gehen die Lichter aus. Ein Szenario, das Fragen aufwirft.

Gibt es Schadsoftware, die aktiv wird, wenn ein Hacker ihr kein Lebenszeichen sendet?

Theoretisch ja: Hacker können Schadcodes tatsächlich mit einer Funktionalität versehen, die in bestimmten Abständen Signale braucht. Bleiben die Signale aus, wird der Schadcode aktiv.

Könnte ein Hacker die Stromversorgung in Frankfurt lahmlegen?

"Man sollte sich bewusst sein: Alles, was man digitalisiert und vernetzt, kann potenziell auch angegriffen werden", sagt Matthias Hollick, Experte für Sichere Mobile Netze an der TU Darmstadt. In der Tat wird auch das Frankfurter Stromnetz digital gesteuert. Theoretisch ist die Stadt gut aufgestellt: Es liegen zwei Großkraftwerke auf ihrem Gebiet. Sie ist an zwei unabhängige Höchstspannungsnetze angeschlossen. Würde eines davon ausfallen, könnte das andere die Versorgung übernehmen.

Die beiden Höchstspannungsnetze sind wiederum über Umspannanlagen an Mittel- und Niederspannungsnetze angeschlossen, die ihrerseits mehrfach miteinander vernetzt sind. "Wenn es jemand schafft, diese Verbindungen zu kappen, dann wäre Frankfurt von der Stromversorgung abgeschnitten", sagt Matthias Hollick.

Ob schon einmal jemand einen solchen Cyber-Angriff versucht hat, darüber geben die Netzbetreiber keinerlei Informationen heraus – von dem Frankfurter Versorger und Netzbetreiber Mainova war kein Statement zu dem Thema zu bekommen.

Wie könnten Hacker vorgehen?

Ein Hacker könnte sich physischen Zugang verschaffen, das heißt, er schmuggelt  einen Trojaner oder einen Wurm über einen USB-Stick oder eine ähnliche Hardware ein. Eine andere Möglichkeit ist, eine authentisch wirkende Mail an einen oder mehrere Mitarbeiter zu schicken und sie aufzufordern, einen Anhang oder Link anzuklicken, über den sich dann die Schadsoftware installiert. Der jeweilige Rechner wird dann eine Art Brückenkopf für den Zugriff aufs gesamte Netzwerk. Wie weit die Betreiber der Frankfurter Stromnetze gegen derartige Angriffe geschützt sind, machen sie nicht öffentlich.

Was könnten künftig die größten Schwachstellen sein?

Mit dem "Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende" hat die Bundesregierung 2016 beschlossen, dass spätestens bis zum Jahr 2032 möglichst alle Haushalte einen digitalen Stromzähler (Smart Meter) einbauen müssen. Digitale Stromzähler kommunizieren sowohl mit den Energieerzeugern als auch mit den Verbrauchern.

Matthias Hollick beobachtet ihre Einführung kritisch, auch weil andere Länder mit den Funktionen der Smart Meter noch weiter gehen wollen als Deutschland: "In England wird darüber nachgedacht, diese Stromzähler mit einer Funktionalität auszustatten, um Menschen vom Netz zu nehmen, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen", sagt er. Gelingt es Hackern, erfolgreich in eines dieser Geräte einzudringen, steht Ihnen die Tür bei allen baugleichen Geräten ebenfalls offen. Millionen Haushalte könnten so gleichzeitig offline geschaltet werden. Hollick erinnert an die knapp eine Million Telekom-Router, die im November offline waren – wahrscheinlich wegen eines Hacker-Angriffs.

Was wären die Folgen eines Stromausfalls?

Schon ein Stromausfall von mehreren Stunden oder ein, zwei Tagen könnte die Wirtschaft Milliarden kosten. Viele Banken, der Frankfurter Flughafen und auch Krankenhäuser sind deswegen "redundant", das heißt, sie sind an mehreren unterschiedlichen Stellen ans Stromnetz angebunden oder haben Notstromaggregate, mit denen sie Stunden oder auch einige Tage überbrücken können.

Zöge sich der Stromausfall hin, dann wären die Folgen dramatisch: Kühlschränke und Heizungen fallen aus, die Wasserversorgung bricht zusammen. Krankenhäuser können ihre Patenten nicht mehr behandeln. Mit dem Internet und dem Mobilfunknetz bricht irgendwann sämtliche Kommunikation zusammen. Tankstellen können kein Benzin mehr liefern, Kassen und Geldautomaten funktionieren nicht mehr. Immerhin: "Das Bewusstsein dafür wächst in der Industrie gerade dramatisch", sagt Matthias Hollick.

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Die Stromausfall-Gefahr wächst

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Gefahr von Cyber-Attacken auf Stromnetzbetreiber und andere so genannte kritische Infrastrukturen (Kritis) wächst. Deswegen hat sie das IT-Sicherheitsgesetz auf den Weg gebracht, das im Sommer 2015 in Kraft getreten ist. Seitdem müssen Kritis-Betreiber dem Bundesamt für Sicherheit (BSI) Cyber-Attacken melden. Bis zum Sommer 2016 gingen bundesweit sieben Meldungen wegen solcher Attacken ein. Genaue Informationen, wer wann und wie angegriffen wurde, gibt aber auch das BSI aber nicht heraus.

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