Radarfalle an einer Straße
Radarfalle an einer Straße Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Polizei spricht von einem Erfolg: Rund 10.000 zu schnelle Autofahrer hat sie während des Speedmarathons geblitzt, viele andere fuhren gleich selbst langsamer. Die FDP aber findet: Die Polizei hätte Besseres zu tun.

Rund 190.000 Autos hätten am Mittwoch die 343 Radarfallen im ganzen Land passiert, davon seien knapp 10.000 zu schnell unterwegs gewesen, teilte die Polizei am Donnerstag in ihrer Bilanz des Speedmarathons mit. Rund 2.500 Autofahrer überschritten das Tempo-Limit um mehr als 21 km/h. Sie müssen nicht nur ein Bußgeld zahlen, sondern bekommen auch Punkte in Flensburg. 138 Fahrer erwartet zudem ein Fahrverbot von mindestens vier Wochen.

Insgesamt hätten sich die Autofahrer aber mehr als sonst an die Höchstgeschwindigkeiten gehalten, erklärte die Polizei. Zudem habe es weniger gravierende Verstöße als gewöhnlich gegeben. Das Thema sei bei den Fahrern angekommen, die Polizei ziehe ein positives Fazit des Aktionstages, sagte ein Sprecher des federführenden Polizeipräsidiums Mittelhessen.

Zu hohe Geschwindigkeit ist nach Polizeiangaben mit deutlichem Abstand Hauptursache bei Verkehrsunfällen mit Getöteten und Schwerverletzten. Die Messstellen des Aktionstages waren im Vorfeld mitgeteilt worden.

FDP: Andere Aufgaben dringender

Die FDP und die Polizeigewerkschaften kritisierten die Aktion, für die 757 Polizisten und kommunale Mitarbeiter im Einsatz waren. Andreas Grün, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), bezweifelte einen anhaltenden Effekt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft in Hessen erklärte ebenfalls: "Da stehen Kosten und Nutzen in keinem Verhältnis."

Der innenpolitische Sprecher der FDP im Landtag, Wolfgang Greilich, verwies auf die angespannte Sicherheitslage, in der eine "Schaufensteraktion ohne Wirkung" schlicht unverantwortlich sei.  "Gerade in diesen Zeiten fallen uns reichlich andere und weitaus dringendere Einsatzmöglichkeiten für unsere Polizeibeamten in Hessen ein", sagte Greilich. Das Innenministerium reagierte am Donnerstag zunächst nicht auf die Kritik.

128 km/h statt erlaubte 80

Zu den auffälligsten Autofahrern gehörte am Mittwoch ein Fahrer auf der B8, der mit 97 km/h in einem Bereich mit Höchstgeschwindigkeit 70 unterwegs war. Auf der A480 beim Reiskirchener Kreuz wurden zwei Autofahrer mit 128 km/h geblitzt; hier lag das zulässige Tempo bei 80.

Die regionalen Eindrücke waren dabei unterschiedlich: In Offenbach an der B448 war die Bilanz nicht besser als sonst, obwohl die Messstelle wie alle angekündigt worden war. An einer Schule in Biedenkopf war dagegen während der zweistündigen Messung nicht ein Auto zu schnell.