ein Huhn steht auf einem Feld
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Der Insektizid-Skandal lässt die Nachfrage nach Eiern vom Landwirt um die Ecke steigen. Der hessische Bauernverband spricht von einem regelrechten Ansturm. Unterdessen testen die Behörden auch einheimische Eier.

Seit dem Skandal um mit Insektizid verseuchte Eier aus Holland würden Märkte in Hessen vermehrt regionale Eier nachfragen, sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber, am Freitag zu hessenschau.de. "Es ist ein regelrechter Run entstanden." Auslöser der Nachfrage nach Eiern vom Direktvermarkter sei, dass Supermarktketten und Discounter mindestens die holländischen Eier aus dem Sortiment genommen hätten.

Legehennenhalter Karl Wilhelm Kliem vom Margarethenhof aus Karben (Wetterau) berichtete, einige Märkte hätten jetzt bei ihm die doppelte Menge an Eiern bestellt, um die Eier aus Holland zu ersetzen. "Im ersten Moment freut man sich über den höheren Absatz", erklärte der 50-jährige Landwirt. "Aber eigentlich ist es schlecht für die ganze Branche."

Eier meist Importware

An Discounter liefert Kliem weiter grundsätzlich nicht. Und auch bei anderen Anfragen muss er mitunter passen. "Hühner legen halt nur eine bestimmte Menge", sagte Kliem. Normalerweise lässt er die Hennen nicht länger als 15 Monate Eier legen, doch jetzt wird dies um einige Wochen verlängert. So kann Kliem mehr liefern als geplant.

"Wir produzieren im Schnitt 50.000 Eier am Tag. Das klingt viel, es sind aber nicht einmal zwei Prozent der Menge, die grundsätzlich im Rhein-Main-Gebiet gebraucht wird", erklärte der Landwirt. Der Selbstversorgungsgrad bei Eiern in Hessen liege nur bei rund 20 Prozent, der Rest werde importiert - bis jetzt zu einem großen Teil aus Holland.

Land kontrolliert Hessen-Eier

Eier aus den Niederlanden und Belgien sind inzwischen größtenteils schon aus den Regalen der Supermärkte verschwunden. Der Discounter Aldi nahm am Freitag alle Eier aus dem Verkauf. Eier von hessischen Hühnern sind bislang nicht mit Fipronil belastet, zumindest ist eine solche Belastung nicht bekannt. Die Behörden wollen aber auf Nummer sicher gehen und haben am Freitag stichprobenartige Untersuchungen von Hessen-Eiern angekündigt.

Ebenso solle das Muskelfleisch von Legehennen getestet werden. Das Fleisch von Legehennen werde lediglich in Produkten wie Hühnerbrühe verarbeitet, doch könne Fipronil auf diese Weise in die Nahrungskette gelangen, erklärte das Umweltministerium. Nach seinen Angaben gibt es aber keinerlei konkrete Hinweise auf Fipronil-Rückstände bei hessischen Tieren. Mit den Ergebnissen der Stichproben sei diese Woche nicht mehr zu rechnen.

Zum Verzehr ungeeignet

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Fipronil

Das Insektizid Fipronil wird zur Bekämpfung von Flöhen, Läusen, Schaben, Zecken und Milben eingesetzt. Es kann in hoher Dosis Schäden an Leber, Schilddrüse oder Niere verursachen, Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auslösen.

Ende der weiteren Informationen

Das Regierungspräsidium Darmstadt betonte unterdessen, bisher hätten sich keine Hinweise ergeben, dass bei belasteten Eiern eine kritische Schwelle überschritten wurde. Die Eier seien nichtsdestotrotz mit dem Insektizid Fipronil belastet und daher unabhängig von einer möglichen Gesundheitsgefahr zum Verzehr ungeeignet. Verbraucher können sich unter www.lebensmittelwarnung.de über die betroffenen Chargen-Nummern informieren. Dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge wurde Fipronil in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen.

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