First In auf der Freßgass
Das First In auf der Freßgass Bild © picture-alliance/dpa

Sie hatten behauptet, Migranten hätten an Silvester massiv Frauen belästigt und Menschen beklaut. Aber schnell war klar: Alles erfunden. Nun kommen ein Frankfurter Gastwirt und seine Komplizin vor Gericht.

Der Gastwirt Jan Mai, der behauptet hatte, dass es an Silvester 2016 auf der Frankfurter "Freßgass" zu massiven sexuellen Übergriffen gekommen sein soll, landet nun wohl vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat Anklage gegen den 49 Jahre alten Betreiber des "First In" und seine 29 Jahre alte Komplizin erhoben, teilte sie am Freitag mit. Der Vorwurf lautet "Vortäuschen einer Straftat".

Wie berichtet, hatten die beiden im Februar 2017 im Gespräch mit einem Journalisten der Bild-Zeitung behauptet, bis zu 50 arabischstämmige junge Männer hätten in der Silvesternacht in Frankfurt Frauen belästigt, Schlägereien angezettelt und Gäste beklaut. Die Bild veröffentlichte daraufhin einen Artikel mit der Überschrift: "Sex-Mob tobte in der Freßgass". Rund 900 "größtenteils betrunkene Flüchtlinge", hieß es da, seien nicht in den Sicherheitsbereich am Mainufer eingelassen worden und daraufhin zu der Ausgehmeile weitergezogen.

Sie war gar nicht in Frankfurt

Mai hatte die Vorwürfe erhoben und in einer Vernehmung bei der Polizei bestätigt. Die jetzt angeklagte Irina A. hatte behauptet, man habe ihr zwischen die Beine und an die Brüste gegriffen. Beide waren später auch im Sat.1 Frühstücksfernsehen, wo sie noch einmal über die angeblichen Übergriffe berichteten.

Die Berichte hatten in den sozialen Medien für erhebliche Aufregung gesorgt. Allerdings stellte sich später heraus, dass Irina A. in der Nacht gar nicht in Frankfurt, sondern in Belgrad war, und dass bei der Polizei auch keine Notrufe zur fraglichen Zeit eingegangen waren. Andere Gastwirte widersprachen zudem Mais Darstellungen. Mais Glaubwürdigkeit stand im Zweifel, nachdem bekannt wurde, dass er der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung sowie der AfD nahestand.

Bild bat um Entschuldigung

Die Polizei bezeichnete die Vorwürfe nach "intensiven und umfangreichen Ermittlungen" als "haltlos", sie entbehrten jeder Grundlage. In der Folge veröffentlichte die Bild eine Stellungnahme, in der sie den falschen Artikel bedauerte und sich entschuldigte.

Sendung: hr-iNFO, 24.11.2017, 12.20 Uhr