Facebook
Bild © picture-alliance/dpa

Sein Facebook-Eintrag über Anne Frank hat den Mitarbeiter einer Wetzlarer Traditionsbäckerei den Job gekostet. Der Mann hatte das Holocaust-Opfer verunglimpft und damit auch seinen Arbeitgeber belastet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Wetzlarer Traditionsbäckerei "Dahlheimer Backstuben" hat sich von ihrem langjährigen Mitarbeiter einvernehmlich getrennt. Das bestätigte der Anwalt der Bäckerei dem hr am Dienstag. Der Mann hatte privat auf Facebook ein geschmackloses wie strafrechtlich relevantes Bild veröffentlicht - und damit für einen Shitstorm gegen die Bäckerei gesorgt.

Der Mitarbeiter hatte am vergangenen Freitag eine Fotomontage von Anne Frank auf einer Pizzaschachtel auf der Seite der rechtsnationalen Facebook-Gruppe "Die Patrioten" gepostet, versehen mit der Aufschrift: "Die Ofenfrische, locker und knusprig zugleich" sowie "Neu, feurig scharf". Die Frankfurter Jüdin hatte den Holocaust nicht überlebt, sie starb im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Facebook reagierte und blockierte den Urheber. Nun drohen dem Mann auch juristische Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Limburg leitete Ermittlungen wegen der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener ein, wie Behördensprecher Christopher Roth am Montag hessenschau.de sagte.

Shitstorm während des Hochbetriebs

Doch weil das Bild noch am Freitag durch die kritische Nachfrage einer Kundin auf der Facebook-Seite der Bäckerei landete, sah sich der Betrieb nun im Fokus der Kritik. Nach der Verlinkung durch die Userin hagelte es prompt Kommentare.

"Als ich das Bild gesehen habe, war ich geschockt", sagte Juniorchef Markus Eckhardt. Warum die Bäckerei in vielen Kommentaren dafür verantwortlich gemacht wurde, kann er nicht verstehen. "Was unsere Mitarbeiter in ihrer Freizeit posten, bekomme ich nicht mit. Ich darf das auch nicht kontrollieren", sagt Eckhardt.

Die Bäckerei, die neben ihrer Hauptfiliale noch sechs Filialen in Wetzlar betreibt, distanzierte sich einen Tag später von dem Post des Mitarbeiters. "Das hat eine gewisse Zeit gedauert", so Eckhardt, "wir hatten ja am Wochenende Hochbetrieb." Neben dem Shitstorm musste er sich auch weiter um das Tagesgeschäft kümmern.

Kündigungsgrund wird noch geklärt

Der Mitarbeiter sei umgehend freigestellt worden, so Eckhhardt. Nun folgte am Dienstag die Auflösung des Arbeitsverhältnisses.

Auch die Firma Dr. Oetker, deren Logo für die Fotomontage verwendet wurde, kündigte an, gegen den Missbrauch des Firmenlogos juristisch vorgehen zu wollen. "Unsere Juristen prüfen bereits die Sachlage und rechtliche Möglichkeiten", teilte das Unternehmen am Montag auf Anfrage des hr mit. "Wir wären dankbar, wenn dieses widerliche Bild keine Chance im Netz hat und deshalb auch nicht weiterverbreitet wird", so eine Sprecherin des Unternehmens.

Sendung: hr-iNFO, 7.11.2017, 19 Uhr