Polizisten kontrollieren im Frankfurter Bahnhofsviertel einen mutmaßlichen Dealer.
Polizisten kontrollieren im Frankfurter Bahnhofsviertel einen mutmaßlichen Dealer. Bild © picture-alliance/dpa

Seit einem halben Jahr geht die Polizei mit mehr Beamten gegen die Dealer-Szene im Frankfurter Bahnhofsviertel vor. Nun legte sie mit der Stadt eine Zwischenbilanz vor.

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"Die Dealer treten nicht mehr im Rudel auf", sagte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) am Mittwoch beim zweiten Sicherheitsspitzengespräch von Vertretern der Stadt, der Polizei, der Justiz und der Bahn im Frankfurter Rathaus. In den unteren Ebenen des Hauptbahnhofs seien sie kaum noch zu sehen. Dort sei es inzwischen auch sauberer.

Die Ausgangslage: Vor und einem halben Jahr war ein Hilfeschrei aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel ertönt. Anwohner, Reisende und Pendler beschwerten sich massiv über immer aggressiver auftretende Dealer rund um den Bahnhof. Geschäftsleute beklagten sinkende Umsätze. Viele Kunden fühlten sich nicht mehr sicher.

100.000 Einsatzstunden

Jetzt liegen erste Zahlen auf den Tisch: Seit die rund 100 Mann starke "Besondere Aufbauorganisation" (BAO) der Polizei rund um die Uhr kontrolliert, leisteten die Beamten 100.000 Einsatzstunden, kontrollierten 29.000 Personen, schrieben über 3.100 Strafanzeigen und erreichten 162 Haftbefehle.

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Geldscheine werden im Tausch gegen ein Drogentütchen übergeben

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Weniger Dealer im Bahnhofsviertel

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"Die Kriminalität im Viertel ist stark zurück gegangen“, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Dennoch seien die Dealer nicht verschwunden. "Sie passen sich der Situation an", erklärt er, "teilweise tarnen sie sich mit Koffern und Einkauftaschen, um nicht aufzufallen“.

Dealer meist aus Nordafrika

Sorgen macht dem Polizeipräsidenten, dass mehr als 70 Prozent der Dealer aus Algerien und Marokko stammen. "Die meisten davon sind nicht in Frankfurt gemeldet", sagte er. Sie seien mit dem Flüchtlingsstrom nach Deutschland gekommen.

Die Ausländerbehörde versucht zurzeit auch, verstärkt Dealer zu finden, die für eine Aufenthaltserlaubnis Scheinehen mit Europäerinnen eingegangen sind. 

Last auf mehrere Schultern verteilen

Bereswill kündigte an, dass die BAO bis zum Herbst im Einsatz bleiben wird. Danach müsse die Last auf mehrere Schultern verteilt werden. Auch der sogenannte Frankfurter Weg, die bisher erfolgreich praktizierte Drogenhilfe der Stadt, solle überdacht werden. Der Grund: Nicht mehr Heroin sei die Leitdroge im Bahnhofsviertel, sondern Crack. Cracksüchtige seien aggressiver, flögen schneller aus Konsumräumen und seien insgesamt schwer zu erreichen.

Ordnungsdezernent Frank kündigte eine Überarbeitung des Konzepts an. "Frankfurt hilft kranken Menschen auch weiterhin", sagte er, "aber der Frankfurter Weg hat immer auf Entwicklungen reagiert."