Bildkombo aus Harald Glööckler, einem Symbolbild mit Justitia neben einem Aktenstapel und einem Suchaufruf für Johanna
Harald Glööckler (l.) steht nicht vor Gericht, aber ein Prozess in Darmstadt dreht sich um seine Kunst. Die Gerichte haben 2018 viel zu tun. Auch der Mordfall "Johanna" soll verandelt werden. Bild © picture-alliance/dpa

Geplante Terroranschläge und eine Reihe von Morden: Auf Hessens Gerichte kommt auch im kommenden Jahr viel Arbeit zu. Die interessantesten Prozesse 2018 im Überblick.

Rhein-Main

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zum Video Terrorverdächtiger Offenbacher Soldat auf freiem Fuß

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Der Staatsschutzsenat am Oberlandesgericht Frankfurt muss entscheiden, ob das Hauptverfahren gegen den mutmaßlich rechtsextremen Soldaten Franco A. eröffnet wird. A. soll auf Berliner Politiker Anschläge geplant haben. Der aus Offenbach stammende Offizier ist zwar wieder auf freiem Fuß, da der Bundesgerichtshof (BGH) keinen dringenden Tatverdacht mehr sah. Für das Hauptverfahren würde jedoch auch ein hinreichender Tatverdacht reichen.

In einem weiteren spektakulären Verfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt wird einem früheren Doktoranden der TU Darmstadt vorgeworfen, sich für die Vorbereitungen von Anschlägen entsprechende Anleitungen zum Bau von Waffen besorgt zu haben.

Malik F.
Der Ex-Student der TU Darmstadt, Malik F., bei einem hr-Fernsehinterview. Bild © hr

Das Landgericht Frankfurt wird voraussichtlich gegen einen ehemaligen Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz verhandeln. Der Mann ist 96 Jahre alt. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war der Mann 1943 an der "Aktion Erntefest" beteiligt, bei der mindestens 17.000 deportierte jüdische Gefangene erschossen wurden.

Knapp 30 Jahre nach dem Tod eines Vierjährigen muss sich vor dem Landgericht Hanau voraussichtlich eine mutmaßliche Sekten-Anführerin vor Gericht verantworten. Der 70 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, den Jungen mit einem über den Kopf zugeschnürten Leinensack im Badezimmer zum Schlafen gelegt zu haben. Sie habe das Kind trotz seiner Schreie nicht befreit. Der Junge starb in dem Leinensack.

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zum Video Anklage 29 Jahre nach der Tat

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Südhessen

Das Landgericht Darmstadt wird sich 2018 vermutlich mit dem gewaltsamen Tod einer Rentnerin aus dem südhessischen Dieburg beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft hat im Dezember Mordanklage gegen ein Paar erhoben. Eine 38 Jahre alte Frau und ein 28 Jahre alter Mann sollen die Rentnerin Ende März 2017 in ihrer Wohnung aus Habgier mit einem Messer umgebracht haben.

Mit zwei Panzern, die der Designer und Modeschöpfer Harald Glööckler in Kunstobjekte verwandelte, könnten sich die Richter ebenfalls in Darmstadt in einem Berufungserfahren befassen.

Glööckler selbst wird nichts vorgeworfen, da er nur der Künstler ist. Aber der Importeur der Militärfahrzeuge soll gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben. Das Amtsgericht Bensheim hatte den Mann zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, weil die Panzer nicht "entmilitarisiert" gewesen seien.

Abfotografiertes Bild mit einem bunt bemalten Panzer.
Das abfotografierte Bild zeigt einen vom Designer Harald Glööckler für ein Kunstprojekt bunt bemalten Panzer. Bild © picture-alliance/dpa

Mittelhessen

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zum Video Bohnacker-Fall nachgestellt

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Rund 18 Jahre nach der Tat könnte vor dem Landgericht Gießen der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der kleinen Johanna Bohnacker beginnen. Die Achtjährige war 1999 im Wetteraukreis entführt, missbraucht und getötet worden. Der Täter soll ein Mann aus Friedrichsdorf sein. Er wurde Ende Oktober festgenommen. Allerdings laufen die Ermittlungen noch.

Woolrec
Woolrec Bild © picture-alliance/dpa

Ebenfalls vor dem Landgericht Gießen beginnt mehr als fünf Jahre nach der Schließung des Betriebs der umstrittenen Mineralfaserfirma Woolrec das gerichtliche Nachspiel. Der frühere Geschäftsführer der Firma aus Braunfels und ein Gutachter müssen sich vor Gericht verantworten. Woolrec war nach langem Streit um eine mögliche Schadstoffbelastung und teils sich widersprechenden Gutachten 2012 geschlossen worden.

Nordhessen

Einen tödlichen Roboterunfall im VW-Werk wird voraussichtlich das Amtsgericht Kassel verhandeln. Ein 29-Jähriger muss sich vermutlich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Er soll den Programmablauf des Roboters gestartet haben, ohne zu prüfen, ob sich sein 21 Jahre alter Kollege noch im Gefahrenbereich befand.

Erneut vor dem Landgericht Kassel muss sich der frühere Chef des Versicherungsvermittlers MEG verantworten. Der Prozess beginnt am 8. März. Mehmet E. Göker wird der gewerbsmäßige Verrat von Geschäfts-und Betriebsgeheimnissen und ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vorgeworfen.