Landgestüt Dillenburg
Stallungen des Landgestüts Dillenburg Bild © picture-alliance/dpa

In der Dillenburger Stadtverwaltung laufen die Telefone heiß: Magistrat und Bürger wollen die vom Umweltministerium angekündigte Schließung des Landgestüts nicht widerstandslos hinnehmen. Man fürchtet einen massiven Rückschlag für den Tourismus.

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Die Erste Stadträtin von Dillenburg, Elisabeth Fuhrländer (CDU), machte am Dienstag noch einmal deutlich, was sie von den Plänen hält, das Dillenburger Landgestüt zu schließen: "Wir werden die heftigen Proteste mittragen, die aus der Bevölkerung kommen", kündigte sie an. Wie das konkret aussehen könnte, ließ sie offen.

Zu wenig Auslauf für die Hengste

Das Umweltministerium hatte der Stadt am Montag in einem dreiseitigen Schreiben mitgeteilt, dass das landeseigene Gestüt geschlossen werden soll. Als vorrangigen Grund nannte die grüne Ministerin Priska Hinz darin den Tierschutz: Die Hengste hätten in dem in der Stadt gelegenen Gestüt nicht genügend Auslauf.

Bei Tierschutzauflagen habe sich in den letzten Jahren viel getan, betonte eine Ministeriumssprecherin. Auch in Dillenburg sei versucht worden, nachzubessern, die Vorgaben hätten aber nicht für alle Pferde umgesetzt werden können. Das Land habe in Sachen Tierschutz eine Vorbildfunktion, der man in Dillenburg nicht gerecht werden könne. Mit der Stadt habe man seit langem Gespräche geführt.

"Bevölkerung akzeptiert das nicht"

In der Stadtverwaltung laufen seit dem Bekanntwerden der Entscheidung die Telefone heiß, wie Fuhrländer erklärte. "Die Bevölkerung akzeptiert das nicht", sagte die Erste Stadträtin und sprach hinsichtlich der Tierschutz-Begründung von einem "Totschlagargument".

Fuhrländer sieht vor allem auch Nachteile für den Tourismus in der Stadt. Mit seinen traditionellen Hengstparaden etwa locke das Gestüt viele Menschen von weither an. Es sei für die mittelhesssiche Schutzschirmkommune enorm wichtig.

SPD: "Land war an Lösung nicht interessiert"

Kritik an Hinz' Plänen kam auch aus der SPD. Tierschutz sei zwar wichtig, betonte Fraktionsgeschäftsführer Günter Rudolph. "Jedoch stellt sich die Frage, ob an einer wirklichen Lösung der Situation von Seiten der Landesregierung überhaupt Interesse gezeigt wurde."

Auch der Verband der Pony- und Pferdezüchter Hessen bedauerte die Entscheidung. "Wir werden durch eine Auflösung des Landgestüts nicht nur eine züchterische Einschränkung erfahren, sondern gleichermaßen auch ein Stück gewachsener Pferdetradition verlieren", sagte Geschäftsführer Klaus Biedenkopf.

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Das Landesgestüt Dillenburg

Das Gestüt war 1869 als Preußisches Hessen-Nassauisches Landgestüt gegründet worden, 1929 wurde noch eine Reit- und Fahrschule angegliedert. Das Gelände hat eine Fläche von zehn Hektar samt Paradeplatz, Stallgebäuden, Reithallen und einem Kutschenmuseum in der historischen Orangerie. Seit 2001 ist das Landgestüt ein Standort des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen.

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Tatsächlich war der Tierschutz nicht das einzige Argument des Landes. Der Betrieb eines Gestüts gehöre nicht zu den hoheitlichen Aufgaben einer Landesregierung, so das Ministerium. Die Einrichtung koste das Land jährlich 1,2 Millionen Euro. Darin seien Investitionen der letzten Jahre in den Denkmalschutz noch nicht eingerechnet.

Magistrat fühlt sich überrumpelt

Die Informationspolitik der Umweltministerin steht inzwischen ebenfalls in der Kritik. "Erst wird die Öffentlichkeit informiert, und danach erfahren es die Abgeordneten aus den Medien", sagte SPD-Politiker Rudolph.

Fuhrländer bemängelte, die Stadt sei von Hinz' Brief am ersten Ferientag regelrecht überrumpelt worden. Der derzeit im Urlaub weilende Bürgermeister Michael Lotz (CDU) habe noch auf eine Antwort von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gewartet. Lotz habe in einem Brief an Bouffier Vorschläge zur Weiterentwicklung des Gestüts gemacht.

Schließung frühestens in einem Jahr

Wie es nun weitergeht, bleibt vorerst offen. "Wir wissen nicht, ob wir das Landgestüt kaufen können", sagte Fuhrländer. "Wir legen aber großen Wert darauf, dass wir mitplanen können." Die städtischen Gremien könnten sich erst nach der Sommerpause mit der Angelegenheit befassen.

Bis sich die Tore des Gestüts endgültig schließen werden, dürfte auch nach Einschätzung von Andreas Sandhäger, Leiter des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), noch mindestens ein Jahr vergehen. So müssten beispielsweise für die Pferde erst einmal geeignete Käufer gefunden werden.

Ungewisse Zukunft auch für Mitarbeiter

Unklar ist auch, was mit den 24 Mitarbeitern und fünf Auszubildenden des Betriebs passieren soll. Der LLH erarbeite ein Konzept bezüglich personeller und betrieblicher Übergänge, hieß es vom Ministerium. Auszubildende, die bis zur Schließung ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben, sollen an andere Ausbildungsbetriebe vermittelt werden.