Sentinel-Satellit im All über Europa
Hochauflösender Blick auf die Erde: Sentinel über Europa Bild © ESA/ATG medialab

Die Esa schickt einen weiteren Wächter-Satelliten ins All. Im Darmstädter Kontrollzentrum wird der Start von rund 100 Raumfahrt-Fans bei einem Social-Media-Treffen begleitet.

In der Nacht zum Dienstag wird Darmstadt zum Mittelpunkt für raumfahrtbegeisterte Social-Media-Nutzer. Zum Start des Erdbeobachtungs-Satelliten Sentinel 2B vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guayana hat die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) neben klassischen Journalisten aus aller Welt auch Twitterer, Blogger, Facebooker und Instagrammer in ihr Kontrollzentrum ESOC eingeladen.

Per Hashtag um den Globus

Von dort sollen sie unter dem Hashtag #Sentinel2Go fleißig vom Raketenstart berichten. Aus mehr als 270 Bewerbern hat die ESA rund 100 soziale Netzwerker für das Event ausgewählt. Die Teilnehmer kommen nach Angaben einer Sprecherin aus 29 Ländern, darunter neben vielen europäischen Staaten Australien, Marokko und die USA.

Weitere Informationen

hessenschau.de-Redakteur Uwe Gerritz twittert am Dienstag ab 1.30 Uhr unter @hessen_uge die neuesten Updates aus Darmstadt zum Raketenstart und zum Social-Media-Event im ESOC.

Ende der weiteren Informationen

Sie können im Kontrollzentrum live mitverfolgen, wie um 2.49 Uhr die Vega-Rakete abhebt. Etwa eine Stunde später, nachdem sich der Satellit von der Trägerrakete gelöst hat, übernimmt Darmstadt die Steuerung. Das Ereignis wird auch im Netz live gestreamt.

Schon lange hat die ESA die sozialen Medien für sich entdeckt. Auf Twitter ist sie mit vielen Accounts zu ihren diversen Projekten vertreten. Beiträge auf Google+ und Facebook fehlen ebenso wenig wie farbenprächtige Fotos auf Instagram oder Flickr. Nicht zuletzt gibt es zu vielen Themen Blogs auf den ESA-eigenen Internetseiten.

Diskussionen mit Experten und einem Astronauten

Da lag es nahe, sich auch zu einem Raketenstart einmal Social-Media-Leute in Kompaniestärke ins Haus zu holen, eignen sich die Netzwerker doch perfekt als Multiplikatoren. Neben dem Mitfiebern im Kontrollzentrum steht dabei das direkte Gespräch mit Experten im Mittelpunkt. Mit Thomas Reiter wird auch ein waschechter Astronaut vor Ort sein.

Weitere Informationen

Sentinel bedeutet Wächter

Die Sentinel-Satelliten der Reihen 1 bis 6 sind der weltraumgestützte Teil des Copernicus-Programms, eines Erdbeobachtungsprojekts der Europäischen Kommission und der ESA. Neben Fotos und Radaraufnahmen aus dem All sammelt es auch Daten von Flugzeugen und erdgebundenen Stationen. Durch zeitnahe Bereitstellung entsteht so nahezu ein Echtzeit-Abbild der Erde.

Ende der weiteren Informationen

In Themenecken soll dann über Katastrophenschutz, Nahrungsmittelsicherheit, Weltraumtechnologie und Stadtentwicklung referiert und diskutiert werden. Und darüber, welchen Beitrag die Raumfahrt zur Optimierung der Lebensbedingungen auf der Erde und zum Klima- und Umweltschutz leisten kann.

Zum Beispiel Veränderungen der Küsten oder die Entwicklung der Vegetation genau zu beobachten. Dazu sind die Sentinel-2-Satelliten mit hochauflösenden Multispektralkameras ausgestattet. Der erste von ihnen, Sentinel-2A, war im Juni 2015 ins All geschossen worden.

Bessere Ernteprognosen durch Beobachtung aus dem All

Der baugleiche Sentinel-2B soll ihm am Dienstagmorgen folgen. Im Abstand von 180 Grad werden sich beide Satelliten künftig in derselben Umlaufbahn bewegen. So können sie alle fünf Tage ein komplettes Bild von Landflächen, großen Inseln, Binnen- und Küstengewässern rund um den Globus liefern.

Diese frei zugänglichen Informationen dienen dem Katastrophenmanagement ebenso wie der Landwirtschaft. Durch Farbanalysen der Vegetation sollen zum Beispiel Ernteprognosen genauer werden. Kürzlich wurde eine antarktische Forschungsstation vorübergehend geschlossen, nachdem Sentinel-Satelliten einen sich ausbreitenden Riss im Eis entdeckt hatten.

Kritiker warnen vor Missbrauch

Doch es gibt auch Bedenken gegen das Sentinel-Programm. Kritiker befürchten einen Missbrauch der Daten, etwa um Flüchtlingsströme aufzuhalten. Die EU wird mit ihrem Grenzüberwachungssystem Eurosur auf die Informationen zurückgreifen. Auch Militärs und Sicherheitsbehörden stehen die Daten zur Verfügung. Vier Sentinel-Satelliten sind schon im All unterwegs. Weitere Starts sind noch in diesem Jahr geplant.

Sendung: hr-iNFO, 07.03.2017, 6.00 Uhr